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NFL

Seahawks: Wilson, Metcalf, Lockett - so funktioniert Seattles Big-Play-Offense

Die Seahawks sind im vertikalen Passspiel eines der gefährlichsten Teams - doch wie funktionieren die Big Plays in Seattle?

 

Wie die Seahawks offene Big Plays kreieren

Was ebenfalls mehrfach auffällig war, ist die Art und Weise, wie Seattle angetäuschte Screens und auch Rollouts oder Bootlegs gezielt nutzt, um den Receivern im Passspiel Raum zu verschaffen.

Beispielhaft dafür gibt es noch eine Szene aus dem Panthers-Spiel. Es war eines der passendsten Beispiele dafür, wie Seattle gerne einen Play-Action-Fake auf die eine Seite durchführt, um dann die andere Seite im Idealfall mit Lockett und Metcalf zu attackieren.

Die Underneath-Zone-Verteidiger der Panthers machen durch den Fake geschlossen jeweils mehrere Schritte zur "falschen" Seite, während Metcalf den Cornerback auf der (aus Offense-Sicht) linken Seite vertikal mitnimmt. Das öffnet einen riesigen Raum, den die Linebacker infolge des Play-Action-Fakes nicht rechtzeitig schließen können und so steht ein denkbar einfacher 20-Yard-Raumgewinn.

Die nächste Stufe in der Play-Design-Entwicklung könnte dann das hier sein:

Diese Szene ist aus dem ersten Eagles-Seahawks-Spiel in dieser Saison, in der Regular Season. Das Muster ist dabei ähnlich: Es gibt Motion, es gibt einen Play-Action-Fake. Anders ist, dass Seattle letztlich daraus tatsächlich fünf Routes läuft und niemanden in Pass-Protection zusätzlich zur Offensive Line zurücklässt.

Anders ist auch, wie diese Routes entstehen, zumindest die des an der Line postierten Tight Ends, Hollister. Hollister blockt nämlich erst nach innen und ist somit Teil des angetäuschten Runs zur linken Seite. Erst nach Wilsons Rollout löst er sich aus der Formation und ist dann mit einer kurzen Comeback-Route für Wilson offen und direkt in dessen Sichtfeld, nachdem Wilson sich per Design aus der Pocket bewegt hat. Am Ende steht ein 21-Yard-Raumgewinn beim ersten Play von Seattles erstem Touchdown-Drive in diesem Spiel.

Seattle: Play-Designs - oder Eins-gegen-Eins gewinnen?

Die stellenweise wirklich guten Play-Designs von Offensive Coordinator Brian Schottenheimer kombinieren die Seahawks im vertikalen Passspiel gerne auch mit ISO-Routes: Seattle stellt insbesondere Metcalf gerne isoliert auf eine Seite, und wenn die Coverage ihm ein Eins-gegen-Eins daraus ermöglicht, nimmt Wilson das auch häufig an.

Das sind dann häufig auch simple Routes wie eine Go-Route, oder eine Fade-Route, oder Comeback-Routes - mit gelegentlichem, darauf aufbauendem Double-Move, um den Verteidiger auf eine falsche Fährte zu locken und stets im Ungewissen zu lassen.

Auf diese Art kam etwa Metcalfs Big Play gegen die Rams zustande. Auch der 60-Yard-Touchdown von Moore gegen die Vikings war ein Eins-gegen-Eins-ISO-Play, inklusive Coverage-Bust für Minnesota und in seinen wenigen Snaps für Seattle wurde Josh Gordon auf diese Art ebenfalls eingesetzt.

Russell Wilson als Meister der Improvisation

Bei all diesen Aspekten was Play-Designs und Route-Kombinationen angeht steht eine andere Sache nochmals auf einem ganz anderen Blatt: Wilson ist extrem gut darin - ganz besonders wenn er ISO-Routes und dadurch klar definierte Matchups auch im Play selbst hat - zu improvisieren und zu reagieren.

Wenn er den Ball 2,5 Sekunden oder länger hält, hat Wilson dieses Jahr 16 Touchdown-Pässe geworfen. Nur Lamar Jackson, Kirk Cousins und Deshaun Watson haben in weniger Dropbacks über mindestens 2,5 Sekunden noch mehr Touchdowns aufgelegt. "Man muss es wie zwei Plays in einem betrachten", mahnte auch Packers-Safety Darnell Savage, "es gibt das ursprüngliche Play und dann, was passiert, wenn dieses Play zusammenbricht und Russell hinter der Line tanzt. Das ist eine völlig neue Situation."

Die gute Nachricht für Green Bay: Die Packers sind nicht gerade das schlechteste Team für eine solche Aufgabe, zumindest was die Front angeht. Mit Za'Darius Smith, Preston Smith und Kenny Clark hat Green Bay drei gefährliche Pass-Rusher, dazu kommt Kyler Fackrell, der schon häufiger die Rolle des Quarterback-Spy übernommen hat, um als zusätzliche Absicherung gegen mobile Quarterbacks zu fungieren. Übrigens auch schon gegen Seattle, im letzten Duell dieser beider Teams im November 2018 verzeichnete Fackrell drei Sacks sowie vier Quarterback-Hits.

Wilson: "Für mich wie eine zweite Heimat"

Wie Seattle auf eine weitere schwierige Aufgabe für die eigene Offensive Line aus Play-Calling-Sicht reagiert, wird ein entscheidender Faktor für dieses Spiel sein - genau wie die Frage, ob die zuletzt verletzten Offensive-Line-Starter Duane Brown und Mike Iupati wieder spielen können.

Carroll ließ bereits durchblicken, dass seine Idee im kalten Lambeau Field ohnehin verstärkt den berüchtigten Rückkehrer einbezieht: Marshawn Lynch soll mehr Runs bekommen, wie Carroll bei ESPN betonte: "Er fühlt sich gut, er hat es jetzt durch zwei Spiele geschafft. Ich denke, wir können seine Rolle ausbauen und ihn etwas mehr einbinden."

Seahawks-Fans derweil dürften hoffen, dass Wilson mehr von seiner Deep-Ball-Magie zeigen kann. Es wäre gegen ein unangenehmes Packers-Team, gegen das Seattle auf dem Papier jedoch den Vorteil im Vergleich der beiden Passing-Offenses hat, womöglich der Schlüssel zum Sieg.

Dann könnte Wilson auch seine Bilanz in Green Bay aufbessern. Obwohl er College-Football für Wisconsin gespielt hat, bekam ihm Lambeau Field bislang nicht - Wilsons Bilanz hier steht bei null Siegen, drei Niederlagen, drei Touchdowns und sechs Interceptions. In allen drei Partien schaffte Seattle jeweils keinen Touchdown in der ersten Hälfte.

Von alledem will Wilson im Vorfeld der Partie jedoch nichts wissen. "Zurück nach Wisconsin zu kommen - das ist für mich wie eine zweite Heimat", erklärte er nach dem Eagles-Spiel, als er erst von Reportern erfuhr, dass es für die Seahawks infolge des überraschenden Vikings-Erfolgs gegen die Saints jetzt nach Green Bay geht. "Es wird kalt sein, und bestimmt wird es schneien. Aber es wird auch Spaß machen."

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