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NFL - Ngakoue, Adams und Co.: Diese Stars könnten vor Saisonbeginn noch getradet werden

Von Jan Dafeld
Yannick Ngakoue will die Jacksnville Jaguars unbedingt verlassen.

Der Beginn der Training Camps steht unmittelbar bevor, die neue Saison rückt immer näher. Noch gibt es allerdings einige Stars, die ihr Team entweder verlassen wollen oder gehen dürfen. SPOX beleuchtet die Situation der größten Trade-Kandidaten und verrät, welche Teams als Abnehmer infrage kommen.

Yannick Ngakoue (Edge Defender, Jacksonville Jaguars)

Ngakoue will Jacksonville um jeden Preis verlassen, das ist seit Monaten bekannt. Der 25-Jährige pocht auf einen Trade und lieferte sich auf Twitter bereits ein öffentliches Scharmützel mit Tony Khan, dem Vizepräsident des Teams und Sohn von Jaguars-Owner Shahid Khan. Das Problem: Die Jaguars bestehen auf einen in ihren Augen angemessenen Gegenwert für den Star-Pass-Rusher und blockten bislang alle Anfragen und Angebote ab.

Nach dem Verstreichen der Franchise-Tag-Deadline kann Ngakoue zudem keinen langfristigen Vertrag mehr unterschreiben und wird die kommende Saison definitiv unter dem Tag spielen müssen. Ngakoue soll dazu zwar durchaus bereit sein, dennoch dürfte dessen ungewisse Zukunft seinen Tradewert nicht gerade erhöht haben.

Die gesamte Situation rund um den Jaguars-Star erinnert damit mehr und mehr an den Konflikt zwischen Jadeveon Clowney und den Texans im vergangenen Sommer. Houston ließ seinen Edge Defender damals schließlich lediglich für einen Drittrundenpick und zwei Rotationsspieler ziehen. Günstiger wird Ngakoue wohl nicht werden, immerhin könnten die Jaguars im kommenden Sommer dank der Compensatory-Pick-Regel immer noch auf einen Drittrundenpick als Entschädigung im Folgejahr hoffen.

Berichten zufolge verlangen die Jaguars mindestens einen Erstrundenpick - Tom Pelissero vom NFL Network vermeldete jüngst, dass zuletzt mehrere Angebote in Jacksonville eingegangen sind, darunter eines, bei dem ein Pro-Bowl-Spieler im Gegenzug zu den Jaguars gekommen wäre. Bislang haben die Jags alle Offerten abgelehnt. In Jacksonville ist man also offensichtlich bereit, zu warten.

Neben der Bereitschaft, sich für Ngakoue von einem höheren Draft-Pick zu trennen, müssten sämtliche Interessenten zudem ordentlich Cap Space mitbringen: Ngakoues Cap Hit in der kommenden Saison beträgt unter dem voll garantierten Franchise Tag immerhin 17,8 Millionen Dollar. Die Seahawks, bei denen Ngakoue die Nachfolge von Clowney antreten könnte, und die Giants, die Unterstützung im Pass-Rush dringend benötigen, müssten für eine Verpflichtung beispielsweise erst noch für etwas mehr Gehaltsspielraum sorgen.

Mögliche neue Teams: Seahawks, Giants, Eagles.

Jamal Adams (Safety, New York Jets)

Auch bei Adams ist der Wechselwunsch schon lange kein Geheimnis mehr. Der hochtalentierte Safety will teuer bezahlt werden, angeblich strebt der 24-Jährige sogar das höchste Gehalt aller Defensive Backs in der Liga an. Eine Forderung, der die Jets bislang nicht nachkommen wollten, die Unklarheiten infolge der Coronakrise dürften diesen Standpunkt nur weiter verstärkt haben.

Ein Vorteil für mögliche Interessenten: Adams soll bereit sein, für eine ausgewählte Liste an Teams zumindest die kommende Saison auch ohne einen neuen Vertrag zu spielen. Der mutmaßliche Hintergrund: Teams, mit denen er zeitnah um einen Titel spielen kann, würde er entgegenkommen.

Der Jets-Star zählt zu den besten Spielern auf seiner Position und kann überaus flexibel eingesetzt werden, sowohl in Coverage, als auch in der Run-Defense und als Blitzer bringt Adams hervorragende Qualitäten mit. Für Teams wie etwa die Ravens oder die Bucs, die auf ein äußerst aggressives defensives Scheme setzen, wäre Adams daher der nahezu perfekte Spielertyp.

Auch die Cowboys, die tatsächlich auch eine größere Baustelle auf der Position haben, werden immer wieder mit dem gebürtigen Texaner in Verbindung gebracht. Klar ist: Auf lange Sicht wird Adams teuer, kein Team wird die kolportierten Forderungen der Jets - mindestens ein Erstrundenpick - erfüllen und Adams wenig später einfach wieder ziehen lassen.

Besonders für die Cowboys, die perspektivisch nach wie vor Dak Prescott langfristig an die Franchise binden müssen und Ezekiel Elliott und Amari Cooper erst kürzlich teuer bezahlten, könnte sich eine Verpflichtung daher schwierig gestalten. Die Safety-Position wurde innerhalb der NFL zuletzt nicht in herausragendem Maße wertgeschätzt. Ob Adams etwas daran zu ändern vermag, bleibt vorerst abzuwarten.

Mögliche neue Teams: Cowboys, Ravens, Bucs.

Desmond King (Slot Cornerback, Los Angeles Chargers)

King hat bei seinem Team bislang zwar keinen Tradewunsch hinterlegt, dennoch wurde der 25-Jährige zuletzt mehrfach mit einem möglichen Wechsel in Verbindung gebracht. Der Grund: King spielte für die Chargers bislang fast ausschließlich als Slot-Cornerback, diese Rolle soll in der kommenden Saison aber der neu verpflichtete Chris Harris Jr. vermehrt einnehmen.

King würde dadurch aller Voraussicht nach ins zweite Glied rücken und allenfalls noch in so genannten Dime- oder Dollar-Packages mit sechs Defensive Backs auf dem Feld stehen - eine ganz schön kleine Rolle für einen Spieler, der erst 2018 noch ins All-Pro-Team gewählt wurde. Mit Joe Reed wählte Los Angeles im Draft zudem einen Spieler aus, der in Kings Fußstapfen als Returner treten könnte.

Ist der einstige Fünftrundenpick in der kommenden Saison tatsächlich eher als Spieler für die Kadertiefe vorgesehen, könnte ein Trade für die Chargers Sinn ergeben: Kings Vertrag läuft im kommenden Jahr aus, neben Spielern wie Joey Bosa, Keenan Allen, Melvin Ingram und Hunter Henry, die alle ebenfalls in ihr letztes Vertragsjahr gehen, könnte er entbehrlich sein. Slot-Cornerbacks zählen zudem nicht zu den bestbezahlten Spielern der Liga, ein sehr hoher Compensatory Pick würde Los Angeles daher wohl auch nicht winken. Gleichzeitig ist King ein guter Spieler und könnte in einem Trade dementsprechend mehr Value mitbringen.

Sollte King vor Saisonbeginn tatsächlich zu haben sein, dürfte es in jedem Fall genug Interessenten geben, Slot Cornerbacks werden in der NFL schließlich von Jahr zu Jahr wichtiger. Die Vikings, die aktuell auf eine äußerst unerfahrene Cornerback-Gruppe bauen müssten, und die Seahawks, deren Trade für Quinton Dunbar womöglich nicht die erhoffe Verstärkung bringen wird, wären ebenso Kandidaten wie die Packers, die einen starken Nickelcorner und Returner ebenfalls gut gebrauchen könnten.

Mögliche Teams: Vikings, Packers, Seahawks.

Dalvin Cook (Running Back, Minnesota Vikings)

Mehr als 1600 Yards und 13 Touchdowns legte Cook in der vergangenen Saison für die Vikings auf, zum ersten Mal in seiner Karriere wurde der 24-Jährige in den Pro Bowl gewählt. Angesichts dieser Umstände könnte man doch eigentlich annehmen, dass Cook für die Vikings nahezu unentbehrlich und nicht Gegenstand möglicher Trade-Überlegungen sein sollte. Doch die Situation ist kompliziert.

Cook will auf gar keinen Fall eine weitere Saison unter seinem Rookie-Vertrag spielen und forderte daher dem Vernehmen nach eine hoch dotierte Verlängerung. Und er ist bereit, dafür auch zu streiken.

Von seiner anfänglichen Forderung von rund 16 Millionen Dollar jährlich (ähnlich wie Christian McCaffrey) soll Cook mittlerweile zwar abgerückt sein, 13 Millionen Dollar pro Jahr (ähnlich wie Le'Veon Bell oder Derrick Henry) wären allerdings immer noch eine Menge Geld für einen Spieler auf einer Position, deren Wert über die vergangenen Jahre eher gesunken ist. Die Vikings sollen angeblich nur rund 10 Millionen Dollar pro Jahr bieten.

Streit ist somit vorprogrammiert, eine Einigung erscheint derzeit nicht in Sicht, sodass Minnesota einen Trade durchaus in Betracht ziehen könnte. Allerdings haben derzeit nur wenige Teams wirklich Bedarf auf der Running-Back-Position, in der Free Agency 2021 wären mit Aaron Jones, Joe Mixon, Alvin Kamara, Leonard Fournette, Kenyan Drake und Co. zudem zahlreiche gute Runner Stand heute zu haben. Unwahrscheinlich, dass Teams angesichts dieser Optionen bereit wären, nun einen hohen Preis für Cook zu zahlen.

Ohnehin ist dessen Verhandlungsposition denkbar schlecht. Sollte Cook sich tatsächlich weigern, die kommende Saison zu spielen, würde er 2021 nur ein Restricted Free Agent werden, die Vikings könnten ihn somit günstig für ein weiteres Jahr an sich binden. Melvin Gordon hatte in der letzten Offseason ähnliche Forderungen wie Cook gestellt, fiel damit aber ziemlich auf die Nase und musste sich letztlich mit einem Free-Agency-Vertrag über zwei Jahre und 16 Millionen Dollar zufrieden geben.

Mögliche neue Teams: Buccaneers, Steelers, Chargers.

Dee Ford (Edge Defender, San Francisco 49ers)

Vor etwas mehr als einem Jahr gaben die Kansas City Chiefs mit Dee Ford ihren besten Pass-Rusher ab. Bei den 49ers wurde der 29-Jährige Teil einer der gefährlichsten Defensive Lines der Liga. San Francisco zog bekanntlich in den Super Bowl ein, nicht zuletzt aufgrund der vielleicht besten Defense der NFL. Warum also ist in diesem Sommer angeblich erneut per Trade zu haben?

Tatsächlich war der einstige Erstrundenpick in der vergangenen Saison längst kein so großer Teil der starken 49ers-Defense, wie manch einer in San Francisco gehofft hatte. Aufgrund von Oberschenkelproblemen verpasste Ford fünf Saisonspiele, in der Regular Season stand er gerade mal 226 Snaps - also nur 22 Prozent aller möglichen Snaps - auf dem Feld. Nicht gerade die Leistung, die die 49ers im Sinn gehabt haben dürften, als sie 2019 einen Zweitrundenpick für Ford abgaben und diesen mit einem Vertrag über mehr als 85 Millionen Dollar ausstatteten.

Doch Ford ist und bleibt ein herausragender Pass-Rusher, vor zwei Jahren führte er die Liga in Pressures an, in der vergangenen Saison wies er die beste Pressure Percentage der NFL auf - vor Aaron Donald, vor Khalil Mack und auch vor Teamkollege Nick Bosa. Interessenten sollte es also trotz der Verletzungsanfälligkeit von Ford nach wie vor geben.

Dessen Vertrag ist obendrein durchaus teamfreundlich gestaltet. Im Anschluss an die kommende Saison könnte Ford mit weniger als fünf Millionen Dollar Dead Cap entlassen werden, das Risiko hielte sich also in Grenzen. Angesichts des Cap Hits von fast 16 Millionen Dollar müssten jegliche Interessenten, ähnlich wie bei Ngakoue, viel Cap Space mitbringen. Die Jets (24,4 Mio. Dollar), Titans (23,6 Mio. Dollar) und Lions (23 Mio. Dollar) würden diese Anforderung erfüllen.

Mögliche neue Teams: Titans, Jets, Lions.

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