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NBA Legenden-Serie - Marvin "Bad News" Barnes: Raubüberfälle, Zeitmaschinen - und besser als Dr. J?

Marvin Barnes (l.) wurde auf eine Stufe mit Julius "Dr. J" Erving gestellt - doch Probleme abseits des Courts verhinderten eine Hall-of-Fame-Karriere.

In Barnes steckt unglaublich viel Talent, das durch seine Ausschweifungen aber nur selten zur vollen Entfaltung kommen kann. Die Spirits versuchen ihn mit Geldstrafen und Suspendierungen auf die richtige Bahn zu lenken. Es beginnt mit einem Dollar Strafe pro verspäteter Minute, es geht hoch auf zehn, dann 50. Doch aus Angst, den eigenen Superstar zu vergraulen, drücken die Verantwortlichen zu oft ein Auge zu.

Barnes' späterer Coach Rod Thorn versucht es nach zahlreichen Schimpftiraden irgendwann mit einer anderen Herangehensweise. "Meine einzigen Gespräche mit Marvin kamen, nachdem er etwas verbockt hat. Also dachte ich mir, ich rede mit ihm, wenn er etwas Gutes macht", erinnert sich Thorn.

"Wir haben in Utah ein sehr enges Spiel gewonnen, Marvin war überwältigend. Ich bat ihn, nach dem Spiel in mein Hotelzimmer zu kommen, das tat er, was schon mal ein gutes Zeichen war", führt Thorn rückblickend aus.

Spieler und Coach führen mehrere Stunden lang eine "großartiges Gespräch", an dessen Ende Barnes das Versprechen gibt, sich zu ändern. Und am nächsten Morgen verpasst er wieder den Teamflieger. "Ich wusste nicht, was ich mit dem Typen noch anfangen sollte", so Thorn.

Marvin Barnes: Ein Horror für alle Coaches

Verantwortung zu übernehmen, ein Team als Franchise-Star zu tragen, das weist Barnes Zeit seiner aktiven Karriere entschieden von sich. "Ich will mich nicht wie ein 30-Jähriger verhalten, wenn ich 22 bin", sagt er damals. "Aber sie hören nicht auf, mir zu sagen: 'Du darfst keine Fehler mehr machen, Marvin. Du darfst keine Teamflieger mehr verpassen, Marvin. Iss dein Gemüse, Marvin. Ich habe keine Lust mehr, die 'Franchise' zu sein mit all dieser Verantwortung."

Nach jedem guten Spiel, nach jeder noch so kleinen Hoffnung auf Besserung, die bei den Teambossen aufkeimt, macht Barnes diese blitzschnell zunichte. Beispielsweise als er nach einer knappen Niederlage die Teamchemie kritisiert. Nicht etwa, weil St. Louis einen Vorsprung verspielt hat, sondern weil seine Mitspieler ihn mit 48 Punkten auf dem Konto nicht mehr bedienten, um die 50 zu knacken.

"Die mentale Welt des Marvin Barnes war ein bizarrer Ort", fasst Costas die Problemfelder des Sorgenkinds zusammen, das in seiner Freizeit einerseits mit seinem Rolls Royce prahlt, andererseits aber auch Kinder mit Schuhen sowie T-Shirts versorgt und ihnen Eiscreme am Fließband spendiert.

Marvin "Bad News" Barnes: "Er wollte dich blamieren"

Dabei hat Barnes alle Anlagen, um ein ganz Großer seines Sports zu werden. Auf dem Court ist er fast nicht zu stoppen. Den Power Forward zeichnet eine Mischung aus starkem Durchsetzungsvermögen unter dem Korb sowie einem gefährlichen Jumper aus der Mitteldistanz, hervorragendem Scoring und willensstarkem Rebounding, Leichtfüßigkeit und schierer Power aus.

In seiner Premierensaison in der ABA legt Barnes 24 Punkte und 15,6 Rebounds im Schnitt auf, gut genug für den Award als Rookie of the Year. In seiner zweiten Spielzeit lässt er 24,1 Punkte bei 50,3 Prozent aus dem Feld folgen. Er schafft es zweimal ins ABA All-Star Game und einmal ins All-ABA Second Team.

Als ihm vor seinem ersten Duell mit Caldwell Jones, einem Big Man aus San Diego, zu Ohren kommt, dieser sei ein hervorragender Verteidiger, schenkt er ihm 48 Punkte und 30 Abpraller ein. "Die Wahrheit ist: Es gab viele Abende, an denen Dr. J gespielt hat, aber der beste Spieler auf dem Court war Marvin Barnes", behauptet Costas in der 2013 erschienen TV-Doku "Free Spirits".

Oder wie es sein ehemaliger Mitspieler Steve Jones ausdrückt: "Er wollte dich nicht nur besiegen, er wollte dich blamieren. Aber so vieles, was Marvin gemacht hat, war gleichzeitig kontraproduktiv für seine Karriere."

Barnes ist ein Top-5-Basketballer in seiner Prime, doch was den Wert für sein eigenes Team angeht, dürfte er in der Flop 5 rangieren.

Marvin "Bad News" Barnes: Keine Trendwende in der NBA

Trotz eines talentierten Teams um Barnes, Freddie Lewis und Maurice Lucas verlieren die Spirits of St. Louis in dessen Rookie-Saison 52 der 84 Partien. Nur wenige Wochen nach dem Start seiner Profikarriere ist er nach einem Disput über seinen Vertrag nicht mehr auffindbar. Später findet das Team ihn in einer Billardhalle in Ohio.

Auch in der darauffolgenden Spielzeit, nun auch mit Moses Malone an seiner Seite, läuft es für St. Louis nicht unbedingt besser (35-49), beim Merger mit der NBA im Sommer 1976 gehen die Spirits leer aus. Immerhin kassieren die Besitzer mit dem vielleicht besten Deal der NBA-Geschichte noch auf Jahre hinaus kräftig ab.

Doch Barnes' Laufbahn nimmt in der NBA keine gute Wendung. Aufgrund eines Verstoßes gegen seine Bewährungsauflagen - am Flughafen finden Beamte eine ungeladene Waffe in seinem Gepäck - muss er für 152 Tage ins Gefängnis. Zudem macht dem neuen Pistons-Forward eine Handverletzung zu schaffen.

Sein Punkteschnitt fällt auf 9,6 Zähler, später wird er nach Buffalo weiterverschifft, dann geht es weiter nach Boston und San Diego. Bedeutend länger als eine Saison hält er sich bei keiner Station mehr, in der NBA kann er sich nicht durchsetzen. Auch weil nun die Drogen ins Spiel kommen.

Marvin "Bad News" Barnes: Seine Karrierestatistiken in der ABA und NBA

LigaSaisonsSpiele / MinutenPunkteReboundsAssistsBlocksFG%
ABA2144 / 38,624,113,42,81,950,0
NBA4171 / 21,79,25,51,51,044,2

Marvin Barnes vor den Drogen? "Ein Genie"

Später gibt Barnes zu, als Mitglied der Celtics selbst auf der Bank Kokain geschnupft zu haben, versteckt unter einem Handtuch. Die Drogensucht ist der endgültige Sargnagel auf seiner professionelle Basketballkarriere. "Als ich in der ABA war, war ich einer der fünf besten Basketballer, egal ob ABA oder NBA - keine Frage", so Barnes rückblickend. "Aber als ich mit Kokain, Alkohol und Marihuana angefangen habe, ist alles den Bach runtergegangen: mein Spiel, mein Aussehen, mein Körper."

Aufgrund des Drogenkonsums beschränkt sich Barnes' einst vielversprechende Karriere auf zwei Jahre in der ABA und vier erfolglose Saisons in der NBA (9,2 Punkte im Schnitt), bevor es zu einem Abstecher nach Italien und in die Continental Basketball Association geht. Berichten zufolge lebt er anschließend mal in Kalifornien, mal in Texas, mal in Virginia. Mal ist er obdachlos, mal im Gefängnis.

Erst viele Jahre später nimmt er den Kampf gegen die Drogen an und gewinnt ihn. Er gründet die "Rebound Foundation", als deren Präsident er benachteiligte Jugendliche vor den Gefahren von Drogen und Alkohol warnt. Oder auch davor, die gleichen Fehler zu begehen wie er.

Ein Lebensabend als Marvin "Good News" Barnes ist ihm allerdings nicht vergönnt. Im September 2014 stirbt Barnes im Alter von nur 62 Jahren. Kurz zuvor wird er angeblich rückfällig.

Einst soll Barnes einen Journalisten gefragt haben, ob es stimme, dass Kokain Gehirnzellen zerstöre. "Dann muss ich ein Genie gewesen sein, als ich damit angefangen habe", sagte Barnes nach einer kurzen Pause. Vor allem in Bezug auf den Basketballer Marvin Barnes können die meisten Augenzeugen dies bestätigen.

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