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NBA

LaMelo Ball vor dem NBA Draft 2020: Eine geborene Nummer 1 - für diesen Jahrgang

LaMelo Ball gehört zu den interessantesten Talenten vorm NBA Draft 2020.

LaMelo Ball gehört trotz eklatanter Schwächen zu den heißesten Kandidaten für den Nr.1-Pick im NBA Draft 2020. Der Point Guard ist der Spieler mit dem womöglich größten Potenzial, allerdings scheint auch die Fallhöhe enorm. Das liegt nicht zuletzt an seinem Werdegang.

Dass es an einem gewissen Selbstbewusstsein im Hause Ball nicht mangelt, ist seit Jahren keine Neuigkeit mehr. Lange bevor Lonzo Ball 2017 an Position 2 von den Lakers gedraftet wurde, war sein Vater LaVar in aller Munde, weil sein eigenes Exemplar niemals stillstand. Keine Behauptung war ihm zu absurd; der Standard, den LaVar dadurch für Lonzo setzte, konnte dieser folgerichtig nicht erreichen.

In den letzten Jahren ist es etwas ruhiger um LaVar geworden, dabei steht nun der nächste große Tag für die Familie an: Der jüngste Sohn LaMelo dürfte in der Nacht auf Donnerstag (Übertragung ab 1 Uhr live auf DAZN) ebenfalls hoch gedraftet werden. Wenn es nach dem 19-Jährigen geht, direkt an erster Stelle.

"Ich habe das Gefühl, dass ich dafür geboren wurde", sagte LaMelo Ball am Dienstag. "Ich denke, ich bin einfach der richtige Mann dafür." ESPN stimmt dieser nicht ungewöhnlichen Aussage zu: Laut ihrem Ranking ist Ball das größte Talent dieses Jahrgangs. Andere Mock Drafts, auch der von SPOX, führen Ball an 3, Gerüchten zufolge könnte er aber auch außerhalb der Top 5 gepickt werden.

Alle Infos, Porträts und Analysen zum Draft gibt es hier!

LaMelo Ball machte schon mit 15 Jahren Schlagzeilen

Auf letztere darf gerade vor dem Draft nicht zu viel gegeben werden, wenn Teams mit Nebelkerzen und Fehlinformationen nur so um sich werfen, aber das ganze Bild zeigt doch vor allem eines: Ball ist ein ungewöhnliches (potenzielles) Top-Talent. So hoch im Draft ziehen Teams am liebsten "sichere Dinge" - und Ball ist vieles, aber das definitiv nicht.

Sowohl sein Spiel als auch sein Werdegang sind höchst eigen, was sich durchaus gegenseitig bedingt hat. So machte der Point Guard schon mit 15 Jahren an der High School auf sich aufmerksam, als er einen Dreier von der Mittellinie versenkte - nachdem gerade zwei Sekunden gespielt waren. Wenige Wochen später erzielte er 92 Punkte in einem Spiel, bis heute ein kalifornischer Schul-Rekord.

Konventionellen Basketball spielte er dabei selten, vielmehr wartete er bei Defensiv-Possessions gern an der Mittellinie, um bei Ballbesitz einen Vorteil zu haben. Konventionell war auch sonst ein Fremdwort. Mit 16 Jahren nahm LaVar ihn von der Chino Hills High School, um ihn zuhause zu unterrichten, wenig später heuerte er einen Agenten an und ging für sein erstes professionelles Basketball-Jahr nach Litauen, wo bereits sein älterer Bruder LiAngelo spielte.

LaMelo Ball: Abenteuer in Australien

Ball verzichtete damit auf seinen Amateurstatus und damit auf eine College-Karriere, obwohl er schon im Alter von 13 Jahren mündlich UCLA zugesagt hatte. Das College wird mittlerweile öfter übergangen, allerdings selten so wie bei Ball: In Litauen blieb er kein Jahr, dann spielte er zeitweise in der Junior Basketball Association, die von LaVar (natürlich!) gegründet wurde, sowie an der SPIRE-Schule in Ohio, die aber nicht am normalen High School-Betrieb teilnehmen konnte.

Im Juni 2019, Ball war nun 17, entschied er sich für sein nächstes Abenteuer in Übersee: Ball unterschrieb bei den Illawarra Hawks in Australien und machte auch deren Spiele für kurze Zeit zu einer Art Zirkusveranstaltung.

Kurz wiederum deshalb, weil er sich nach nur zwölf Spielen verletzte und zunächst vier Wochen ausfallen sollte, danach aber gar nicht mehr auflief und stattdessen noch im Januar in die USA zurückkehrte. Er wollte sich auf den Draft vorbereiten, dann kam Corona. Und Ball blieb, mehr als fast alle anderen Prospects des Jahrgangs (James Wiseman redet ein Wörtchen mit), ein Mysterium.

LaMelo Ball: Grenzenlose Kreativität in der Offensive

Es ist offenkundig, in welche Fähigkeiten man sich bei Ball vergucken kann. Sein Spielverständnis kann grandios sein, er hat Pässe im Repertoire, an die selbst viele gute Passer niemals denken würden. Er kann Zuschauer begeistern, sein "freier" Karriereweg hat vor allem seine Kreativität und sein Flair für das Besondere gefördert. Er ist der beste Passer im Draft, und es ist wohl nicht knapp. Auch sein Ballhandling ist unheimlich stark für sein Alter.

Gleichzeitig hat er Schwächen, die so groß und fundamental sind, dass sie nicht einfach ignoriert werden können. Der Hang zu Undiszipliniertheiten ist noch zu verkraften, ist schließlich nicht ungewöhnlich.

Auch bei der Defense lässt sich mit etwas mehr Mühe noch ein Auge zudrücken, da Ball zumindest die richtige Länge (2,01 m) hat und richtig rotiert, wenn er voll dabei ist (was bisher aber viel zu selten der Fall war).

LaMelo Ball: Ist der Wurf reparierbar?

Was in der modernen NBA für einen Lead-Guard derweil nicht zu ignorieren ist: Sein Wurf. Ball hat zwar einen gewissen Touch, zu guten Resultaten hat das bisher aber nicht geführt. In Australien traf er beispielsweise nur 25 Prozent seiner Dreier und insgesamt nur knapp 38 Prozent aus dem Feld. Er hat bisher einen guten Floater gezeigt, doch jeder andere Wurf scheint bisher ein Problem zu sein.

Am Korb fehlt es ihm an Athletik und Explosivität, was in der NBA noch stärker zum Tragen kommen sollte. An der Dreierlinie hat er das Problem, dass sein Wurf kaputt ist und wohl völlig neu moduliert werden müsste. Er nutzt eine Push-Technik, die noch aus der Zeit kommt, als er ohne die nötige Kraft dafür regelmäßig von der Mittellinie draufhielt. Was, wenig überraschend, keine gute Idee war.

Nun ist es natürlich möglich, dass Ball die lange Zeit seit seinem letzten offiziellen Spiel, das im Dezember 2019 (!) stattfand, seine Technik bereits überarbeitet hat. Wer ihn zieht, wird genau darauf hoffen - denn seine beste Fähigkeit, die offensive Kreativität, ist vermutlich die beste singuläre Fähigkeit eines Spielers in diesem Jahrgang. Der Abschluss wiederum ... ist eine riesige Baustelle. Ball steht für das größte Potenzial, aber auch die vielleicht größte Fallhöhe.

LaMelo Ball: Wer traut sich?

Insofern verwundert es nicht, dass er bei einigen Teams sehr hoch im Kurs zu stehen scheint, während andere (Berichten zufolge) eher Angst vor ihm haben. Es herrscht Ungewissheit: Es gibt im gesamten Draft keinen Spieler, der als sicherer Star gesehen wird wie etwa ein Anthony Davis vor dessen Ziehung. Auch deshalb halten sich immer noch Gerüchte, dass sowohl die Minnesota Timberwolves (Nr. 1) als auch die Golden State Warriors (2) ihren Pick noch abgeben könnten.

Beide haben positionell eigentlich keinen Bedarf für Ball, aber das muss nicht viel heißen - für ihn sowieso nicht. "Es geht ja nur um Basketball. Es wäre definitiv eine große Sache, der Nr.1-Pick zu sein, aber ich bin froh, dass ich dafür geboren wurde", sagte Ball. Mit den Wolves, Warriors, den Charlotte Hornets (3), Detroit Pistons (7) und New York Knicks (8) habe er Gespräche geführt, nun müsse man eben abwarten.

"Ich versuche das alles einfach zu genießen", sagte Ball. "Man durchläuft diesen Prozess nur einmal." Letzteres ist, und das hat Seltenheitswert beim jungen Guard, eine Gewissheit.

Die Statistiken von LaMelo Ball (pro 36 Minuten) in Australien

PTSREBASTSTLBLKTOVFG%3P%FT%
19,68,77,91,80,12,937,525,0 (20/80)72,3
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