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NBA - Lonzo Ball vor der Trade Deadline: Warum New Orleans in einer (selbstverschuldeten) Zwickmühle steckt

Lonzo Ball spielt seit 2019 für die New Orleans Pelicans.

Lonzo Ball wird im Sommer Restricted Free Agent, entsprechend unklar ist die Zukunft des früheren Nr.2-Picks. Der Point Guard spielt eine gute Saison, trotzdem suchen die New Orleans Pelicans wohl einen Trade für ihn. Dass es soweit gekommen ist, haben sich die Pelicans auch selbst zuzuschreiben. Was könnte mit Ball nun passieren?

War es ein erstes Zeichen für einen anstehenden Trade? Die New Orleans Pelicans siegten am gestrigen Abend in Denver dank Brandon Ingram und Zion Williamson, doch Lonzo Ball fehlte verletzt mit einem Problem an der Hüfte.

Das kann passieren, aber so kurz vor der Trade Deadline ist es oft verdächtig, wenn Trade-Kandidaten hier und da mal ein Spiel verpassen.

Fakt ist, dass es nun schon seit Januar hartnäckige Gerüchte um den 23-Jährigen gibt. Der Vertrag des Point Guards in New Orleans läuft aus, Ball wird nach der Saison Restricted Free Agent (RFA), da sich die Parteien vor der Spielzeit nicht auf eine vorzeitige Vertragsverlängerung einigen konnten.

Balls Agent ist Rich Paul, der Kumpel von LeBron James und mit diesem hatten die Pelicans in der Vergangenheit eher unschöne Erfahrungen. Paul war es, der im Januar 2019 öffentlich einen Trade für seinen Schützling Anthony Davis forderte - raus aus New Orleans, hinein in die Glitzerwelt von Los Angeles. Mit ein paar Monaten Verzögerung bekam das Davis-Camp seinen Wunsch, AD wurde nach zu den Lakers getradet.

Lonzo Ball: Verbessert, aber in der Nebenrolle gefangen

Im Gegenzug kam unter anderem Ball in den Big Easy und etablierte sich bei den Pelicans. Seine Chemie mit Franchise-Star Zion Williamson ist unbestritten, dazu verbesserte er seinen Dreier um gute fünf Prozentpunkte bei deutlich mehr Volumen auf 38,5 Prozent in dieser Saison. Und doch scheinen die Pels nicht abgeneigt zu sein, den früheren Big Baller zu traden.

Kevin O'Connor von The Ringer berichtete kürzlich, dass die Chicago Bulls Tomas Satoransky und Zweitrundenpicks anboten, die Pelicans wollen aber lieber einen jungen Spieler sowie einen Erstrundenpick und lehnten dankbar ab. Der Poker hat längst begonnen und New Orleans besitzt keine guten Karten.

Selbst Balls extrovertierter Vater LaVar meldete sich nach zuletzt erstaunlich stillen Monaten wieder zu Wort und forderte öffentlich einen Trade, weil seiner Meinung nach der Sohnemann falsch eingesetzt werde. Pelicans-Coach Stan Van Gundy drückte zuletzt vermehrt Zion und Brandon Ingram den Ball in die Hand, Ball wurde mehr und mehr zum Nebendarsteller und Spot-Up-Schützen.

Lonzo Ball wird im Sommer Restricted Free Agent

Für New Orleans ist dies langfristig die richtige Entscheidung und die Ergebnisse gaben Van Gundy dabei recht. New Orleans ist zwar weiter nur auf Platz 11 im Westen (18-24), der Trend ist aber mit einigen Ausrutschern positiv anzusehen. Ball wurde so jedoch zu einem Nebendarsteller, einem Spezialisten. Neben dem Fit auf dem Feld ist da schließlich auch die Vertragssituation. Ingram hat bereits seinen Maximalvertrag erhalten, Williamson wird 2023 nachziehen.

Entsprechend teuer wird das Team, sollte auch Ball einen großen Vertrag bekommen. Und das wird er auch: Große Guards mit seiner Übersicht und dem inzwischen guten Wurf sind auch in der NBA keine Selbstverständlichkeit, entsprechend dürfte auf einem dünnen Free-Agency-Markt genug Interesse für Lonzo bestehen.

Neben Chicago soll Ball auch Begehrlichkeiten in Atlanta und laut der Washington Post bei den New York Knicks wecken, alles Teams, die auch im Sommer genug Geld zur Verfügung hätten, um die Pelicans mit einem großen Angebot unter Druck zu setzen. Natürlich kann New Orleans aufgrund Ball Status als RFA mit jedem Angebot gleichziehen, doch wo ist die Schmerzgrenze?

Bobby Marks von ESPN sieht diese bei rund 18 Millionen Dollar jährlich, was ein fairer Preis wäre. Doch bekanntlich bestimmt der Markt den Preis. Das Angebot für Point Guards im Sommer ist mager, sodass der Wert von Ball automatisch steigt und Ball Angebote nördlich dieser Grenze erhalten dürfte.

Lonzo Ball: Wichtig, aber ohne echten Platz

Gewissermaßen haben sich die Pelicans in diese Situation auch selbst hinein manövriert. Im Zuge des Trades von Jrue Holiday schnappte sich New Orleans auch noch Steven Adams aus OKC und verlängerte umgehend um zwei Jahre und 35 Millionen Dollar. Ein umstrittener Move, auch weil Adams immer wieder Wehwehchen hat und trotz erst 28 Jahren nicht mehr das Niveau früherer Thunder-Zeiten erreicht.

So stehen für New Orleans für die kommende Saison bereits 90 Millionen Dollar in den Büchern - ohne Ball und auch ohne Josh Hart, der dank seiner guten Saison als RFA ebenfalls bezahlt werden möchte. Kurzum: Dieses Team kann sehr schnell sehr, sehr teuer werden und mit der Luxussteuer flirten (rund 132 Millionen), bevor das Team auch nur in der Nähe des Contender-Status ist.

Statistisch gesehen besitzt Lonzo einen hohen Wert für die Pelicans. Steht Ball zusammen mit Ingram und Williamson auf dem Feld, erzielen die Pels laut Cleaning the Glass 3,2 Punkte pro 100 Ballbesitze mehr als der Gegner. Filtert man dann noch den teils haarsträubenden Eric Bledsoe heraus, dann sind es sogar 13 Zähler pro 100 Possessions.

Lonzo Ball: Seine Statistiken in der NBA

SaisonTeamMinutenPunkteFG%3P%ReboundsAssists
17/18Lakers34,210,236,030,56,97,2
18/19Lakers30,39,940,632,95,35,4
19/20Pelicans32,111,840,337,56,17,0
20/21Pelicans31,714,242,538,54,25,6

Lonzo Ball: Will er überhaupt in New Orleans bleiben?

Und so undenkbar dies vor seiner Ankunft war: Lonzo ist inzwischen der beste Schütze im Team, klammert man einmal J.J. Redick aus, der wie Ball noch verschifft werden könnte.

Ball hat dieser Spielzeit bisher mehr Dreier als Luka Doncic, Trae Young, Bradley Beal, Devin Booker oder LeBron James erzielt, insgesamt sind es bisher 114, Platz 14 in der NBA. Auch nicht zu unterschätzen sind Lonzos defensive Qualitäten in einer Mannschaft, in der Defense mehr oder weniger optional bleibt (Defensiv-Rating: 115,7, Platz 28). Die Stats sprechen bei Ball eigentlich eine klare Sprache und doch bleibt die Ungewissheit.

Durch den verbesserten Wurf passt Ball viel besser in diverse Systeme, selbst wenn er nicht der dynamischste Akteur ist. Aus ihm wird kein Pick'n'Roll-Maestro, ein überqualifizierter Komplementärspieler ist er aber allemal. In Chicago oder Atlanta würde das neben explosiven Scorern wie Zach LaVine oder Trae Young durchaus Sinn ergeben, gleiches würde auch für einen Contender wie die Clippers gelten, die ebenfalls schon in Louisiana angefragt haben sollen.

Der springende Punkt wird sein, ob New Orleans Ball als wichtiges Puzzleteil für die kommenden Jahre ansieht und wie sehr sie bereit sind, dafür zu bezahlen, wenn - und auch das ist wichtig - Ball sich weiter in New Orleans sieht. "Ich liebe es, mit diesen Jungs zu spielen", sagte Ball Anfang des Monats nach einem Sieg gegen Utah. "Es macht Spaß mit ihnen und ich glaube, dass wir in der Zukunft vieles erreichen können."

Bis Donnerstag, 21 Uhr wissen wir, ob die Verantwortlichen in New Orleans das auch so sehen.

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