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NFL

Die wichtigsten Erkenntnisse der Regular Season: Das SPOX All Pro Team

SPOX-Redakteur Adrian Franke fasst die gerade beendete Regular Season mit seinem All-Pro-Team zusammen.

Die Regular Season 2020 ist Geschichte - die Playoffs stehen vor der Tür. Bevor der ganze Fokus Richtung Postseason geht, blickt Redakteur Adrian Franke am Montag ein letztes Mal zurück auf den NFL-Spieltag, dieses Mal eher noch auf die gesamte Saison - mit dem SPOX-All-Pro-Team 2020! Alle Recaps vom Sonntag gibt es hier.

Die Playoffs sind also endlich da! Die Bears wirkten phasenweise chancenlos gegen Green Bay, machten das Spiel dann trotz fragwürdiger Coaching-Entscheidungen kurzzeitig eng - nur um schließlich mit einer deutlichen Pleite in die Playoffs einzuziehen.

Grund dafür war die Niederlage der Cardinals bei den Rams; ein Spiel, das bedingt durch Ausfälle und Verletzungen während des Spiels viele Kuriositäten und nur bedingt gehaltvolle Takeaways mit sich brachte.

Arizona ist in der NFC das Team, das früher als gedacht in die Offseason geschickt wird, und meine Analyse aus der Vorwoche lässt sich hier zu großen Teilen nochmals wiederholen. Die Cardinals sind noch immer inmitten eines Kader-Umbruchs und haben entsprechend viele Baustellen, allen voran in der Offensive Line und im Receiving-Corps hinter Hopkins.

Doch aus der Qualität, die sie haben, machen sie zu wenig, und das wiederum rückt Kliff Kingsbury in den Mittelpunkt. Gerade die statische Art und Weise, wie er Hopkins zumeist einsetzt - als isolierter X-Receiver - sorgt dafür, dass Hopkins regelmäßig schwierige Matchups gewinnen muss. Während der Rest des Waffenarsenals nicht gut genug ist, um entsprechende Räume auch konstant zu nutzen.

Kingsbury wird sich umstellen müssen. Er muss eine schematische Baseline für seine Offense finden, vielleicht wäre er gut beraten, sich einen Offensive Coordinator mit NFL-Erfahrung zu holen, um mit Game-Planning, Anpassungen, Clock Management und dergleichen zu helfen.

Noch wackeln die Stühle von Kingsbury und GM Steve Keim nicht. Aber Arizona braucht eine starke Offseason und einen deutlichen Schritt in seiner Entwicklung in der kommenden Saison, ansonsten reden wir heute in einem Jahr von einer komplett anderen Situation.

Das andere NFC-Team, das in die Röhre schaut, sind die Giants, und die Aufregung war groß: Philly nahm, nachdem ein Fourth-and-Goal nicht geklappt hatte, Quarterback Jalen Hurts runter, leistete sich mit Nate Sudfeld bei den übrigen vier Drives noch zwei Turnover und verlor gegen Washington, das so die Division gewinnt.

Kein stolzer Moment, Doug Pederson könnte sich hier einen Bärendienst erwiesen haben und die Worte von Jason Kelce schwingen hier definitiv nochmal mit. Auch wenn ich den Aufschrei in den sozialen Medien über die Integrität des Sports - ein paar Stunden nachdem mehrere Teams in für mehrere Franchises essenziellen Spielen Starter geschont haben sowie angesichts Hurts' eigener Leistung am Sonntagabend - etwas überzogen fand.

AFC: Dolphins sind raus - QB-Debatte befeuert

Das Team, dem in der AFC nur die Zuschauerrolle bleibt, ist Miami. Während Cleveland zum ersten Mal seit 2002 in den Playoffs steht, hatten die Dolphins dieses Mal nicht ihren "Relief-Pitcher" Ryan Fitzpatrick dabei, der andernfalls mit hoher Wahrscheinlichkeit spätestens zum Start der zweiten Hälfte gekommen wäre. Als die Bills mit einem Return-Touchdown ihre Führung auf 18 Punkte ausgebaut hatten, während Miami auch gegen Buffalos inzwischen spielende Backup-Cornerbacks mit Tua den Ball kaum bewegte.

Die Diskussion um Tua wird jetzt die Dolphins-Offseason prägen, zumindest was die Storylines angeht. Ich hatte letzte Woche bereits darüber geschrieben und dieses Thema wird uns noch eine ganze Weile begleiten, aber der Kern der Diskussion ist: Tua Tagovailoa hat nur sehr wenig als Rookie gezeigt, gegen die Bills wurde das nochmals untermauert. Die Offense ist signifikant limitiert, alles ist kurz, die Probleme in der O-Line werden viel stärker herausgestellt, Tua nimmt nicht die Downfield-Shots. Die Offense hat so minimalen Spielraum für Fehler und der Rookie lässt dann auch zusätzlich mit inkonstanter Accuracy viel liegen.

Das mag man dem offensiven Play-Calling ankreiden, aber einen Grund dafür - verglichen mit der "Fitzpatrick-Offense" - wird es ja geben. Etwa, dass Tua Probleme damit hat, Defenses schnell genug zu lesen und auf Pressure und Blitzer Pre- und Post-Snap zu reagieren. Tuas (aktuelle) Limitierungen als Quarterback sind für mich hier eindeutig der erste Ansatz.

Miami wird durch den Trade mit den Texans den Nummer-3-Pick im kommenden Draft haben und Tua hat nicht genug gezeigt, um kategorisch auszuschließen, dass man einen Quarterback mit diesem Pick in Erwägung zieht. Wer weiß, wann Miami wieder so hoch pickt? Dieser Faktor ist elementar wichtig für die Debatte. Findet Miami im Scouting-Prozess einen Quarterback, dem die Dolphins mehr zutrauen als Tagovailoa - den sie jetzt ein Jahr ausgiebig studieren konnten - muss das eine Überlegung sein. Und das ist mehr ein Argument für die Chance, die die Dolphins mit dem hohen Pick haben, als eines gegen Tagovailoa.

Wer Top-5 pickt, der sollte fast immer über einen Quarterback nachdenken. Und die Tatsache, dass man einen im Jahr davor hoch gedraftet hat, ist kein Grund, um diese Überlegung einfach abzuhaken. Tagovailoa wird sich noch entwickeln, keine Frage. Aber was hat er dieses Jahr gezeigt, das Optimismus schürt? Und was wenn die gleichen Coaches und Scouts, die letztes Jahr Tua eingestuft haben, jetzt einen Quarterback noch höher ranken? Es wäre absurd, das nicht zu erwägen.

Damit zum Hauptprogramm: Mein All-Pro-Team 2020! Das Team wurde nach dem Vorbild des AP-All-Pro-Votings zusammengestellt. Offensiv gibt es auf den Skill-Positions also einen Running Back, zwei Wide Receiver, einen Tight End und eine Flex-Position. Defensiv gibt es zwei Edge-Rusher, zwei Interior-Linemen, drei Linebacker und einen zusätzlichen Defensive Back neben den regulären Secondary-Positionen.

NFL: All-Pro-Team 2020 - Offense:

Quarterback: Aaron Rodgers, Green Bay Packers. Manchmal haut man mit Prognosen auch mal komplett daneben, mein persönliches Paradebeispiel in dieser NFL-Saison sind Aaron Rodgers und die Packers. Green Bay war zwar mein Tipp für den Division-Sieg - aber eher mit rund zehn Siegen, mit einer Offense, die stärker über das Run Game kommt und das Spiel eher aus Rodgers' Händen nimmt, befeuert durch einen sehr merkwürdigen Draft, selbst abgesehen vom Jordan-Love-Pick.

Vom Draft halte ich nach wie vor nichts, rein von der Priorisierung der Positionen her. Aber mit den generellen Saison-Vorhersagen lag ich komplett daneben. Die Packers sind in neutralen Spielsituationen in der Top 10 der Pass-lastigsten Teams der Liga, LaFleur hat sich zu einem exzellenten Play-Caller entwickelt - und Rodgers, für mich vor der Saison gerade so noch in der Quarterback-Top-10, spielt eine unfassbare Saison.

Das betrifft einmal Rodgers' offensichtliche Bereitschaft, sich voll und ganz auf LaFleurs Scheme einzulassen. Er spielt beispielsweise spektakulär im Play-Action-Part der Offense, etwas, das letztes Jahr nicht ansatzweise so gut geklappt hat. Und dann hat er zusätzlich die Magie spät im Down wiedergefunden, wo er Offense kreieren kann, wo er selbst Big Plays auflegt, zu denen nur wenige Quarterbacks in der Lage sind. Und all das, quasi ohne dabei (gravierende) Fehler zu machen.

Im Kern hatte Rodgers dieses Jahr ein schlechtes Spiel, Woche 6 gegen Tampa Bay. Das war's.

Deshalb gibt es gibt für mich, genau wie im MVP-Rennen, auch nur eine ernsthafte Alternative hier, und das ist Patrick Mahomes. Russell Wilson hat sich in der zweiten Saisonhälfte komplett aus dieser Diskussion verabschiedet, er wurde für mich über die letzten Wochen von Ryan Tannehill, Deshaun Watson und auch Josh Allen überholt. Allen ist hier für mich die Nummer 3 hinter Rodgers und Mahomes, Allens Saison ist absolut beeindruckend. Für meinen Geschmack noch ein paar inkonstante Spiele, ein paar Fehler zu viel, aber er gehört hier aufs Treppchen.

Knapp dahinter: Patrick Mahomes, Chiefs; Josh Allen, Bills.

Running Back: Derrick Henry, Tennessee Titans.

Normalerweise wäre hier für mich ein Back mit mehr Impact im Passspiel ganz klar die Nummer 1. Einer wie Alvin Kamara, wie Christian McCaffrey, wie Austin Ekeler. Doch McCaffrey und Ekeler verpassten große Teile der Saison verletzt, Kamara war insbesondere während der Taysom-Hill-Phase im Passspiel quasi kein Faktor, ein Aaron Jones war in einem geteilten Backfield.

Und dann ist da eben Derrick Henry. Jener Derrick Henry, der die 2000-Yard-Marke knackte, als achter Running Back aller Zeiten. Der die Liga deutlich in Rushing-Yards und auch in Rushing-Versuchen anführt. Und der im Passspiel so überhaupt gar kein Faktor ist, sogar relativ wenige Snaps auch nur als Pass-Blocker spielt, weil er häufig bei Passing-Downs gar nicht auf dem Feld steht.

Aber eben auch jener Derrick Henry, der ein unheimlich dominanter Runner ist, der die entsprechende Volume eben auch handeln kann. Der jede Menge Yards nach Kontakt kreiert. Und der gefährlicher als jeder andere Runner in der NFL ist, sobald er mit Tempo aufs Second Level kommt.

Henry ist ein Oldschool-Back, von denen es nicht mehr allzu viele in der NFL gibt. Und er ist in der perfekten Offense für seine Fähigkeiten. Henry war, auch aufgrund seiner Volume, der dominanteste und prägendste Back dieser Saison.

Knapp dahinter: Alvin Kamara, Saints; Dalvin Cook, Vikings.

Tight End: Travis Kelce, Kansas City Chiefs.

Den Rekord hatte Travis Kelce schon vor Woche 17 in der Tasche: Kelce hat die Bestmarke von George Kittle übertrumpft und ist neuer Rekordhalter was Receiving-Yards für Tight Ends in einer Saison angeht, er ging in Woche 17, in welcher KC zahlreiche Starter schonte, auf Platz 2 was Receiving-Yards angeht, übertrumpft nur von Stefon Diggs. Vor DeAndre Hopkins, vor Davante Adams, vor Justin Jefferson, vor Teamkollege Tyreek Hill.

Das für sich ist schon absolut bemerkenswert. Doch auch Kelces Rolle in dieser Chiefs-Offense ist so elementar. Hill ist das explosive Element und derjenige, der Räume für seine Mitspieler schafft; Kelce ist der Dreh- und Angelpunkt, der Motor für Mahomes. Dominant im Kurzpassspiel, ultra-verlässlich, gut nach dem Catch, ein absolutes Matchup-Problem - und so setzt Andy Reid ihn auch ein. Kelce spielt viel isoliert auf einer Seite der Formation und auch viel Wide und gewinnt auch dort seine Matchups. Steht er In-Line, ist er auch ein sehr funktionaler Run-Blocker.

Ähnlich wie bei den Quarterbacks gibt es nur eine ernsthafte Alternative für mich: Darren Waller. Waller hat dieses Jahr den Sprung in die kleine Tight-End-Elite geschafft und geht für mich in die kommende Saison auf Augenhöhe mit Kelce und San Franciscos George Kittle. Elite-Waffen, um die herum man eine Offense aufbauen kann.

Knapp dahinter: Darren Waller, Raiders.

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