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NBA - Nuggets-Rookie Bones Hyland: Dem Feuer entronnen, nun das neue Spielzeug von Nikola Jokic

Von Thomas Lehmitz

Bones Hyland führt die derzeit starke Bank der Nuggets an. Dass der Rookie ein Feuer überlebte und auch in der Crunchtime abliefert, zeigt sein starkes Kämpferherz.

Die Fans der Philadelphia 76ers sind nicht zimperlich, weder mit den eigenen Spielern noch mit deren Gegnern. Russell Westbrook wurde kürzlich beschimpft, nicht selten wird auch das eigene Team ausgebuht, wenn die Leistungen nicht passen. Bei der Niederlage gegen die Denver Nuggets vor zwei Wochen waren allerdings auch Jubelrufe für das Auswärtsteam zu hören.

Genauer gesagt für einen Spieler des Auswärtsteams: Bones Hyland. Der Rookie wurde nur 30 Minuten von Philadelphia entfernt in Wilmington geboren und hatte viel Support auf der Tribüne. Und er enttäuschte nicht: 21 Punkte von der Bank, drei Dreier in Folge im vierten Viertel und ein vierter ganz wichtiger Wurf von Downtown in der Crunchtime machten ihn zu einem der Hauptdarsteller im vermeintlichen MVP-Duell zwischen Joel Embiid und Nikola Jokic.

"Unsere Bank war unglaublich. Bones Hyland hatte an die 500 Fans dabei und hat gezeigt, was er kann", lobte Denver-Coach Michael Malone nach dem Spiel. Für Hyland war dieses Spiel indes noch aus einem anderen Grund besonders: Im Publikum befanden sich Feuerwehrmänner und Ersthelfer einer Tragödie.

Kämpferherz: Trotz Schockdiagnose in die NBA

Es ist der 25. März 2018. Im Haus der Familie Hyland bricht ein Feuer aus, bei welchem die Großmutter und der 11 Monate alte Cousin ums Leben kommen. Der damals 17-jährige Hyland - von Flammen in seinem Zimmer eingesperrt - springt in Todesangst aus einem Fenster im ersten Stock auf die Treppe der Veranda und rettet dadurch sein Leben.

Dabei reißt allerdings seine Patellasehne im rechten Knie: "Jedes Mal, wenn ich eingewechselt werde, bekreuzige ich mich. Ich bin dankbar, in dieser Situation zu sein, dankbar überhaupt noch Basketball zu spielen, denn vor vier Jahren sagten die Ärzte, ich könne nie wieder Basketball spielen", erinnerte er sich nach dem Spiel gegen die Sixers. Ein zusätzlicher Schock für Hyland, der ja auch noch den Verlust in der Familie verkraften musste.

Sein Weg straft die Ärzte jedoch Lügen. Er absolviert ein hartes Reha-Programm und schafft es aufs VCU College. Nach einer durchwachsenen ersten Saison startet er im zweiten Jahr durch und legt 19,5 Punkte im Schnitt auf, ein Bestwert in der Atlantic 10 Conference. Als Folge wird er mit dem Player of the Year-Award ausgezeichnet und sein Scoring bringt ihn ins Blickfeld der NBA-Scouts.

Speziell seine schnellen Hände in der Defense und die Sicherheit von der Dreierlinie sind gefragte Fähigkeiten in der NBA. Auch an Selbstvertrauen mangelt es nicht: "Ich bin der beste Scorer in diesem Draft. Ich gehe viel klüger als die anderen Guards mit dem Ball um, ich werfe besser und kann tiefere Dreier treffen", sagt er beim Radiosender One37PM. Dass sein Name beim Draft 2022 trotzdem erst an Position 26 aufgerufen wird, liegt vor allem am schmächtigen Körper des damals 20-Jährigen, der ihm den Rufnamen Bones (eigentlich Nah'Shon) eingebracht hat.

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Bones Hyland: Platz in der Rotation oder nur Lückenfüller?

Und Hyland weiß in seiner ersten Spielzeit durchaus zu gefallen. Seinen Dreier konnte er problemlos in die NBA übertragen: Solide 37 Prozent der Distanzwürfe landen im Korb. Und mit seiner Energie macht er meist die fehlenden Kilos in der Verteidigung wett. Seine Leistungen bescheren ihm eine Teilnahme als Nachrücker bei der Rising Stars Challenge in Cleveland im Februar, bei der er 10 Punkte erzielt, dazu muss er auch als Kandidat für ein All-Rookie Team gelten.

Zurzeit führt er gemeinsam mit dem wieder erstarkten DeMarcus Cousins die Bankspieler der Nuggets an. Für MVP-Kandidat Jokic, der eine weitere historisch starke Saison hinlegt, kommt dabei jede zusätzliche Fire-Power recht, seitdem die Co-Stars Jamal Murray und Michael Porter Jr. beide verletzt ausfallen.

Hyland profitiert auch davon, dass der eigentliche Backup-Guard Facundo Campazzo aufgrund schwacher Leistungen aus der Rotation fiel, und hat gewissermaßen dessen Platz eingenommen. Spannend wird sein, ob er seinen Platz in der Rotation behauptet, wenn das Team wieder komplett ist. Murray könnte angeblich zu den Playoffs zurückkehren, das würde vermutlich Monte Morris zurück auf die Bank beordern. Hyland hat jedoch Argumente gesammelt, um neben oder vielleicht auch statt beispielsweise Austin Rivers weiter Minuten zu sehen.

Bones Hyland: Seine Statistiken in der NBA

SpieleMinutenPunkteFG%3P%ReboundsAssists
6418,69,940,337,72,82,5

"Murder Town USA": Hyland als Vorbild

Die Unterstützung der Fans ist ihm jedenfalls sicher. Seit der schrecklichen Brandkatastrophe verbindet Hyland und seine Heimatstadt ein festes Band, wie er nach der emotionalen Partie gegen die Sixers erklärte.

"Ich habe immer davon geträumt, hier eine Show hinzulegen. Ich bin dieses Kind aus der Stadt, das der nächsten Generation zeigen will: Das kannst du auch schaffen. Als ich aufgewachsen bin, hatte ich niemanden, der mir gezeigt hat, wie es geht. Niemanden, der mich geleitet hat. Also will ich jetzt dieser Anführer sein."

Das sind keine leeren Phrasen von Hyland, dessen Heimatstadt aufgrund der hohen Kriminalitätsrate 2014 den traurigen Beinamen "Murder Town USA" erhielt und immer wieder mit Schießereien in den Schlagzeilen landet. Nach dem Spiel gegen die Sixers musste Hyland unter Tränen die Pressekonferenz unterbrechen, als Fragen zu seiner Heimat kamen. Am Ende des Spiels bekam er von der Feuerwehr Wilmingtons eine offizielle Jacke als Zeichen der Verbundenheit geschenkt.

Liebling der Fans: Eine bemerkenswerte Geschichte

Und auch die Fan-Gemeinschaft aus Denver hat Hyland in ihr Herz geschlossen: Seine furchtlosen Drives (die allerdings noch etwas erfolgreicher sein könnten) und sein engagierter Einsatz in der Verteidigung machen ihn zum Liebling des Publikums.

Auch der eher nicht für seine Rookie-Liebe bekannte Coach Malone und die Nuggets vertrauen im Moment auf den Youngster: Bei der Overtime-Niederlage gegen die Cleveland Cavaliers etwa stand er fast 35 Minuten und davon die komplette Crunchtime auf dem Feld. 17 Punkte, 3 Steals und 7 Assist standen am Ende im Boxscore, sogar der letzte Wurf gehörte ihm, nachdem Jokic den eigenen Wurf verweigerte und stattdessen den Ball an Hyland abgab. Gibt es einen größeren Vertrauensbeweis?

Auch wenn der offene Dreier diesmal nicht fiel, Bones Hyland hat gezeigt, dass er sich seinen Platz in der NBA verdient hat. Dass jemand nach einer solchen Tragödie und Diagnose überhaupt an einen solchen Punkt kommen kann, ist schon bemerkenswert. Und seine Geschichte ist noch lange nicht zuende erzählt.

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