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NFL

Raging Randy und Letts Bock

Leon Lett (l.) hatte gute Jahre in Dallas - sorgte aber für einen unfassbaren Thanksgiving-Moment

1998: Dallas Cowboys vs. Minnesota Vikings 36:46 - Raging Randy

Bis heute ist es eine der größeren Draft-Überraschungen - zumindest, wenn man Randy Moss selbst fragt. Der elektrisierende Receiver war 1998 felsenfest davon überzeugt, dass ihn die Dallas Cowboys holen würden, sollte er an deren achter Position im Draft noch verfügbar sein.

Jahre später berichtete er, dass er im Vorfeld gar von Cowboys-Star-Cornerback Deion Sanders zu einem privaten Treffen eingeladen worden war: "Ich dachte, dass sie mir damit mitteilten, dass sie über mich nachdenken. Deion sagte mir, dass das Team mich unbedingt haben will und dass ich eine Verstärkung für sie wäre. Die Gespräche und die Zuneigung die ich in diesen 48 Stunden erfahren habe haben mich glauben lassen, dass ich ein Dallas Cowboy werden würde."

Doch es kam anders. Moss war an achter Stelle noch zu haben, Dallas wählte stattdessen aber Defensive End Greg Ellis. "Der Ausdruck auf dem Gesicht meiner Mutter - das ging mir echt zu Herzen. Ich habe mir selbst gesagt, dass ich das nie vergessen und vor jedem Spiel gegen die Cowboys daran denken werde", erzählte Moss weiter.

Wie das Schicksal es wollte, bekam er die erste Chance gleich in seiner Rookie-Saison. Und Moss lieferte: Zwar fing er beim 46:36-Sieg seiner Vikes gegen die Cowboys nur drei Pässe (Sanders fiel damals übrigens verletzt aus), doch darunter waren Touchdowns über 51 und zwei Mal 56 Yards. Dallas reichten 455 Passing-Yards von Troy Aikman am Ende nicht, um gegen den wütenden Rookie anzukommen.

1945: Detroit Lions vs. Cleveland Rams 21:28 - Ein gefürchtetes Duo

Man muss in den Geschichtsbüchern doch das eine oder andere Jahr zurückgehen, will man sich an die Zeiten erinnern, in denen Cleveland ein wirklich gutes Football-Team hatte. Die Ära rund um Jim Brown springt selbstverständlich ins Auge - aber es war nicht das erste Mal, dass Clevelands Fans Grund zum Jubeln hatte.

Wir schreiben das Jahr 1945. Der Zweite Weltkrieg ist beendet, es wird wieder regelmäßiger und verlässlicher Football gespielt. Die Cleveland Rams (wie sich später herausstellen sollte in ihrer letzten Saison vor dem Umzug nach Los Angeles) waren auf dem Weg zum ganz großen Wurf - ihrem ersten NFL-Titel: In der kompletten Regular Season verlor Cleveland nur eines von zehn Spielen. Und lieferte in Detroit zu Thanksgiving eine besondere Gala.

Receiver Jim Benton, der gemeinsam mit dem neu verpflichteten Quarterback Bob Waterfield schnell ein gefürchtetes Duo formen konnte, sorgte gegen hoffnungslos überforderte Lions für ein Novum: Mit 303 Receiving-Yards bei nur 10 (!) Receptions wurde er der erste Spieler, der innerhalb eines Spieles die 300-Receving-Yard-Schallmauer durchbrach. Ein Rekord, der 40 Jahre Bestand hatte. Bis heute ist diese Marke in Thanksgiving-Spielen unerreicht.

1952: Dallas Texans vs. Chicago Bears 27:23 - The One and Only

Die Dallas Texans. Längst sind sie nur noch eine Randnotiz, eine Fußnote in der Geschichte. Die Franchise existierte lediglich für ein Jahr und war nur für etwas mehr als eine halbe Spielzeit tatsächlich in Texas stationiert. Einen großen Moment hatte sie allerdings - und das ausgerechnet an Thanksgiving.

Doch der Reihe nach. Nachdem die New York Yanks gescheitert waren, sicherten sich Investoren aus dem Lone Star State die Franchise-Rechte und wollten den Sport endlich in Texas etablieren. Doch der Versuch war von Anfang an nicht von Erfolg gekrönt. Im Schnitt kamen nur 15.000 Zuschauer zu den Heimspielen, die Texans verloren ihre ersten neun Partien. Schnell hatten so auch die Eigentümer kein Interesse mehr, die Liga sprang ein und übernahm die Teamverwaltung für den Rest der Saison.

Die NFL-Grundlagen-Übersicht: Offenses, Defenses und vieles mehr erklärt

Durch dieses heute undenkbare Szenario trug das Team seine Heimspiele im letzten Saisondrittel auch nicht mehr in Dallas aus, sondern war primär an der Ostküste zu finden. So auch an Thanksgiving 1952: Im Rubber Bowl zu Akron, Ohio, ging es gegen die Chicago Bears (4-5), die einen Sieg dringend brauchten - und haushoher Favorit waren. Aber vor gerade mal 3.000 Zuschauern dominierte Dallas die ersten drei Viertel mit 20:2, begünstigt durch bittere Turnover der Bears.

Eine Aufholjagd im Schlussviertel bescherte Chicago zwischenzeitlich dann die Führung, doch ein 75-Yard-Drive innerhalb der letzten Spielminute machte die Sensation (und den einzigen Sieg der Texans in ihrer Geschichte) perfekt. Weil niemand die herrenlose Franchise übernehmen wollte, wurde sie nach der 1952er Saison aufgelöst. Den frei gewordenen Platz nutzte eine aus Baltimore stammende Investorengruppe: Sie gründeten schließlich die Baltimore Colts.

1998: Detroit Lions vs. Pittsburgh Steelers 19:16 OT - Der Coin Toss

Noch heute gibt es viel Kritik daran, dass der Münzwurf vor der Overtime einen zu großen Einfluss auf das Spiel hat - auch wenn inzwischen ein Field Goal beim ersten Ballbesitz in der Verlängerung nicht mehr zum Sieg reicht. In den Playoffs der vergangenen Saison gab es dennoch eine Beinahe-Kontroverse um den Münzwurf, als der Ref im Spiel zwischen Arizona und Green Bay entschied, dass sich das gute Stück in der Luft nicht ausreichend gedreht habe.

Arizona "gewann" den Wurf beide Male, weshalb das Thema letztlich schnell wieder in den Hintergrund rückte. An Thanksgiving 1998 war der Fall anders: Mit 16:16 ging es in die Verlängerung zwischen Detroit und Pittsburgh, Steelers-Kapitän Jerome Bettis trat zum Münzwurf an. Damals sollte die Entscheidung des Gast-Kapitäns für eine der beiden Seiten erfolgen, während die Münze fliegt - Bettis entschied sich erst für "Kopf", dann Sekundenbruchteile später für "Zahl". Schiedsrichter Phil Luckett verkündete dennoch: "Die Entscheidung ist Kopf."

Natürlich landete die Münze auf der Zahl-Seite, natürlich protestierte Bettis vehement. Doch die Entscheidung stand und Detroit marschierte direkt zum Game-Winning-Field-Goal. Eine Woche später wurden die Regeln geändert, seither muss der Kapitän seine Entscheidung verkünden, bevor die Münze in die Luft fliegt.

2012: Last but not Least - Der Buttfumble

Er darf in keiner Thanksgiving-Geschichte fehlen: Der Buttfumble!

Die New York Jets hatten gerade einige erfolgreiche Jahre hinter sich. Zwei Mal innerhalb von drei Jahren ging es für Sanchez, Rex Ryan und Co. ins AFC-Championship-Game, in jener 2012er Spielzeit stand das Team bei einer Bilanz von 5-5.

Dann kamen die New England Patriots an Thanksgiving - und beim Stand von 14:0 für die Pats Mitte des zweiten Viertels lief alles schief: Fullback Lex Hilliard verpennte die Ballübergabe, so dass Sanchez einfach mal los sprintete - und gegen den verlängerten Rücken seines O-Liners Brandon Moore knallte. Sanchez landete auf dem Rücken, der Ball ging an die Patriots und schnurstracks in die Endzone. Am Ende stand eine 19:49-Klatsche auf dem Scoreboard. Und eine Szene für die Ewigkeit.

"Ich meine... natürlich war das scheiße", gab Sanchez später offen zu. "Ich laufe gegen den Hintern von einem anderen Typen, verliere den Ball und der Gegner punktet. Und das an meinem Lieblingsfeiertag. Das war nicht cool."

Der aktuelle NFL-Schedule im Überblick

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