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NFL

New England Patriots im sportlichen Niemandsland: Wie vergangene Fehler die Gegenwart einholen

Bill Belichick steht vor einer ungewissen Zukunft bei den New England Patriots.

Die New England Patriots werden voraussichtlich die Playoffs verpassen. Gründe dafür gehen aber weit ober den Verlust von Tom Brady hinaus. Vielmehr sorgen Fehlgriffe in den vergangenen Jahren für große Probleme in der Gegenwart. Doch es gibt Hoffnung.

Trotz des etwas überraschenden Sieges über die Arizona Cardinals am vergangenen Sonntag blicken die New England Patriots rein sportlich essenziell auf eine aussichtslose Situation: Die Pats werden aller Voraussicht nach erstmals seit 2008 die Playoffs verpassen. Der Cardinals-Sieg war letztlich wohl nichts weiter als ein Tropfen auf dem sprichwörtlichen heißen Stein.

Die Gründe dafür sind mannigfaltig. Die Offense ist nach dem Abgang von Tom Brady nicht mehr effizient genug, die Defense hat seit dem herausragenden Vorjahr kräftig Federn gelassen, sowohl durch Abgänge in der Free Agency als auch durch all die Saisonausstiege aufgrund von Corona. Doch im Grunde genommen sind die besagten Faktoren allesamt nur Symptome.

Die Ursache für die diesjährige sportliche Misere liegt tiefer, sie liegt länger zurück.

Das Erfolgsrezept der Patriots seit Bill Belichick im Jahr 2000 übernahm, war stets ein letztlich finanzierbarer Kader. Die Patriots verstanden es über die vergangenen 20 Jahre wie kaum eine andere Organisation, ihren Salary-Cap-Space so flexibel wie möglich zu halten, in dem sie die zweiten, teureren Verträge von Eigengewächsen aus dem Draft auf ein Minimum beschränkten. Und mögliche hochkarätige Abgänge brachten im Gegenzug wiederum zusätzliche Picks ein.

Soll heißen: Die Patriots bauen ihre Kader zuvorderst über den Draft auf und sorgen stetig dafür, dass Jahr für Jahr frisches Talent nachkommt, sodass die eigenen früheren Draftpicks letztlich nach vier bis fünf Jahren kostengünstig ersetzt werden und eben nicht teuer bezahlt werden müssen.

Das Problem mit dieser Herangehensweise ist jedoch, dass mehrere Fehlgriffe im Draft, der per se eine Lotterie ist, das Gesamtniveau eines Teams merklich senken können. Und genau das lässt sich am aktuellen Patriots-Team beobachten.

Patriots: Nur noch ein Draftpick von 2016 im Kader

Draftpicks stehen grundsätzlich vier Jahre unter Teamkontrolle, fünf Jahre, wenn man von Erstrundenpicks ausgeht, die eine Option für ein fünftes Jahr im Vertrag haben. Zudem kann man Spieler bekanntlich nach Vertragsende per Franchise Tag ein weiteres Jahr halten. Folglich macht es Sinn, die Betrachtung im Jahr 2016 zu beginnen, zumal hier ein Franchise Tag in diesem Jahr zur Anwendung kam.

Im Jahr 2016 hatte New England nach Trades neun Draftpicks. Von denen ist noch ein Spieler, Drittrundenpick Joe Thuney, im heutigen Kader. Er wurde nach Ablauf seines Rookie-Deals per Franchise Tag gehalten und könnte daher im kommenden Jahr abspringen. Ein Jahr später, 2017, machten die Patriots nur noch vier Selections im Draft nach diversen Trades und einer Strafe wegen "Deflategate". Von den vieren ist nach der Entlassung von Derek Rivers nach Woche 11 dieser Saison nur noch Deatrich Wise Jr., ein damaliger Viertrundenpick, im aktiven Kader.

Von unterm Strich 13 gedrafteten Spielern in den Jahren 2016 und 2017 sind also nur noch zwei übrig. Für ein Team, dass über den Draft aufbaut, eine recht überschaubare Quote. Generell ist im Übrigen die Langlebigkeit der Patriots, was eigene Draftpicks betrifft, in der langfristigen Betrachtung recht niedrig.

Der dienstälteste Spieler im 2020er Kader ist Matthew Slater, der 2008 in Runde 5 gezogen wurde. Zudem kam Julian Edelman in Runde 7 2009 dazu - technisch gesehen auch Patrick Chung in Runde 2, doch der machte 2013 einen Abstecher nach Philly, ehe er 2014 nach Foxborough zurückkehrte. Und von 2010 bis 2015 wurden lediglich fünf eigene Draftpicks gehalten, die heute noch im Kader stehen - rechnet man die Erstrundenpicks Devin McCourty (2010) und Dont'a Hightower (2012) raus, sind es sogar nur noch vier Spieler.

Sicher haben einige von den Abgängen anderswo großes Geld verdient, wurden essenziell aus Salary-Cap-Gründen abgegeben im "Tausch" für Compensatory Picks. Doch zeigt das eben auch, dass angesichts der Erfolge im vergangenen Jahrzehnt dieses Konzept grundsätzlich gegriffen hat.

Patriots: Brady als einzige Konstante

Freilich half es, mit Brady eine Konstante zu haben, die das Team auf der wichtigsten Position im Football stets auf hohem Niveau hielt. Doch auch das Personal um ihn herum hatte stets großes Potenzial.

Bereits 2019 bröckelte dieses Konstrukt. Rob Gronkowski war im Ruhestand, zudem zeigte sich die Offensive Line nach zahlreichen Ausfällen äußerst löchrig und die Offense hatte kaum noch Playmaker. Ein Eindruck, der sich noch mehr auf die 2020er Version New Englands übertragen lässt, obgleich die O-Line zumindest bis zum jüngsten Ausfall von Left Tackle Isaiah Wynn, zu den besseren Units dieser Saison zählte.

Betrachtet man nun die Drafts ab 2018, fällt auf, wo die Probleme der heutigen Patriots begannen. Von neun Picks 2018 sind noch vier übrig, darunter die Erstrundenpicks Wynn und Running Back Sony Michel.

Wynn verpasste die komplette Saison 2018 verletzt und schaffte es weder 2019 noch 2020 komplett gesund zu bleiben. Verletzungen prägten bislang aber auch Michels Zeit in New England. Bei beiden dürfte es schwerfallen, die Fifth-Year-Option im kommenden Frühjahr zu ziehen. Zudem wurde damals in Runde 5 Ja'Whaun Bentley gezogen. Der Linebacker entwickelte sich langsam im Schatten von Hightower und Co. und ist aktuell ein Leistungsträger des Teams.

2019 gab es zehn Selections, von denen sogar noch acht im Team sind. Allerdings ist die Produktion derer bislang noch recht überschaubar. Positiv fielen bislang lediglich Punter Jake Bailey (5. Runde) sowie Edge-Rusher Chase Winovich (3. Runde) und seit dieser Saison Running Back Damien Harris (3. Runde) auf.

Erstrundenpick N'Keal Harry hingegen wirkt bislang wie ein massiver Fehlgriff, gerade wenn man bedenkt, weich herausragende Talente nach ihm in besagtem Draft gezogen wurden - man denke an Nummer-1-Receiver wie D.K. Metcalf, aber auch A.J. Brown oder Terry McLaurin. Eine Bewertung der 2020er Klasse verbietet sich freilich nach nicht mal einer Saison, obgleich Offensive Tackle Michael Onwenu (6. Runde) oder Safety Kyle Dugger (2. Runde) zumindest schon mal gute erste Eindrücke hinterlassen.

Unterm Strich haben die Patriots im 2020er-Kader - inklusive den Corona-Aussteigern - noch 21 von 42 Draftpicks seit 2016 im Kader. 20 von 33 seit 2017, was im Verhältnis gar nicht so schlecht ist. Doch bedenkt man, dass die Spieler von 2017 erfahrungsmäßig am weitesten sein müssten, fehlt den Patriots im Grunde eine ganze Draftgeneration in der aktuellen Saison.

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