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NFL: Seattle Seahawks vor wegweisenden Wochen - zahlt sich Pete Carrolls Geduld aus?

Russell Wilson ist einer der Schlüssel zum Erfolg für Pete Carroll und die Seatte Seahawks.

Die Seattle Seahawks haben durch ihren wichtigen Sieg bei den San Francisco 49ers womöglich ihre Saison gerettet. Doch nun steht mit den Los Angeles Rams bereits die nächste große Herausforderung ins Haus. Über die Anpassungen, die die Seahawks vorerst wieder in die Spur bringen.

Nicht ganz ein Viertel der Saison ist bereits gespielt und die Seattle Seahawks standen kurz davor, sich ein gehöriges Loch zu buddeln, wäre auch das Gastspiel bei den San Francisco 49ers in einer Niederlage geendet. Doch dann kam die Wende, die vielleicht sogar die gesamte Saison gerettet hat.

Anstatt mit drei Niederlagen in Serie und einer 1-3-Bilanz ins zweite Division Game der Saison gegen die Los Angeles Rams (Nacht auf Freitag, ab 2.20 Uhr live auf DAZN) zu gehen, steht Seattle nun immerhin 2-2 und mit einer 1-0-Bilanz in der NFC West. Kein idealer Saisonstart, aber einer, auf den sich aufbauen lässt, speziell nach der Leistung gegen den Erzrivalen der vergangenen zehn Jahre.

Drei Niederlagen in Serie wurden abgewendet, eine Negativserie, die sie in Seattle seit 2011 - dem Jahr vor Russell Wilsons Rookie-Saison - nicht mehr erlebt hatten. Und doch erschien dieses Szenario am vergangenen Sonntag durchaus realistisch. Die Seahawks, die zuvor die Liga in Punkten vor der Pause angeführt hatten, bekamen zunächst keinen Fuß auf die Erde in Santa Clara. Nicht mal ein simples First Down war ihnen bis kurz vor der Pause vergönnt.

Dass die Partie bis dahin nicht längst vorentschieden war, hatten sie indes einer nach den vergangenen Wochen überraschenden Vorstellung der eigenen Defense zu verdanken. Nach einem Touchdown der Niners im ersten Drive gelang eine Interception, später verschoss Punter Mitch Wishnowsky noch einen Field-Goal-Versuch. Die Niners hatten zwar keineswegs Probleme, den Ball zu bewegen, wie 457 Total Yards unterstreichen, doch die Seahawks schafften immer wieder Stopps zur rechten Zeit und sie erzwangen Turnovers.

Der Schlüssel zu dieser Leistungssteigerung, nachdem Seattle in den Wochen zuvor von den Tennessee Titans und Minnesota Vikings defensiv förmlich überrannt wurden, war offenbar die eine oder andere Anpassung.

Seattle Seahawks: Zwei Anpassungen stabilisieren die Defense

Zum einen ließ Pete Carroll Cornerback Sidney Jones auf der linken Seite starten und setzte dafür Tre Flowers auf die Bank - dessen rechte Seite übernahm D.J. Reed, der bislang auf links postiert war. Jones machte zwar auch nicht die allerbeste Figur und war jeweils der nächste Verteidiger bei den Touchdowns von Ross Dwelley und Deebo Samuel (76 YDS), doch insgesamt machte er einige wichtige Plays.

"Es ist ein laufender Prozess. Es dauert seine Zeit, solche Dinge in Ordnung zu bringen", sagte Carroll über seine Defense und ergänzte: "Hoffentlich ist es noch nicht zu spät."

Die andere Veränderung, die für Seattle-Verhältnisse sehr ungewöhnlich ist, war die häufigere Verwendung von Sub-Packages. Die Seahawks sind sonst eigentlich bekannt dafür, überwiegend in ihrer 4-3-Base zu verharren, doch gegen San Francisco spielten sie gerade in offensichtlichen Passing Downs häufig mit sechs Defensive Backs. Safety Ryan Neal kam in diesen Situationen für Linebacker Jordyn Brooks ins Spiel. "Ich liebe es, sechs DBs auf dem Feld zu haben", sagte Safety Quandre Diggs, der im Spiel eine Interception fing. "Es ist etwas, was ich über meine gesamte Karriere immer wieder machen konnte. Ich habe in solchen Spots gespielt und weiß daher, welch eine andere Dimension das einer Defense gibt."

Nicht nur erschwerte dies das Passspiel für Jimmy Garoppolo und später Trey Lance, es gab auch der defensiven Front mehr Zeit, um Druck auf den jeweiligen Quarterback auszuüben. Laut TruMedia entfielen 13 der 15 Pressures am Sonntag auf Spieler der Defensive Line. Ein Teilbereich dieser Defense, der in letzter Zeit immer mal wieder zum Problem wurde für Seattle.

All das führte zu einer besonders effizienten Leistung in 3rd-Down-Situationen. Seattle hielt die 49ers bei 2 von 14 verwerteten 3rd Downs im Spiel - eine bemerkenswerte Quote.

Seattle Seahawks: Russell Wilson überzeugt anders als sonst

Und dann wäre da noch die Offense, die spät im zweiten Viertel erwachte und dann förmlich explodierte. Seattle erzielte 14 Punkte im dritten Viertel - ein Novum in dieser Saison, denn zuvor gelang kein einziger Zähler in jenem Viertel. Doch was war der Grund für diese enorme Leistungssteigerung?

"Let Russ Cook" war sicherlich ein Teil des Ganzen. Wilson legte zwar keine sonderlich beeindruckenden Zahlen auf (16/23, 149 YDS, 2 TD), präsentierte sich jedoch äußerst effizient und sorgte mit Scrambles für wichtige Plays. Sein Touchdown-Pass auf Freddie Swain war die Mutter aller Scrambles - er entging einem sicheren Sack und fand dann seinen Receiver in der Endzone. Zudem lief er selbst - per Scramble - zu einem weiteren Touchdown.

Doch es war nicht nur die individuelle Klasse des Quarterbacks, die die Wende brachte. Vielmehr überzeugte Wilson seinen neuen Offensive Coordinator Shane Waldron davon, auch nach der Pause das Tempo anzuziehen. Die Seahawks setzten vermehrt auf ihre Hurry-up-Offense, gaben den Niners also keine Zeit durchzuatmen oder das Personal zu wechseln. Wilson callte die Plays an der Line und war in Kontrolle.

Und es war nicht mal der übliche Stil, der zum Erfolg führte. Ist Wilson sonst für seine wunderbaren Deep Balls bekannt, die Defenses meist alt aussehen lassen, aber eben auch kein tragfähiges Langzeitkonzept sind, weil sie so selten und so riskant sind, war er dieses Mal zurückhaltender unterwegs. Wilson versuchte im gesamt Spiel nur einen Deep Ball (Pässe über mehr als 20 Air Yards) und dieser kam nicht mal an. Stattdessen visierte er hauptsächlich die kurzen und mittleren Distanzen an und warf auffällig viele Screens (2/2 nach links, 5/5 nach rechts), obgleich solche nur überschaubaren Raumgewinn einbrachten. Was er damit aber schaffte, war den Druck, der immer noch immens war, zu verringern und damit seine Offensive Line zu entlasten.

Seattle Seahawks mit dem Rücken zur Wand

Nun gilt es, das Gezeigte zu bestätigen. Bei den Niners kam hinzu, dass sie schon jetzt wieder zahlreiche Verletzte zu beklagen haben. Das kann man von den Los Angeles Rams nicht unbedingt behaupten. Letztere wurden bis vor kurzem noch als das vielleicht beste Team der Liga gehandelt, ehe auch sie von den Arizona Cardinals auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt wurden.

Die Seahawks dürften nun zumindest schon mal gut auf deren Offense eingestellt sein, schließlich spielt Sean McVay in L.A. eine ähnliche Offense wie sein früherer Vorgesetzter im Coaching Staff Washingtons, Kyle Shanahan, seines Zeichens Head Coach der Niners. Und auch Waldron dürfte seinem neuen Team Einblicke darin gewähren, schließlich arbeitete er bis zum Vorjahr unter McVay.

Zudem spricht für die Rams, dass Wilson über ähnliche Qualitäten verfügt wie Kyler Murray, der die Rams gerade erst zerlegt hat.

An Motivation wird es derweil auch nicht scheitern, die Seahawks haben Blut geleckt: "Die NFC West gehört uns; wir haben den Championship-Gürtel. Wir sagen, dass sie durch uns durch gehen müssen", sagte Safety Jamal Adams nach dem Sieg über San Francisco Richtung Rams. Nebenmann Diggs betonte: "Wir lieben Gegenwind und wenn wir mit dem Rücken zur Wand stehen, spielen wir immer am besten."

Und die Wand dürfte auch nach dem Statementsieg gegen die 49ers weiter nahe sein, schließlich beträgt der Abstand zur Spitze der eigenen Division schon jetzt zwei Spiele - eine weitere Niederlage, noch dazu gegen einen Division-Konkurrenten, würde die Playoff-Hoffnungen merklich dämpfen.

Seattle Seahawks: Die kommenden Gegner

WocheDatumUhrzeitGegner
5Freitag, 8. Oktober2.20 UhrL.A. Rams
6Montag, 18. Oktober2.20 Uhr@ Pittsburgh Steelers
7Dienstag, 26. Oktober2.15 UhrNew Orleans Saints
8Sonntag, 31. Oktober21.05 UhrJacksonville Jaguars
10Sonntag, 14. November22.25 Uhr@ Green Bay Packers
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