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NFL - Cleveland Browns: Myles Garretts historischer Vertrag - Ein Signal gegen den gewohnten Trott

Myles Garrett wird bei den Cleveland Browns zum bestbezahlten Spieler, der nicht Quarterback spielt.

Die Cleveland Browns haben sich mit Edge-Rusher Myles Garrett auf einen Rekordvertrag geeinigt, der den früheren First-Overall-Pick zum bestbezahlten Verteidiger und Nicht-Quarterback in der Geschichte der NFL macht. Doch ist er das Geld auch wert, speziell nach seiner Sperre zum Ende der Vorsaison? Und was bedeutet der Deal für die Browns?

Myles Garretts neuer Vertrag ist historisch. Ab 2022, wenn sein Rookie-Vertrag ausläuft, wird Garrett im Schnitt 25 Millionen Dollar pro Saison verdienen. Damit übertrifft er nicht nur die durchschnittlichen Jahresgehälter von Edge-Rusher Khalil Mack (23,5 Millionen pro Saison) und Defensive Tackle Aaron Donald (22,5 Millionen pro Saison) - er wird damit auch jeden einzelnen Nicht-Quarterback in der Geldrangliste hinter sich lassen.

Doch wie kamen die Browns zu diesem Schritt? Es ist kein Jahr her, da stand Garrett unfreiwillig im Rampenlicht. Und zwar als Sündenbock.

Im Spiel gegen die Pittsburgh Steelers hatte er eine üble Rauferei mit angezettelt und mit dem Helm von Steelers-Quarterback Mason Rudolph auf dessen Kopf eingeschlagen. Die Folge war eine Sperre auf unbestimmte Zeit und Empörung aller Orten.

Mittlerweile hat Commissioner Roger Goodell die Bestrafung aufgehoben, nach einem Gespräch mit Garrett versteht sich. Garrett, der bis heute behauptet, von Rudolph vor der Tat rassistisch beleidigt worden zu sein und das als Auslöser angibt, hatte es geschafft, Goodell davon zu überzeugen, dass er doch eigentlich gar kein Rüpel sei. Und ganz offensichtlich haben auch die Browns dahingehend keine Bedenken mit Blick auf die Zukunft.

Sein bisheriger Lebenslauf immerhin untermauert dies. Garrett ist eher ein Leisetreter, der vor allem mit seinen Aktionen auf dem Platz spricht, nicht unbedingt mit seinem Mund außerhalb des Spielfelds. Er ist eher ein Teamplayer, der zwar selbstbewusst ist, dies aber nicht verbal vermittelt.

Myles Garrett: Sportlich über jeden Zweifel erhaben

Rein sportlich hingegen bestand nie ein Zweifel an Garrett. Der First-Overall-Pick des Jahres 2017 kam mit großen Vorschusslorbeeren in die Liga. Schon am Ende seiner College-Zeit galt er als einer der talentiertesten Verteidiger überhaupt auf dem Sprung zu den Profis.

Für Texas A&M lebte er förmlich im gegnerischen Backfield und brachte es in 24 Spielen in der ruhmreichen Southeastern Conference auf 31 Sacks und 47 Tackles for Loss. Dazu erzwang er sieben Fumbles. Den Rookie-Sack-Rekord des Colleges (5,5) brach er indes bereits in seinen ersten sechs Spielen für die Aggies 2014.

Schaut man sich die Draft-Klasse von 2017 heute nochmal an, lässt es sich - für sich betrachtet - noch immer rechtfertigen, dass er an 1 ausgewählt wurde. Sofern man ignoriert, dass in jenem Draft auch zwei Quarterbacks namens Patrick Mahomes und Deshaun Watson zu haben gewesen wären.

Die Browns, damals gerade im Umbruch nach einem radikalen Rebuild, waren sich sehr sicher, einen Eckpfeiler für die Zukunft in Garrett gefunden zu haben. Und das sind sie immer noch.

Myles Garrett: Leistungsdaten für die Cleveland Browns

SaisonSpieleTacklesSacksTackles for LossPressuresQB-Hits
2017113179-18
2018164413,5124829
2019102910112918

Überhaupt muss man betonen, welche Strahlkraft von Garrett in dieser Organisation ausgeht. Trotz der Suspendierung 2019 und einer Knöchelverletzung, durch die er fünf Spiele als Rookie verpasst hatte, gab es offenbar keine Zweifel an Garretts Qualitäten.

Und hier sei zudem betont, dass Garrett mit Andrew Berry 2020 bereits seinen dritten General Manager in Cleveland antrifft. Zur Zeit seines Drafts 2017 hatte noch Sashi Brown das Amt inne, zwischenzeitlich dann John Dorsey. Und mit Kevin Stefanski lernt Garrett nun auch schon seinen vierten Head Coach kennen.

Rein von der Position her ergibt es zudem Sinn, gerade Garrett mit einem so lukrativen Deal (125 Millionen Dollar) auszustatten. Edge-Rusher ist eine der Premium-Positionen in diesem Spiel und in der Defense neben Cornerback heutzutage die wichtigste. Dort einen grandiosen Spieler zu haben, ist enorm hilfreich.

Garrett ist ein solcher, das steht inzwischen kaum noch zur Debatte. Die Frage lautet eher, wie weit seine Entwicklung noch gehen kann. Er führte die Liga im Vorjahr mit 1,8 QB-Hits pro Spiel an und kam in seinen 10 Spielen auf 10 Sacks und 29 Pressures. Garrett ist die Art Spieler, gegen die Gegner spezielle Gameplans entwickeln müssen, gegen die permanent gedoppelt werden muss im Blocking.

Einer, der den Unterschied ausmachen kann an der Line of Scrimmage.

Myles Garrett: Vertragsverlängerung als wichtiges Signal

Abgesehen davon jedoch - und Garrett dürfte sicher mit seinen 24 Jahren noch Luft nach oben haben, worauf die Browns mit einem solchen Vertrag auch hoffen werden - hat Garretts Deal auch eine besondere Signalwirkung für die Fans im "Dawg Pound", die Mitspieler und auch die Konkurrenz: Die Browns haben genug vom Mittelmaß und wollen nun endlich wieder angreifen.

Letztmals standen sie 2002 in den Playoffs und sind seither über Jahre essenziell zur Lachnummer der Liga verkommen. Kaum ein Team hat seit der Rückkehr in die NFL 1999 mehr Quarterbacks, Head Coaches oder Teampräsidenten/GMs verschlissen als diese Browns. Und mit ihren Draftpicks lagen sie auch meist daneben, obwohl sie meist ziemlich hohe Picks hatten. Garrett ist die Ausnahme - und das nicht nur aufgrund seines Vertrags.

Garrett ist erst der vierte Erstrunden-Pick der Browns seit 1999, der tatsächlich auch einen (langfristigen) zweiten Vertrag in Cleveland unterzeichnet hat. Die anderen waren der künftige Hall-of-Famer Joe Thomas, Alex Mack und Joe Haden. Eine gute Quote sieht anders aus, doch das soll sich jetzt ändern.

Die Browns in stabileren Fahrwassern?

Garrett wird diese magere Bilanz nun aufpolieren und soll gewissermaßen der Anfang sein für eine stabilere Zukunft für diese Franchise, die wieder einmal mit einem neuen Regime in die Zukunft aufbricht. Weitere solche Verlängerungen - wenn auch vielleicht in einer finanziell anderen Etage -, sind ebenfalls in Sichtweite.

Nach dieser Saison stehen zumindest schon mal die Optionen für das jeweils fünfte Vertragsjahr von Quarterback Baker Mayfield und Cornerback Denzel Ward an, beide vielversprechende Erstrundenpicks aus 2018. Und Running Back Nick Chubb kann bereits nach 2021 Free Agent werden.

Alle angehenden Stars zu halten könnte sich jedoch als schwierig erweisen. Zwar verfügen die Browns über sehr viel Flexibilität, was das Personal angeht - aus der Starting Defensive Line etwa ist nur Garrett über die Saison hinaus gebunden -, doch allmählich geht der einst großzügige Cap Space zuneige.

Mit 38,7 Millionen Dollar steht ihnen aktuell zwar noch das meiste Geld zur Verfügung, im kommenden Jahr jedoch sind sie mit nur noch 32 Millionen Dollar im unteren Drittel der Liga angesiedelt. Und diese Summe könnte sich noch merklich verringern, sollte tatsächlich der Salary Cap aufgrund der Einnahmeverluste durch das Coronavirus - womöglich sogar drastisch - gesenkt werden.

Myles Garrett: Das Zünglein an der Waage für die Browns

Insofern ist Garretts Deal schon deshalb so wichtig, weil an dieser Front nun Klarheit herrscht. Der wohl beste Spieler des Teams ist langfristig gebunden und seine Vertragssituation wird somit nicht wie ein Damoklesschwert über der kommenden Offseason schweben.

Garretts Verlängerung ist wichtig für die allgemeine Kaderplanung sowie für die wirtschaftliche Situation des Teams. Rein sportlich betrachtet ist es nun aber am Spieler selbst, das in ihn gesetzte Vertrauen zu rechtfertigen. Schafft er das - und zwar über ganze Saisons -, und gelingt es ihm, seinem neuen Superstar-Status, der mit diesem Vertrag einhergeht, gerecht zu werden, dann hätten die Browns alles richtig gemacht für eine bessere Zukunft.

Enttäuscht Garrett dagegen, bliebe einmal mehr alles beim Alten und der gewohnte Trott würde weitergehen.

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