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NBA - Isaac Bonga im Interview: "Bei den Wizards ist alles ein bisschen freier"

Von Freddy Harder
Isaac Bonga läuft in seiner zweiten NBA-Saison für die Washington Wizards auf.

Von den Los Angeles Lakers zu den Washington Wizards, vom G-League-Pendler zum Starter - Isaac Bonga hat innerhalb eines Jahres eine Menge Veränderungen erlebt. SPOX und DAZN haben den Swingman in Washington zum Interview getroffen.

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Isaac Bonga ist der jüngste deutsche NBA-Spieler, dennoch hat er in seinen knapp zwei Jahren in der Liga schon mehrere Seiten des Geschäfts kennengelernt. Dies begann bereits mit seinem Draft: Obwohl er nicht als sicherer Pick galt, meldete er sich 2018 an, wohl auch deshalb, weil er ein Versprechen von den Los Angeles Lakers bekommen hatte, dass diese ihn in der zweiten Runde ziehen wollten.

Bonga landete also als Projekt und damals jüngster NBA-Spieler bei der Traumfabrik, bei der sich durch die Ankunft von LeBron James im Sommer 2018 allerdings fast alles änderte. So kam der Mann aus Neuwied in seinem ersten Jahr nur 22-mal zum Einsatz, pendelte zwischen G-League und NBA-Kader hin und her. Für Talententwicklung hatten die Lakers in einer turbulenten Saison keine Zeit.

Da das Team dennoch an den Erwartungen scheiterte, gab es dann im Sommer 2019 einen Trade für Anthony Davis, in den auch Bonga und sein Teamkollege Moritz Wagner involviert waren. Beide wurden nach Washington geschickt, wo sie seither ganz andere Rollen einnehmen als noch in Kalifornien.

Scott Brooks lobt die Entwicklung von Isaac Bonga

Wagner ist der auffälligere Scorer, allerdings war es überraschend schon zum Saisonstart Bonga, der von Head Coach Scott Brooks zum Starter ernannt wurde. In bisher 41 von 58 Saisonspielen hatte der vielseitige Flügelspieler diese Rolle inne, agierte überwiegend als Small Forward, obwohl er auch als Point Guard spielen kann.

In einem sehr offensiv ausgerichteten Team ist Bonga dabei kein Spieler für die Punkte, sondern beinahe der einzige primär defensiv agierende Wizards-Spieler. So knackte er bisher erst viermal die 10-Punkte-Marke, hat allerdings häufig einen der oder den besten Plus/Minus-Wert aller Spieler seines Teams.

Dabei gibt es nach wie vor viele Aspekte, an denen Bonga arbeitet, allen voran den Wurf und die noch immer schmale Statur. Brooks hat diese Entwicklung unlängst honoriert: "Isaac hat sich seit Saisonstart wahrscheinlich mehr verbessert als alle anderen in unserem Team. Man sieht das an den Zahlen gar nicht. Er fällt nicht so auf. Aber so wie er spielt, sein Durchsetzungsvermögen, seine Entscheidungsfindung, die steigende Spielpraxis hilft ihm wirklich sehr."

So bleibt der 20-Jährige auch weiter ein wichtiger Teil der Rotation, während die Wizards um das letzte Playoff-Ticket im Osten kämpfen. Washington liegt auf Platz 9 5,5 Spiele hinter den achtplatzierten Orlando Magic.

Herr Bonga, im vergangenen Jahr spielten Sie noch für die Los Angeles Lakers, nun sind sie in Washington auf der anderen Seite des Kontinents aktiv. Wie ist es Ihnen mit der Umstellung ergangen?

Isaac Bonga: Es hat sich wirklich alles verändert, definitiv eine große Umstellung. Ich lebe nun an der anderen Küste, habe komplett neue Leute kennengelernt. Ich habe mich trotzdem recht schnell hier eingefunden, was auch daran liegt, dass ich sehr herzlich in Washington empfangen wurde.

In zwei Jahren haben Sie jede Menge erlebt. Der Sprung in die NBA, dann im gleichen Team mit LeBron James bei der wohl größten Franchise der Liga. Wie verarbeitet man so etwas?

Bonga: Es ist schwer zu realisieren. Langsam wird es aber besser, ich verstehe das Spiel besser und habe mich an das Tempo gewöhnt. Ich habe schon das Gefühl, dass ich nun hier angekommen bin.

Wie wichtig war es für Sie, dass Sie immerhin noch Moe Wagner kannten, der bekanntlich mit Ihnen zu den Wizards getradet wurde?

Bonga: Das war schon ein cooler Zufall, dass Moe jetzt in meiner kompletten NBA-Zeit an meiner Seite war. Letztens haben wir bei einem Play auf Deutsch gesprochen, da kam der Coach sofort her und meinte, dass hier nur Englisch geredet wird. Zumeist sprechen Moe und ich aber Englisch. Nur, wenn wir mal zusammen essen gehen, kommunizieren wir auch mal auf Deutsch.

Sie sagten, dass die Eingewöhnung recht gut verlief. Wie sieht es denn mit Ihrer Familie aus? Ihr Bruder hatte sich ja vorgenommen, Sie mal spielen zu sehen.

Bonga: Mein Bruder und meine Mutter waren vor nicht allzu langer Zeit hier. Die gute Sache ist, dass es nach Washington nicht so weit wie an die Westküste ist. Statt 12 Stunden Zeitunterschied reden wir hier von nur noch 9. Die beiden haben sich vier Spiele von mir angeschaut, es war schon schön, sie mal wieder zu sehen.

Haben Sie so etwas wie einen besten Kumpel hier im Team?

Bonga: Wir sind ein sehr junges Team, wir kommen also eigentlich alle recht gut miteinander zurecht. Als besten Kumpel würde ich weiter Moe bezeichnen, aber auch mit Gary Payton, Troy Brown oder Rui Hachimura habe ich einen sehr guten Draht.

Vor einem Jahr bei den Lakers wirkte das ein bisschen anders. Dort gab es viele Berichte, dass es in der Kabine nicht wirklich stimmte.

Bonga: Bei den Wizards ist das alles ein bisschen freier. Hier sind alle hungrig und wir versuchen, bei jedem Spiel, bei jedem Training immer alles zu geben. Damit will ich nicht sagen, dass das in L.A. nicht der Fall war, aber wir haben hier viel mehr jüngere Spieler, die auf der Suche nach ihrer Identität sind. Wir wollen der Liga beweisen, dass wir in der Zukunft eine richtig gute Mannschaft sein können.

Isaac Bonga: "Mein Fokus liegt auf der Defensive"

Vergangene Saison machten Sie nur 22 Spiele, nun sind Sie fast immer dabei und auch Ihre Spielzeit ist deutlich nach oben gegangen. Wie haben Sie Ihre neue Rolle bei den Wizards bisher angenommen?

Bonga: Mein Fokus liegt auf der Defensive, während das Team eher offensiv-orientiert ist. Ich versuche da, eine gewisse Balance zu finden. Ich will dennoch immer den besten Spieler des Gegners stoppen. Das ist mein eigenes, aber auch ein Team-Ziel. Ich will James Harden, Luka Doncic oder Kyrie Irving stoppen, daran arbeite ich.

Aber auch offensiv haben Sie einen Sprung gemacht, der Wurf sieht jetzt deutlich besser aus ...

Bonga: Ich habe daran die vergangenen zwei Sommer gearbeitet. Natürlich versuche ich, mich überall zu verbessern, aber meine Schwerpunkte liegen im Moment auf dem Krafttraining und dem Wurf. Ich glaube, das sieht man auch ganz gut im Spiel, dass ich gegen kräftigere Gegenspieler besser dagegenhalte, besser werfe und von der Freiwurflinie konstant bin.

Ihr Coach Scott Brooks sagte uns kürzlich, dass Sie der Spieler sind, der sich seit Saisonbeginn am meisten weiterentwickelt hat. Gibt es dafür einen Grund?

Bonga: Ich glaube, das ist eher ein Prozess. Jeder Spieler in unserem Team kann eine Sache richtig gut. Davis Bertans kann werfen, Bradley Beal ist ein Alleskönner, Ish Smith ist pfeilschnell. Das sind nur ein paar Beispiele. Jeder kann etwas bieten und das hilft mir im Training, weil ich im Eins-gegen-Eins viel lernen kann. Ich muss mich auf ihre Stärken einstellen.

Wenn Sie sich ein Ziel für den Rest der Spielzeit, auch im Hinblick auf die neue Saison setzen könnten. Welches wäre das?

Bonga: Für mich selbst möchte ich weiter stärken werden und mit dem Team die Playoffs erreichen.

Die NBA-Statistiken von Isaac Bonga

SaisonTeamSpielePunkteFG%ReboundsAssists
18/19Lakers220,915,21,10,7
19/20Wizards584,652,23,21,1
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