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NBA

Die Bulls sind am Zug

Nene fehlte während der Regular Season 21 Spiele aufgrund von Knieproblemen
© getty

Die Chicago Bulls haben etwas überraschend Spiel 1 der Serie gegen die Washington Wizards verloren. Center Nene stellte die Bulls vor große Probleme. Auch in der Offensive haperte es. Hat Chicago vor Spiel 2 die richtigen Lehren aus der Partie gezogen?

21 Spiele fehlte Nene aufgrund von Knieproblemen. Vier Mal kam er zum Ende der Saison von der Bank, um dann in Spiel 1 die Befürchtungen der Chicago Bulls wahr werden zu lassen. Der Brasilianer ist ein Matchup-Problem.

24 Punkte und 8 Rebounds steuerte der Center zum Sieg bei. Mit seiner Power und Beweglichkeit gehört Nene schlicht und einfach zu den Spielern, die die volle Aufmerksamkeit von Defensive Player of the Year Joakim Noah erfordern.

Die sonst häufig praktizierte Help Defense des Franzosen wurde in Spiel 1 häufig direkt bestraft und auch bei den Rebounds zog Chicago mal wieder den Kürzeren. Das schmeckt Coach Tom Thibodeau gar nicht. "Wir müssen unsere Defense zu Ende spielen. Wenn der Ball in der Luft war, war die Sache schon entschieden."

Kein Switch im Frontcourt geplant

Anpassungen sind gefragt - aber welche? "Wir müssen eine Menge tun", sagte der Defensivfanatiker nach dem Training am Montag. Ein Switch der Matchups soll aber nicht dazu gehören. Carlos Boozer gegen Nene zu stellen, um Noah zu entlasten, ist keine Option. Der Power Forward ist defensiv zu schwach.

Auch die Hereinnahme von Taj Gibson soll nicht Teil von Thibodeaus Anpassungen sein. Gibson ist als Energizer von der Bank zu wertvoll und tut sich gegen physischere Gegenspieler ohnehin etwas schwer. "Wir werden von den Jungs nicht abrücken, die uns hierhin gebracht haben", ließ der Coach verlauten.

Doch Thibodeau muss sich die Frage stellen, ob er die Prioritäten nicht falsch gesetzt hat und zu sehr darauf erpicht war, den athletischen Backcourt der Wizards kaltzustellen. John Wall und Bradley Beal jedenfalls blieben deutlich unter ihren Möglichkeiten. Die sonst so effektiven Drives in die Zone waren eher selten und wenn, dann mussten sie sich die Punkte an der Freiwurflinie verdienen.

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7 von 25 aus dem Feld war das kombinierte Ergebnis für die beiden Guards. Der designierte Franchise-Player Wall musste jedenfalls zugeben, dass die Postseason kein Vergleich zur regulären Saison ist.

Wall kämpft mit Intensität

"Es ist sehr intensiv. Ich habe es mir ein paar Mal angeschaut, aber selbst auf dem Feld zu stehen, ist etwas völlig anderes. Zwischenzeitlich kam man gar nicht zum Atmen. Es ging nur rauf und runter", sagte Wall. Dennoch trafen die Wizards als Team rund 48,6 Prozent aus dem Feld - normalerweise lassen die Bulls rund 6 Prozent weniger zu.

"Mir gefällt der Gedanke, dass wir einfach einen guten Job bei ihren Perimeter-Jungs gemacht haben und keinen bei den anderen beiden Jungs. Hoffentlich können wir das ändern", sagte Mike Dunleavy als er mit der These konfrontiert wurde. Doch ist es so einfach?

Schließlich schickten die Bulls ihren Gegner auffällig häufig an die Linie - insgesamt 35-mal. "Wir sind normalerweise ein Team, das nicht foult. Das gibt Anlass zu Sorge", sagte Coach Thibs und legte nach: "Wir sind in den Playoffs. Die Spiele werden anders gepfiffen. Darauf muss man sich umgehend einstellen."

Seine Spieler hatten dies nicht verinnerlicht und haderten häufig mit den Referees. Eine Tatsache, die dem Trainer missfiel. "Wenn du einen Ball verwirfst und denkst, dass es ein Foul hätte geben müssen, kannst du nicht mit dem Schiedsrichter diskutieren, während der Gegner das Feld herunterläuft."

Die Bulls ließen sich aus dem Konzept bringen und verloren so auch den Faden in der Offensive. Mitte des dritten Viertels führten sie bereits mit 13 Punkten, aber spielten es dann nicht konsequent zu Ende. Im Schlussviertel erzielten sie nur 18 Punkte. "Wir können es uns nicht erlauben, Frust in unser Spiel kommen zu lassen. Wir müssen die vollen 48 Minuten spielen. Wir müssen zurückkommen", nimmt Thibodeau seine Spieler in die Pflicht.

Fehlendes Ball Movement

Zu den ungewohnten Problemen in der Defensive kamen die bekannten Schwächen in der Offensive. Ein großer Faktor war das fehlende Ball Movement. Chicago verteilte nur 13 Assists. In einem Team, das seinen Go-to-Guy in Straßenkleidung auf der Bank sitzen hat, ist dies fatal. Ohne Derrick Rose ist es die Stärke der Bulls, den Ball laufen zu lassen, doch mit Noah wurde der Initiator der Angriffe geschickt zugestellt. Der Center, der häufig als Spielmacher aus dem High-Post agiert, war längst nicht so effektiv wie sonst.

Dazu fand D.J. Augustin nie in den Rhythmus. Der Guard, der sich im Laufe der Saison eine immer größere Rolle erspielte und mit seiner Scorer-Mentalität immens wichtig ist, erlebte keinen guten Abend. "Ich hatte das Gefühl, dass wir versucht haben, offene Würfe zu bekommen, aber sie haben das geschickt verteidigt und uns so rausgenommen. Wir müssen jetzt Anpassungen vornehmen, wir müssen ihre Taktik kontern, denn sie werden es wieder versuchen."

Schon gleich heute Nacht. Noah ist jedenfalls bereit für den nächsten Zug. "Es ist Schach, nicht Dame. Wir werden unsere Lehren daraus ziehen." Wer danach Anpassungen vornehmen muss, wird sich zeigen.

Die Playoffs im Überblick

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