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NBA

Ein fast aussichtsloser Kampf

Von Philipp Dornhegge
Die Houston Rockets stehen nach zwei Heimpleiten gegen Portland mit dem Rücken zur Wand
© getty

Die Chicago Bulls und Houston Rockets waren als Favoriten in ihr jeweiliges Erstrundenmatchup der Playoffs gegangen, stehen nach zwei Spielen aber schon mit dem Rücken zur Wand. Statistisch haben die beiden Teams vor Spiel drei am Freitag nur noch eine minimale Chance, das Comeback zu schaffen. SPOX wirft einen Blick in die Geschichtsbücher.

Betrachtet man die gesamte Geschichte der NBA-Playoffs, dann ist es bislang nur 16 Mannschaften gelungen, in einer Best-of-Seven-Serie nach einem 0-2-Rückstand zurückzuschlagen und doch noch den Titel zu gewinnen.

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Die Boston Celtics von 1969, die Portland Trail Blazers von 1977 und die Miami Heat von 2006 eint dabei eine besondere Leistung: Nur diese drei Team lagen in den Finals 2-0 zurück und konnten anschließend noch die Meisterschaft feiern.

Drei 0-2-Comebacks in Finals

Die bittere 2-4-Niederlage der Dallas Mavericks vor acht Jahren gegen Dwyane Wade und die Heat dürfte dabei den deutschen NBA-Fans noch allzu schmerzhaft im Gedächtnis geblieben sein.

Portland bezwang '77 die Philadelphia 76ers ebenfalls mit 4-2. Es war die Saison, vor der sich NBA und ABA zusammentaten, wodurch Julius Erving bei den Sixers und Maurice Lucas bei den Blazers landeten. Das Team aus dem Nordwesten war zum ersten Mal überhaupt in den Playoffs dabei, galt in den Finals als krasser Underdog und startete doch nach dem 0-2-Rückstand einen grandiosen Lauf. Bill Walton wurde zum Finals MVP gewählt.

Den Celtics wiederum gelang '69 der 4-3-Finalssieg über den Erzrivalen L.A. Lakers, und er war aus vielerlei Gründen bemerkenswert. Zunächst galten die Lakers als Favorit. Mit Wilt Chamberlain, Elgin Baylor und Jerry West hatten die Kalifornier einen unvergleichlichen One-Two-Three-Punch im Kader. West wurde später, als nach wie vor einziger Spieler eines Verliererteams, zum Finals MVP gewählt. Überhaupt wurde die Trophäe zum ersten Mal vergeben.

Boston war eine alternde Mannschaft im Umbruch, die vom legendären Bill Russell nicht nur als Spieler, sondern auch als Trainer angeführt wurde. Der Gewinn dieser Meisterschaft war das letzte große Ausrufezeichen hinter der illustren Karriere des Centers und eine der am meisten unterschätzten Meisterleistungen Russells.

Comeback nach zwei Heimpleiten fast ausgeschlossen

Diese drei Finalssieger hatten allerdings einen großen "Vorteil", den die Bulls und Rockets anno 2014 nicht haben: Sie verloren die ersten beiden Spiele auswärts. Während insgesamt rund 95 Prozent aller Mannschaften mit zwei Auftaktniederlagen später auch die Serie verlieren, ist die Chance auf ein Weiterkommen nach zwei Heimpleiten verschwindend gering.

In der gesamten NBA-Playoff-Geschichte ist dies nur drei Teams gelungen.

Die Comebacker nach 0-2-Rückstand im Überblick: Die Lakers von 1969, die wie beschrieben später nach 2-0 noch die Finals gegen Boston verloren, sahen sich zuvor in den Western Division Semifinals selbst einem 0-2 gegenüber und drehten die Serie noch. Die San Francisco Warriors hatten ein Jahr zuvor Rick Barry an die ABA verloren und konnten nur noch Nate Thurmond als Star vorweisen, klauten dennoch die ersten zwei Spiele in L.A. mit knappen Siegen.

Erst danach wachten die Lakers auf, gewannen drei Mal ebenfalls knapp und konnten mit einer 40-Punkte-Klatsche in Spiel sechs einen schönen Abschluss der Serie feiern.

1994: Houstons Titellauf

1994, im gleichen Jahr also, in dem die Denver Nuggets als erster 8-Seed eine Nummer eins (Seattle SuperSonics) eliminierten - und dabei einen 0-2-Rückstand in der Best-of-Five-Serie wettmachten, feierten die Houston Rockets ein Fabelcomeback gegen die Phoenix Suns.

Nach ihrer Finals-Niederlage im Jahr zuvor wollte Phoenix mit Charles Barkley erneut um den Titel mitspielen, machte in Runde eins kurzen Prozess mit den Warriors und startete auch in Runde zwei furios. Zwei hauchdünne Siege in Houston bedeuteten einen vermeintlich komfortablen Vorsprung, doch die Rockets schlugen zurück und gewannen die nächsten drei Partien.

Nachdem Phoenix im sechsten Spiel daheim noch mal ausgleichen konnte, gewannen die Texaner Spiel sieben daheim souverän gewinnen. Nach einer klaren 4-1-Serie in den Conference Finals gewann Houston mit Finals MVP Hakeem Olajuwon schließlich den Titel durch einen 4-3-Sieg über die New York Knicks um Patrick Ewing.

Mavs bremsen T-Mac aus

Das dritte Team mit einem Comeback nach zwei Heimpleiten zum Start einer Serie waren die Dallas Mavericks. 2005 verloren sie in Runde eins gegen Tracy McGrady, Yao Ming und Co. zwei Mal im American Airlines Center, die Rockets sahen schon wie der sichere Sieger aus. Zumal sie im vierten Viertel von Spiel drei auch schon führten, ehe die Mavs zurückkamen und 106:102 siegten.

Spiel vier war ähnlich knapp, erneut musste ein starkes Schlussviertel für die Mavericks herhalten, um 97:93 zu gewinnen. Nach einem dritten Thriller und dem dritten Sieg in Folge bekamen die Mavs in Houston in Spiel sechs ordentlich auf die Mütze, ehe ein 116:76-Kantersieg den Sack in Spiel sieben zumachte.

Für McGrady war es letztlich eine weitere vertane Chance, in die zweite Playoff-Runde einzuziehen. Dieses Erfolgserlebnis konnte der ehemalige NBA-Topscorer erst 2013 als Rollenspieler der San Antonio Spurs feiern.

Für Dallas war es eine packende Serie, die zu einem Zweirundenduell mit dem Nummer-Eins-Team Phoenix führte und dem Aufeinandertreffen Dirk Nowitzki mit Kumpel Steve Nash. Der Spielmacher sollte seine Suns zu einem hart erkämpften 4-2 führen.

Dritte Pleite: Das sichere Aus

Drei Mannschaften haben also gezeigt, dass das Unterfangen der Bulls und Rockets nicht vollkommen aussichtslos ist. Mit einer Niederlage in der nächsten Runde (Mavericks '05), einer Finals-Niederlage (Lakers '69) und einem Titelgewinn (Rockets '94) lässt sich übrigens keine klare Aussage treffen, wie die Playoffs weitergehen könnten, sollte eins der beiden Teams das Comeback schaffen.

Eine Niederlage am Freitag und ein damit verbundener 0-3-Rückstand wäre jedenfalls das nahezu sichere Aus: Noch nie hat ein Team danach noch die nächste Runde erreicht. Die Knicks (1951), Nuggets (1994) und Trail Blazers (2003) sind außerdem die einzigen Mannschaften, die immerhin noch ein siebtes Spiel erzwingen konnten.

Wizards-Bulls und Blazers-Rockets: Die 3. Spiele mit dem League Pass schauen!

Die Comebacks nach 0-2-Rückstand:

1969 Lakers vs. Warriors (1. Runde)

1969 Celtics vs. Lakers (Finals)

1971 Bullets vs. Knicks (Eastern Conference Finals)

1977 Trail Blazers vs. 76ers (Finals)

1993 Bulls vs. Knicks (Eastern Conference Finals)

1994 Rockets vs. Suns (Western Conference Semifinals)

1995 Rockets vs. Suns (Western Conference Semifinals)

2004 Lakers vs. Spurs (Western Conference Semifinals)

2005 Mavericks vs. Rockets (1. Runde)

2005 Wizards vs. Bulls (1. Runde)

2006 Heat vs. Mavericks (Finals)

2007 Jazz vs. Rockets (1. Runde)

2007 Cavaliers vs. Pistons (Eastern Conference Finals)

2008 Spurs vs. Hornets (Western Conference Semifinals)

2012 Thunder vs. Spurs (Western Conference Finals)

2013 Grizzlies vs. Clippers (1. Runde)

Die Playoffs im Überblick

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