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NBA Legenden-Serie: Detlef Schrempf - Ein Mann wie sein Haarschnitt

Viel mehr als ein Rollenspieler: Detlef Schrempf

Die Sonics: Nur Jordan ist besser

Für "Det the Threat" ist es ein überraschender Trade, aber gleichzeitig eine Rückkehr an alte Wirkungsstätte. Unglücklich ist er deshalb nicht: "Seattle war schon lange meine Heimat. Auch als ich in Dallas und Indiana gespielt habe, habe ich mein Haus in Seattle nie verkauft und bin im Sommer immer dorthin zurück."

Kein Wunder also, dass es mit Coach George Karl und den Local Heros Payton und Kemp sofort funktioniert: Payton als Floor General, Kemp lässt es krachen, und dazu nun Schrempf als Hans-Dampf-in-allen-Gassen. "Wir hatten eine wunderbare Mannschaft", erinnert sich Schrempf. In den folgenden fünf Jahren gewinnt Seattle nie weniger als 57 Spiele, dreimal sogar über 60. Es ist eins der verehrtesten Teams der NBA-Geschichte.

Allein die Meisterschaft ist ihnen nicht vergönnt. 1996 kämpft sich Seattle in die Finals, aber auf der anderen Seite steht "His Airness" höchstpersönlich. Michael Jordan. 72-10. Das beste Team aller Zeiten. Seattle fightet, aber nach sieben Spielen gegen Utah fehlen die Körner. "Wir waren noch ziemlich fertig von der Serie gegen die Jazz", trauert Schrempf der verpassten Gelegenheit hinterher. 4-2 gewinnen die Bulls.

Das Ende bei den Jail Blazers

Zweimal zieht man noch als bestes Team im Westen in die Postseason ein, aber zum großen Wurf reicht es nicht mehr. Nach dem Lockout stürzt das Team 1999 ab und verpasst die Playoffs, der mittlerweile 36-Jährige Schrempf muss gehen. Noch immer legt er 15 Punkte und über 7 Rebounds auf, an ihm liegt es also nicht. Aber das Team muss neu aufbauen. Die Sonics der 90er bleiben unvollendet.

Ein fröhlicher Ritt in den Sonnenuntergang bleibt Schrempf nicht vergönnt: Die Portland Trail Blazers sichern sich seine Rechte, es folgen zwei Jahre, an die er sich nur ungern erinnert. Denn die "Jail Blazers" sind für einen harten, ehrlichen Arbeiter wie ihn ein Graus. "Es wurde zuletzt immer wahnsinniger. Die Spieler in Portland haben den Coach angemacht: "Hey, hau ab!" Sie haben ihm den Stinkefinger gezeigt, so nach dem Motto: Ich mach hier, was ich will", erzählt er im Tagesspiegel.

Drogen, Alkohol, Kriminalität. Das Team ist talentiert, scheitert aber an sich selbst: " Von der Einstellung zum Basketball und zum Profisport war es nicht das, was ich mir vorgestellt habe und wo ich weitermachen wollte." Verletzungen kommen dazu, er sattelt um und kommt wieder von der Bank. 2000 scheitern die Blazers knapp am späteren Champion aus Los Angeles in einer Serie für die Ewigkeit. Portland führt in Spiel 7 vor dem vierten Viertel mit 13 Punkten, dann bricht das Kartenhaus zusammen.

Absprung geschafft

Mit 38 beendet Schrempf seine Karriere - nach den Erfahrungen in Portland kein Wunder, selbst wenn er sagt, dass er noch ein paar Jahre hätte spielen können. Aber er will seine Frau Mari und die zwei Söhne nicht aus Seattle entwurzeln. Dort lebt er bis heute, sattelt auf den Finanzsektor um und arbeitet mittlerweile bei einer milliardenschweren Investmentfirma.

Im Nordwesten der USA kennt den 51-Jährigen immer noch jeder: Schrempf ist Fan der Seattle Seahawks und betreibt seit 18 Jahren eine Stiftung, die mittlerweile schon fast 15 Millionen Dollar für Kinderhilfswerke gesammelt hat. Seine Gastauftritte in der Comedy-Serie Parks and Recreations sind Kult, bei Twitter ist er sehr aktiv.

Dem Basketball ist er weiter freundschaftlich verbunden. Schrempf veranstaltet sein eigenes Camp und ist viel unterwegs, auch für die NBA. Aber der Abschied der SuperSonics hat auch bei ihm ein großes Loch hinterlassen.

Heimat gewonnen, Sonics verloren

"Ich denke nicht, dass sie das Team gestohlen haben", meint Schrempf, der von 2006 bis 2008 als Assistant Coach für die Sonics gearbeit hatte - bis zu ihrem Umzug. "Wir haben es vielmehr selbst aus der Hand gegeben. Unsere Führung, unsere Politiker. Wir haben Mist gebaut." Die Oklahoma City Thunder hat er nicht adoptieren können, wie so viele Sonics-Fans: "Das hat mit Seattle nichts mehr zu tun. Es gibt keine Tradition. Es ist ein vollkommen neues Team in einer anderen Stadt."

Seine Stadt ist dagegen Seattle, seine Heimat mittlerweile die USA. Zwei Drittel seines Lebens hat er dort verbracht, nachdem er den amerikanischen Pass beantragte, wurde der deutsche "vor meinen Augen zerschnitten". Nach 71 Länderspielen und zwei Olympia-Teilnahmen hat er sich weiter von Deutschland entfernt, als es bei einem Dirk Nowitzki jemals möglich scheint. Es hatte sich angedeutet: Schon 1996 war sein Deutsch nicht mehr akzentfrei.

"Dirk wird viel besser werden als ich"

Den Staffelstab des deutschen NBA-Athleten hat er an Dirk übergeben, der damit Höhen erklimmen konnte, die Schrempf nicht vergönnt waren. Es mutet fast poetisch an, dass Nowitzki sein erstes NBA-Spiel am 5. Februar 1999 gegen die Seattle SuperSonics bestritt. Und gegen Detlef Schrempf. "Detlef war sehr nett", erzählt Nowitzki. "Er hat mir seine Nummer gegeben und gesagt, dass ich ihn jederzeit anrufen kann. Daran werde ich mich immer erinnern."

Schrempf, der mit Nowitzki noch in losem Kontakt steht, erinnert sich vor allem an das Talent seines "Nachfolgers". Schon früh wusste er: "Dirk wird viel besser werden als ich." Denn der habe von Beginn an grünes Licht von seinen Coaches bekommen. "Er darf auf dem Platz machen, was er will. Werfen, wann und von wo er will."

Vielleicht klingt in dieser Aussage auch ein kleines bisschen Wehmut durch. Zu Schrempfs Zeiten war das Spiel ein anderes. Strukturierter, enger. So ist es vielleicht zu erklären, dass er in seiner Karriere trotz einer Downtown-Quote von 38,4 Prozent (besser als die von Nowitzki!) nur dreimal mehr als zwei Dreier pro Spiel nahm.

Dennoch: Nach 16 Jahren, 15.761 Punkten und über 7.000 Rebounds ist Schrempf zufrieden und mit sich im Reinen. Er hat den Übergang in die zweite Karriere nach dem Basketball geschafft - und er hat der nachfolgenden Generation den Weg in die NBA gezeigt. Wenn man den Mann mit der markanten, tiefen Stimme heute sieht, hat er sich kaum verändert: Groß, athletisch. Vielleicht die eine oder andere Falte mehr.

Nur der Bürstenschnitt. Der ist verschwunden.

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