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NBA - Das Superteam, das nicht sein sollte: Als Tim Duncan beinahe zu den Orlando Magic wechselte

Tracy McGrady (2. von l.) und Tim Duncan (2. von r.) waren immerhin bei Adidas Teamkollegen.

Was, wäre, wenn? Diese Frage stellt man sich nicht nur in der NBA regelmäßig. Insbesondere Tracy McGrady dürfte zu den Spielern gehören, die im Rückblick auf ihre Karriere oft verpasste Gelegenheiten monieren. Die wohl größte ereignete sich im Sommer 2000 ...

Tracy McGrady gehört zu den Unglücksraben der jüngeren NBA-Geschichte. Über einige Jahre konnte es auf dem Flügel wohl nur Kobe Bryant mit dem zweimaligen Liga-Topscorer aufnehmen, trotzdem gewann er keine einzige Playoff-Serie als Star seines Teams. Tief in die Playoffs ging es für T-Mac nur 2013, als er beim Finals-Run der Spurs insgesamt ganze 31 Minuten auf dem Court verbrachte.

Am Ende konnte er primär nur zusehen, wie das Team von Tim Duncan eine Führung gegen die Miami Heat noch herschenkte und in sieben Spielen unterlag. Ein Jahr später rächten sich die Spurs und holten ihren fünften Titel, McGrady hatte seine Karriere da allerdings schon beendet, als Unvollendeter.

Wie wäre seine Karriere wohl verlaufen, wenn er im Jahr 2000 etwas mehr Glück gehabt hätte? Eigentlich hätten McGrady und The Big Fundamental damals schon Teammates werden können. Als gleichwertige Partner und Teile eines Triumvirats. "Es war sehr knapp", gestand Duncan später über das verlorene Superteam der 00er Jahre.

Die Orlando Magic planten ein Superteam

Nur wenige Spieler in der Geschichte der NBA werden so strikt mit einem Team in Verbindung gebracht wie Tim Duncan mit den San Antonio Spurs. Nach seiner dritten Saison war dies aber noch keineswegs in Stein gemeißelt. Die Spurs hatten zwar im Vorjahr einen Titel mit Duncan als Finals-MVP geholt, waren nun jedoch ohne große Chance in der ersten Runde gegen die Suns aus den Playoffs geflogen.

Duncan war Free Agent, da Rookie-Verträge damals noch anders strukturiert waren, und dachte ernsthaft über seine Situation nach: David Robinson und Avery Johnson waren 35, Mario Elie sogar schon 37. Die Spurs waren zu alt, zumal in der Western Conference mit den ShaKobe-Lakers gerade eine Supermacht endgültig erwacht war.

Das rief Orlando auf den Plan. Die Magic hatten schon länger auf diesen Sommer hingearbeitet, hatten Spieler abgegeben und entlassen, um finanzielle Ressourcen freizuschaufeln. Sie wollten auf einen Schlag eine neue Macht werden, nachdem sie in der Saison zuvor mit einer 41-41-Bilanz eine überraschend erfolgreiche Saison mit No-Names unter Head Coach Doc Rivers hingelegt hatten.

Tracy McGrady: "Wir haben den Osten"

Gleich drei Stars aus nicht-ganz-so-tollen Märkten hatten die Magic dabei im Visier: McGrady, Grant Hill und eben Duncan. Hill wurde schnell überzeugt, danach folgte McGrady, der aus der Nähe Orlandos stammte. Mit Duncan sollte aus der Star-Flügelzange die ultimativen Big Three gemacht werden.

"Sobald Grant und ich hier sind, wird das die Stadt sein. Der Osten ist gesichert. Wenn Duncan noch herkommt, wird es furchteinflößend", frohlockte T-Mac, der zuvor für die Raptors spielte, damals. "Es wird unfair für die Liga, wenn wir alle drei hier spielen. Wir haben den Osten. Wir werden jahrelang gegen die Lakers spielen."

McGradys Enthusiasmus ist zu dieser Zeit, als noch nicht bekannt ist, wie viele Verletzungen Hill in den nächsten Jahren erleiden sollte, verständlich. Denn auch Duncan hatten die Magic überzeugt - zumindest zeitweise.

Die 99/00er Stats von T-Mac, Duncan und Hill

AlterTeamSpielePunkteReboundsAssistsFG%
McGrady20Raptors7915,46,33,345,1
Hill27Pistons7425,86,65,248,9
Duncan23Spurs7423,212,43,249

Tiger Woods rekrutierte Tim Duncan

Der Recruiting-Prozess ist aus heutiger Sicht legendär: Die Magic flogen sowohl Duncan als auch Hill mit Privat-Jets ein, trafen sich in einem Golf-Ressort, wo auch Golf-Superstar Tiger Woods und NBA-Legende Julius Erving (damals ein Berater der Magic) zugegen waren, und tapezierten die Billboards der Stadt mit Hills und Duncans Konterfeis in Magic-Trikots. Aufschrift: "Imagine". Woods soll sogar angeboten haben, bei der Suche nach einem Haus in der Gegend behilflich zu sein.

Hill konnten sie sofort überzeugen, Duncan erbat sich Zeit. Wie Doc Rivers später sagte, tat er dies jedoch in erster Linie aus Respekt. "Er hat uns gesagt, dass es danach aussieht, dass er zu uns kommt", sagte Rivers kürzlich bei NBA TV. "Er sagte aber auch, dass er nochmal mit Gregg Popovich reden müsse."

Dieser hatte derweil fast schon seinen Frieden mit dem Abschied des Franchise-Players gemacht. "Es war eine nervenaufreibende Zeit", sagte Pop später zu nba.com. "Das war die Hölle. Man lernt einen Spieler gut kennen und will nicht, dass er geht. Ich habe es mir nicht erlaubt, zu glauben, dass er bleibt. Ich musste mich auf seinen Abgang vorbereiten. Das war kein Spaß."

Verhinderte Doc Rivers das Superteam in Orlando?

Popovich willigte jedoch zu einem Treffen ein und auch Robinson verkürzte seinen Urlaub, um noch persönlich mit Duncan zu reden. Später sagte The Big Fundamental, dass dies mit ausschlaggebend dafür war, dass er sich doch noch umentschied. Bruce Bowen wiederum behauptete später, dass in Wirklichkeit Rivers Schuld an Duncans Verbleib in San Antonio war.

"Als Tim sich mit Orlando traf, fragte er Folgendes: Kann die Familie zu einigen Spielen mitfliegen? Und soweit ich das gehört habe, sagte Doc 'Nein', und damit verlor er Tim Duncan", sagte dessen langjähriger Mitspieler später. Hill bestätigte diese Version der Geschichte 2018, auch wenn er behauptete, "jemand aus Tims Entourage" hätte diese Frage gestellt. Die Antwort blieb jedoch gleich.

Rivers hat diese Darstellung später bestritten und gesagt, der Fehler habe eher darin gelegen, dass sich Duncan noch einmal mit Popovich unterhalten durfte - man hätte sich gleich eine fixe Zusage holen müssen. Es wird nicht mehr final zu klären sein, in jedem Fall verpuffte das Luftschloss in Disney World, bevor es Realität werden konnte.

T-Mac: "Das war mein Fenster"

Am Ende entschied sich Duncan für San Antonio, nicht allerdings ohne Popovich noch einen Schrecken einzujagen. Mit "Coach, es gibt leider keinen Strand in San Antonio", eröffnete er das Gespräch vielsagend. "Es gibt in Orlando auch keinen Strand. Es gibt da eine Kultur-Wüste. Warum willst du dorthin?", entgegnete Pop, bevor Duncan in Lachen ausbrach und sagte, dass er bleiben würde.

Er entschied sich offensichtlich richtig, blickt man auf die Erfolgsära der Spurs in den vergangenen beiden Jahrzehnten. 2003, 2005, 2007 und 2014 gewannen die Spurs mit Duncan weitere Titel, verpassten kein einziges Mal in Timmys Karriere die Playoffs.

Hill und T-Mac absolvierten dagegen nur 47 gemeinsame Spiele, McGrady kämpfte bis zu seinem Trade nach Houston oft als einsamer Wolf gegen die Bedeutungslosigkeit, war einer der besten Spieler der Liga in einer hoffnungslosen Situation. Und fragt sich bis heute, was gewesen wäre, wenn Duncan sich nicht noch anders entschieden hätte.

"In dieser Liga hat man ein Fenster, in dem man gewinnen kann", sagte T-Mac 2018, als er bei der ESPN-Sendung "The Jump" den Tränen nah über diese Free Agency sprach. "Das war mein Fenster."

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