Suche...
NBA

NBA Above the Break: Das Watchlist-Team mit Gordon Hayward und Mike Conley - Mailbag zum Saisonstart

Mike Conley soll dabei helfen, die Utah Jazz auf ein neues Level zu hieven.

Kurz vor dem Saisonstart meldet sich auch Above the Break aus dem Urlaub zurück. SPOX-NBA-Redakteur Ole Frerks stellt in seiner Kolumne Spieler vor, die die Saison prägen können.

Außerdem leert er sein Postfach und beantwortet die Fragen der Leser.

(Mehr als) Fünf Spieler, die die NBA-Saison definieren werden

Schon lange gab es vor einer Saison nicht mehr so viele neue Situationen, Storylines und generell neu verteilte Karten - zum ersten Mal seit etlichen Jahren gibt es außerdem keinen klaren Topfavoriten. Dafür aber jede Menge Spieler, die diese Spielzeit auf unterschiedliche Arten prägen könnten.

Jeder weiß, dass Kawhi Leonard, Anthony Davis oder Russell Westbrook ziemlich viel mit dem Ausgang dieser Spielzeit zu tun haben könnten und dass Zion Williamson interessant ist; doch auch in der zweiten, dritten oder letzten Reihe der NBA hoffen Spieler auf ihre erste, zweite oder vielleicht auch letzte Chance auf den Durchbruch, in welcher Form auch immer.

Zu diesem Anlass präsentierte ich mein Watchlist-Team. Die folgenden fünf (und noch ein paar mehr) sind natürlich nicht die einzigen Spieler, aber es sind welche, die ich aus unterschiedlichen Gründen besonders im Auge behalten werde.

Und los:

Backup Point Guard: Markelle Fultz (Orlando Magic)

Die Gründe für diese Nominierung habe ich kürzlich schon dargelegt, seither kann ich nur hinzufügen, dass die weiteren Auftritte in der Preseason mir noch mehr Hoffnung gemacht haben. Fultz ist die Definition einer Wild-Card. Da das hier aber gemogelt wäre, gibt es an dieser Stelle noch eine Alternative auf der Eins.

Starting Point Guard: Mike Conley Jr. (Utah Jazz)

Zu beweisen hat Conley nichts mehr - sollte man meinen. Der Point Guard stand mit den Grizzlies in den Conference Finals, hat großartig in den Playoffs performt, jahrelang auf All-Star-Niveau gespielt und dank seines aktuellen Vertrages ohnehin seit Jahren ausgesorgt. Er wird den Jazz weiterhelfen, so viel ist klar.

Aber ist es das wirklich? Blickt man auf die dominierenden Storylines dieses Sommers, kommen sowohl Conley als auch die Jazz oft ziemlich kurz; einerseits, weil sein Trade sehr früh über die Bühne ging und Davis, Leonard etc. erst später wechselten. Andererseits aber auch deshalb, weil es im Prinzip die Geschichte seiner Karriere erzählt.

Conley fliegt seit jeher unterm Radar, ist aufgrund des Standortnachteils und der Talent-Fülle in der Western Conference nie All-Star geworden - eigentlich ein Unding. Aber auch dadurch fällt teilweise unter den Tisch, wie perfekt er bei den Jazz reinpasst und wie gefährlich dieses Team mit ihm geworden ist. Utah hat Chancen, den Westen zu gewinnen. Und zwar sowohl in der Regular Season als auch in den Playoffs.

Die Defense der Jazz war schon vergangene Saison die beste der Liga, solange Rudy Gobert fit war. Mit Conley kann sie sogar noch besser werden - individuell befindet sich der nun 32-Jährige auf einem ähnlichen oder vielleicht etwas höheren Niveau als Vorgänger Ricky Rubio, vor allem kann er aber eine Last von Donovan Mitchell nehmen.

Mitchell galt, bevor er gedraftet wurde, als vor allem defensiv begabter Spieler. Etwas überraschend wurde er dann zum Go-to-Guy in Utah, worunter seine Defense ein wenig litt, weil er einfach deutlich mehr Energie vorne aufbringen musste. Conley jedoch kann ihm viele Pflichten abnehmen, wodurch vermutlich Ressourcen freiwerden, die Mitchell defensiv auf die nächste Stufe heben könnten.

Den größten positiven Impact sollte Conley jedoch offensiv haben. Die Jazz waren am Ende immer wieder viel zu abhängig von Mitchell - Conley wiederum ist selbst ein elitärer Ballhandler, der für sich selbst und andere kreieren kann. Aus den Pick'n'Rolls, die er vergangene Saison lief, generierten die Grizzlies 0,96 Punkte pro Versuch - Platz 3 unter allen Spielern, die mindestens acht davon pro Spiel liefen. Nur hatte Conley in Memphis außer Marc Gasol oft keinen einzigen gefährlichen Mitspieler.

Das ändert sich in Utah, entsprechend könnten auch Conleys Effektivität und Effizienz noch einmal hochgehen. So wie Conley Mitchell Räume schafft, wird es andersrum auch funktionieren - seit Jahren hatte Conley nicht mehr so einen explosiven Flügelspieler neben sich.

Conley ist ein weitaus besserer Schütze, als es die eher durchschnittlichen 36,4 Prozent von der Dreierlinie in der vergangenen Saison andeuten - es spielt eben eine Rolle, ob man sich jeden dieser Würfe selbst erarbeiten muss und oft die einzige gefährliche Option seines Teams ist. Offene Dreier aus dem Catch-and-Shoot hatte Conley so nur wenige, traf sie aber zu knapp 40 Prozent.

In der Saison 2016/17, seiner zuvor letzten gesunden Saison, traf er sie sogar zu 46 Prozent, was den Jazz Hoffnung machen sollte. Die Offense von Head Coach Quin Snyder ist seit Jahren sehr gut darin, die richtigen Würfe zu produzieren und herauszuspielen, es fehlte lediglich an der Umsetzung, gerade in den Playoffs. Conley und auch Bojan Bogdanovic sind hier sehr viel bessere Abnehmer als Rubio oder Jae Crowder.

Alles in allem sind die Jazz im Sommer ein besser balanciertes Team geworden, das im Konzert der Großen im Westen eine Rolle spielen kann, auch ohne klassischen Superstar. Denn klar erkennbare Schwächen hat das Team dank Conley jetzt fast überhaupt nicht mehr.

Starting Shooting Guard: Devin Booker (Phoenix Suns)

Von solchen Sphären kann Conleys fiktiver Backcourt-Kollege nur träumen. In Bookers vier NBA-Jahren haben die Suns 23, 24, 21 und 19 Spiele gewonnen und mehr alberne Schlagzeilen abseits des Courts (Stichwort: Ziege) geschrieben als positive sportliche Geschichten. Booker hat zwar selbst 70 Punkte in einem Spiel aufgelegt und sein Talent mehr als nur angedeutet, so richtig akzeptiert als Topspieler ist er aber nicht.

Booker ist sogar eher eine kontroverse Figur geworden. Die eine Seite sieht ihn als Spieler mit guten Statistiken bei einem miesen Team, als Verlierer, der keine Defense spielt. Die andere Seite weist daraufhin, dass sein Team ihn über vier Jahre aktiv gehandicapt hat und er dennoch effizienter punktet als beispielsweise Mitchell.

Dass er sich meilenweit von dem eindimensionalen Shooter entfernt hat, der er am College in Kentucky war, dass aus ihm eine Art rechtshändiger James Harden werden könnte, dass er, nicht zu vergessen, noch immer erst 22 Jahre alt ist.

Ich ordne mich prinzipiell eher der letzteren Sichtweise zu. Booker hat Schwächen, vor allem defensiv, er hat aber auch ein Skillpaket, dass ihn zu einem der größten Offensivtalente der NBA macht (wenn auch nicht zum nächsten Harden). Er ist als Playmaker gereift, in einer unmöglichen Situation für einen jungen Spieler, er kann aus jeder Lage scoren. Diese Saison muss trotzdem ein weiterer Schritt kommen.

Die Suns hatten vergangene Saison über weite Strecken keinen echten Point Guard im Kader und ließen fortan fast alles über Booker laufen, der Kader war unheimlich schlecht zusammengestellt und wurde während der Saison durch weitere Trades durcheinandergewirbelt. Weder defensiv noch offensiv hatten die Suns viel Kompetenz im Kader.

Defensiv wird es auch in der kommenden Saison schlecht bleiben, was Phoenix auf den Court bringt. Offensiv sollte aber viel mehr drin sein als der 28. Platz beim Rating. Die Suns haben endlich mehrere Playmaker und auf jeder Position zumindest einigermaßen gefährliche Spieler. Und vor allem haben sie endlich einen Floor General.

Ricky Rubio ist kein perfekter NBA-Spieler, neben Booker sollte er aber gut passen. Der Spanier hat ein sehr gutes Auge und wird Booker etwas Druck nehmen, dazu kann dieser sich wieder mehr auf das Spiel ohne Ball in der Hand konzentrieren, in dem er prinzipiell enorm gefährlich ist. Sein Draft-Vergleich war eher Klay Thompson als Harden, zumindest in Bezug auf das Offensiv-Spiel.

Die NBA-Statistiken von Devin Booker

SaisonSpielePunkteAssistsFG%3FG%Off.-Rtg.
15/167613,82,642,334,3100,3
16/177822,13,442,336,3107,7
17/185424,94,743,238,3102,9
18/196426,66,846,732,6108,2

Booker hat auch mit Dario Saric oder Frank Kaminsky neue Mitspieler bekommen, die ihn in Szene setzen können. Deandre Ayton sollte den nächsten Schritt machen, es muss offensiv also nicht mehr alles von Booker abhängen. Was auch bedeutet, dass es nicht mehr viele Entschuldigungen gibt. Die Playoffs sind in diesem Westen utopisch, trotzdem muss es bei der Siegzahl zumindest mal wieder über 30 gehen.

Und Booker muss beweisen, dass sein Spiel zu Siegen führen kann. Einen Maximalvertrag haben die Suns ihm ohne zu Blinzeln gegeben, was angesichts ihrer Lage und seines Talents auch verständlich war. Die Frage, ob er ihn rechtfertigen kann, ist bisher aber nicht endgültig beantwortet. Das sollte die kommende Saison ändern.

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung