Suche...
NBA

NBA - Khris Middleton von den Milwaukee Bucks im Interview: "Giannis überrascht mich jeden Tag"

Khris Middleton und Giannis Antetokounmpo führen die Bucks 2019/20 zur bisher besten Bilanz in der kompletten Liga.

Khris Middleton ist an der Seite von Giannis Antetokounmpo zum zweiten All-Star der Milwaukee Bucks gereift. SPOX und DAZN sprachen mit dem Swingman am Rande des Paris Games über seine Motivation und den Aufschwung der Bucks. Außerdem: Was von der enttäuschenden WM hängen blieb - und was er von den Gerüchten rund um Giannis' vertragliche Situation hält.

Die NBA Global Games machen Halt in Paris: Die Milwaukee Bucks treffen heute Abend um 21 Uhr auf die Charlotte Hornets - mit dem kostenlosen Probemonat von DAZN seid Ihr live dabei!

Khris, Sie galten jahrelang als einer der meistunterschätzten Spieler der Liga, nun wurden Sie vergangene Saison erstmals All-Star und danach Max-Player. Was hat sich für Sie verändert?

Khris Middleton: Überhaupt nichts, bloß mein Briefkopf. Ich arbeite weiter so hart ich kann und versuche, der bestmögliche Mitspieler und Anführer zu sein. Die Einstellung ist dieselbe geblieben. Ich bleibe bescheiden, motiviert und hungrig, jeden Tag, das kann man nicht von Erreichtem abhängig machen. Es gibt immer noch einen weiteren Level.

Bald steht das nächste All-Star Wochenende an. Rechnen Sie, erneut mit dabei zu sein? Ihre Zahlen sind diese Saison sogar noch stärker als in der vergangenen, der bisher besten Ihrer Karriere.

Middleton: Ich hoffe es und ich glaube auch, dass ich es verdient habe. Aber ich hoffe das nicht für mich. Giannis wird da sein, ich wurde im vergangenen Jahr honoriert. Aber Eric Bledsoe oder Brook Lopez hätten es in diesem Jahr auf jeden Fall auch verdient und ich hoffe, dass wir die Bucks mit mehr als ein oder zwei Spielern repräsentieren können. Wir treiben uns gegenseitig sehr nach vorn und mein Team sorgt beispielsweise auch dafür, dass ich mir keine negativen Tendenzen angewöhne, dass ich weiter an den richtigen Dingen arbeite.

Es scheint zu funktionieren, Milwaukee ist bisher das klar beste Team dieser Saison. Dennoch stehen andere Teams mehr im medialen Fokus. Werden Sie übersehen?

Middleton: Das kann man schon so sagen. Aber ehrlicherweise ist das für uns kein großes Thema, inwieweit wir beachtet werden. Wir sind in keinem riesigen Markt, das wissen wir alle. Aber wir wissen auch, dass wir unsere Taten für uns sprechen lassen können. Unser Spiel spricht für sich. Und eigentlich passt uns das ohnehin besser: Wir alle waren im Lauf unseres Lebens oder unserer Karriere Underdogs. Ich war ein Zweitrundenpick, Bledsoe, Giannis ... ich meine, Giannis wurde als Unbekannter an Nr. 15 gepickt, dabei wäre er aus heutiger Sicht natürlich ein Nr.1-Pick. Aber das zieht sich bei uns durch den ganzen Kader, diese Underdog-Mentalität, mit der wir jedes Spiel angehen.

Im Gegensatz zu den anderen Top-Teams fällt auf, wie gut der Fokus der Bucks ist, fast nie leisten Sie sich eine Off-Night. Wie bewahrt man diese Konzentration über 82 Spiele?

Middleton: Das ist etwas zu nett, ein paar schlechte Spiele hatten wir schon, aber wir haben viele davon trotzdem noch irgendwie gewonnen, teilweise mit Glück. Aber es stimmt, dass wir insgesamt ziemlich gut darin sind, jedes Spiel mit dem nötigen Ernst anzugehen und hart zu spielen. Ich denke auch, dass uns das in dieser Saison auszeichnet. Wir wissen, dass wir hier und da mal ein Spiel verlieren werden, aber wir sind stolz darauf, dass das nicht so oft passiert.

Hier beim Shootaround in Paris macht das Team den Eindruck, sehr freundschaftlich miteinander umzugehen, es wird viel gelacht, gleichzeitig ernst trainiert. Was macht Ihre Chemie aus?

Middleton: Wir hängen einfach viel miteinander ab. (lacht) Im Ernst: Viele von uns sind schon recht lange hier, wir reisen während der Saison permanent zusammen, unternehmen jetzt mal einen solchen Trip nach Paris - das schweißt zusammen. Auch auf unseren Auswärtstrips in den USA verbringen wir nicht nur Training und Spiele, sondern auch sonst viel Zeit miteinander und genießen diese Zeit. Wir gehen zusammen Essen, schauen Filme, spielen oder reden einfach viel, um diese Beziehungen zu formen. Das braucht es, wenn man sechs oder sieben Monate gemeinsam unterwegs ist - man muss einander verstehen. Damit wir uns in schweren Situationen aufeinander verlassen oder auch gegenseitig kritisieren können. Und es hilft, dass wir einfach einen guten Mix an Typen zusammenhaben.

Der tonangebende Spieler bleibt dabei Giannis - Sie spielen jetzt seit vielen Jahren miteinander, überrascht er Sie trotzdem noch?

Middleton: Giannis überrascht mich jeden Tag! Er hebt sein Spiel jedes Jahr auf einen neuen Level. Die Moves, die er im Arsenal hat, die Eurosteps, die Dunks, das ist einfach nach wie vor unglaublich - und das kann so auch kein anderer Spieler, den ich kenne. Und er tut das einfach jeden Tag. Das verblüfft immer noch. Wir staunen auch im Training über ihn.

Der Dreier wird zudem immer mehr zur Waffe.

Middleton: Definitiv. Er fühlt sich immer wohler damit, das merkt man auch daran, dass er jetzt so viel häufiger von draußen abdrückt. Je sicherer er dabei wird, desto einfacher wird für ihn alles andere.

Auch im vergangenen Jahr hatten Sie die beste Bilanz, in den Playoffs war jedoch gegen Toronto Endstation. Sind Sie zuversichtlich, dass Sie in dieser Saison noch besser für die Postseason gerüstet sind?

Middleton: Ich glaube, dass lässt sich erst dann beantworten, wenn es losgeht. Wir sind auf jeden Fall eine selbstbewusste Gruppe. Das waren wir letzte Saison auch, und wir führten gegen Toronto mit 2-0, dann hatten wir leider eine Reihe von schlechten Spielen, zum schlechtesten Zeitpunkt, der für uns möglich gewesen wäre. Wir hoffen natürlich, dass sich das in dieser Saison nicht wiederholt.

Khris Middleton: Seine Statistiken in der NBA

SaisonTeamSpieleMinutenPunkteFG%3P%ReboundsAssists
12/13Pistons2717,66,144,031,11,91,0
13/14Bucks8230,012,144,041,43,82,1
14/15Bucks7930,113,446,740,74,42,3
15/16Bucks7936,118,244,439,63,84,2
16/17Bucks2930,714,745,043,34,23,4
17/18Bucks8236,420,146,635,95,24,0
18/19Bucks7731,118,344,137,86,04,3
19/20Bucks3828,519,550,042,15,73,9

Spüren Sie Druck?

Middleton: Nein, Druck gibt es nicht. Wir sind Underdogs mit der besten Bilanz der Liga, so definieren wir uns. Wir haben alle dieses Ziel, den Titel zu holen. Aber wir wissen, dass uns die beste Bilanz überhaupt nichts garantiert. Deswegen ändert sie für den Moment auch nichts an unserer Ausgangslage.

Das war im Sommer anders, als Sie mit Team USA bei der Weltmeisterschaft nur einen enttäuschenden siebten Platz holten. Was haben Sie von der Erfahrung mitgenommen?

Middleton: Es war schon großartig, mit anderen tollen Spielern unser Land zu repräsentieren und diese Erfahrung mitzunehmen. Das war eine Ehre. Unsere Leistungen wiederum ... die waren natürlich eine Enttäuschung. Man versucht, sich zu sagen, dass wir das wichtigste Ziel - die Qualifikation für Olympia - geschafft haben, schätze ich. Das ist immerhin etwas. Aber grundsätzlich versucht man einfach, daraus zu lernen. Man sieht, dass es andere Spielstile gibt, dass es Bereiche gibt, in denen man sich noch verbessern muss, in unterschiedlichen Systemen, auch Giannis hat ja mit Griechenland diese Erfahrung gemacht. Jeder Rückschlag ist auch eine Lektion. Und die muss man lernen.

In welchen Bereichen haben Sie konkret gemerkt, dass Sie sich noch verbessern wollen oder müssen?

Middleton: Das bezieht sich gar nicht auf spezifische Dinge wie den Wurf oder so etwas, sondern ein allgemeines Wachsen und Lernen. Meine ganze Karriere über versuche ich schon, das umzusetzen und das Spiel einfach immer noch ein wenig besser zu lesen.

In der US-Berichterstattung über die Bucks in dieser Saison wird seit längerem viel über die Vertragssituation von Giannis gesprochen, auch wenn dessen Vertrag erst 2021 ausläuft. Angeblich schielen alle Big-Market-Teams schon darauf, dass er im Sommer nicht vorzeitig verlängert und vielleicht wechseln möchte. Wie viel bekommen Sie im Team davon mit?

Middleton: Naja, wir hören es. Das ist leider unvermeidlich und wird sich vorerst auch nicht ändern. Aber wir sprechen nicht darüber. Wozu auch? Ich war vergangene Saison in einer ähnlichen Situation und man redete über meine Free Agency, bei Bled war es ähnlich, bevor er in der Saison verlängerte. Das ist nicht einfach, aber durch unsere Erfahrung wissen wir auch, dass wir uns auf die Gegenwart konzentrieren müssen - und wir am Ende des Tages jede Entscheidung respektieren werden, die Giannis für sich trifft. Denn das kann nur er. Genau wie bei mir - es geht bei jedem Free Agent um die Familie, um viel mehr Umstände als nur das Sportliche. Deswegen darf auch jeder seine Entscheidung treffen, ohne dass man deswegen den Respekt vor der Person verliert.

Ist Ihnen die Entscheidung im Sommer schwer gefallen?

Middleton: Nein, für mich war es leicht. Die Situation hier ist wunderbar für mich, in allen Facetten. Aber Giannis ist Giannis und er wird sein Ding durchziehen. Das einzige, was ich sage, ist, dass ich hoffe, dass er bleibt - und das geht uns allen so.

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung