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NBA

"Ich kenne keinen größeren Streber"

Von Interview: Marcel Friederich
Einmal Heat, immer Heat: Haslem läuft bereits seit 2003 für den Meister aus Miami auf
© getty

Udonis Haslem steht bei den Miami Heat nur äußerst selten im Vordergrund. Und doch ist er ein wichtiges Puzzlestück der Startruppe. Im Interview mit SPOX spricht er über die Finals gegen die Spurs, seine Studienzeit mit Matt Bonner, Autounfälle in Frankreich und Barbecue an Weihnachten.

SPOX: Viele hatten Ihr Team schon abgeschrieben - doch nun ist Miami zurück im Kampf um die Meisterschaft. Wie haben Sie es geschafft, nach der bitteren Pleite in Spiel drei sich so eindrucksvoll zurückzumelden?

Udonis Haslem: Wir sind stolz darauf, mit wie viel Energie wir gespielt haben. So muss man auswärts in einem Finalspiel auftreten. Wir haben uns von Beginn an voll auf die Defense konzentriert und dabei einen super Job erledigt. Wir sind den Bällen regelmäßig hinterher geflogen und haben sehr gut gereboundet. Sofern es bei uns in der Defense gut läuft, kommen wir fast automatisch in einen guten offensiven Rhythmus.

SPOX: Besonders beeindruckend war die Leistung von Dwyane Wade, nachdem er in den Spielen zuvor arg gestrauchelt hatte.

Haslem: Das stimmt. Obwohl es für ihn zuletzt nicht so gut lief, haben wir ihm immer voll vertraut. Ich finde es beeindruckend, dass er sich von seinen Knieproblemen nicht beirren lässt und sich voll in den Dienst der Mannschaft stellt. Er ist immer für uns da, wenn wir ihn brauchen. Und wir haben ihn jetzt dringend gebraucht! Aber genau das zeichnet D-Wade ja auch aus: In besonderen Spielen ruft er besondere Leistungen ab. Man muss sich nur an die Finals 2006 erinnern, als er uns fast im Alleingang zum Titel geführt hat. Ich fühle mich sehr geehrt, dass ich mit ihm schon zehn Jahre lang gemeinsam in Miami spielen darf.

Nachbericht: Dwyane Wade findet seinen Mojo wieder

SPOX: Ebenso wie Wade zeigte sich auch LeBron James wieder in sehr starker Verfassung...

Haslem: LeBron ist eben der beste Spieler der Welt! Es war sehr ungewöhnlich, dass er drei Spiele am Stück so deutlich unter seinem Niveau gespielt hat. Allerdings war ich überzeugt, dass er sich steigern wird. Während der Saison gelingt es ihm ja auch in mindestens 50 oder 60 Spielen, bärenstarke Leistungen abzuliefern. Deshalb wusste ich: Die Zeit ist wieder reif für den LeBron, den wir kennen.

SPOX: Was muss Ihre Mannschaft jetzt tun, damit es nicht wieder zu einem Einbruch wie in Spiel drei kommt?

Haslem: Zwischen Spiel vier und fünf haben wir nun zwei Tage lang Zeit, um uns die letzte Partie genau auf Video anzuschauen und jedes Detail zu analysieren. Die Spurs haben bewiesen, dass sie nach Niederlagen jederzeit zurückschlagen können. Deshalb glaube ich, dass sie am Sonntag deutlich stärker auftreten werden als in Spiel vier. Darauf müssen wir vorbereitet sein. Wir dürfen uns auf keinen Fall ausruhen.

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SPOX: Im Kader Ihres Finalgegners steht ein Spieler, den Sie sehr gut kennen: Matt Bonner. Gemeinsam haben Sie an der University of Florida studiert. Wie ist Ihr Verhältnis?

Haslem: Matt ist ein toller Kerl, sehr eloquent, einer der smartesten Spieler der Liga. Wir verstehen uns sehr gut und haben uns gegenseitig am College unterstützt. Nicht nur beim Basketball, sondern auch im regulären College-Alltag. Wobei ich glaube, dass ich mehr von ihm profitiert habe als andersherum. Ich kenne nämlich kaum einen größeren Streber als Matt. (lacht) Ich kann mich erinnern, dass er in irgendeinem Kurs mal "nur" ein B (amerikanische Schulnote, in Deutschland mit einer 2 vergleichbar, Red.) bekommen hatte. Und was macht dieser Kerl dann? Er wiederholt den Kurs, um eine noch bessere Note zu bekommen. Unfassbar! (lacht)

SPOX: Nach Ihrem Studienabschluss 2002 wurden Sie nicht gedraftet und gingen für eine Saison nach Frankreich zu ES Chalonnais. Welche Erinnerungen haben Sie an diese Zeit?

Haslem: Sportlich war das für mich die richtige Bühne, um doch noch in die NBA zu kommen. Allerdings hatte ich abseits des Spielfeldes ein paar Probleme dort.

SPOX: Zum Beispiel?

Haslem: In meinem Vertrag stand die Klausel, dass ich unbedingt einen Französischkurs belegen muss, um dort spielen zu dürfen. Okay, ich habe es anfangs auch probiert. Aber ich glaube, es hat nicht mal anderthalb Wochen gedauert, bis ich völlig frustriert war und dem Management gesagt habe, dass ich nicht mehr zum Französischkurs gehen werde. Diese Sprache hatte mich zu dieser Zeit echt überfordert. Dadurch gab es für den Verein die Möglichkeit, mich ohne einen Cent wieder zurück in die USA zu schicken. Doch glücklicherweise habe ich mich gleich zum Topscorer des Teams entwickelt. Deshalb durfte ich bleiben.

SPOX: Wie hat Ihnen das Leben in Frankreich gefallen?

Haslem: Eigentlich ganz gut. Wobei ich gestehen muss, dass ich mich vor allem an die schlechten Dinge erinnere. Beispielsweise das Autofahren mit Gangschaltung.

SPOX: Vorher kannten Sie nur Automatik-Autos?

Haslem: Genau! Weil ich mit der Gangschaltung einfach nicht zurecht gekommen bin, habe ich während dieser Saison gleich zwei Autos kaputt gefahren. Zum Glück ist mir bei den Unfällen nichts passiert. Einmal bin ich sogar mit einem anderen Auto zusammengeknallt. Das war eine ziemlich kuriose Situation, als der beteiligte Autofahrer aus seinem beschädigten Auto ausstieg und mich auf Französisch anschrie. Ich habe ihm auf Englisch geantwortet. Keiner von uns hat ein Wort des anderen verstanden.

SPOX: Was haben Sie dann gemacht?

Haslem: Ich bin einfach gegangen. Unsere Trainingshalle war nur zwei, drei Minuten entfernt. Und auf meinem Auto stand ja der Name unseres Clubs. Daher wusste der Typ ja, an wen er sich wenden muss.

SPOX: Nach Ihrem Jahr in Frankreich wechselten Sie 2003 zu den Heat - und blieben bis heute. Warum?

Haslem: Miami ist meine Heimat, hier bin ich geboren. Deshalb könnte es für mich nichts Schöneres geben, als für die Miami Heat zu spielen. Ich liebe den Club, ich liebe die Stadt, ich liebe das tolle Wetter. Wo sonst auf der Welt kann man an Weihnachten ein leckeres Barbecue im Freien machen? Natürlich hatte ich im Laufe der Zeit auch Angebote von anderen Vereinen. Doch ich habe keinen Grund gesehen, meine Heimat zu verlassen. Zumal die Heat der beste Club ist, um dauerhaft erfolgreich zu sein.

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SPOX: Von 2004 bis 2008 waren Sie Backup-Center von Shaquille O'Neal. Was haben Sie von ihm gelernt?

Haslem: Als Shaq zu uns nach Miami kam, hatte er mit den Lakers ja schon dreimal den Titel gewonnen. Er war ein richtiger Champion, zu dem ich aufgeschaut habe. Obwohl er schon so viele Erfolge gefeiert hatte, ist er ein ganz harter Arbeiter geblieben. In jedem Training hat er geschuftet ohne Ende. Diese Arbeitseinstellung habe ich mir von ihm abgeschaut.

SPOX: In den Finals 2006 triumphierte Ihr Team über die Dallas Mavericks. Sie hatten die ehrenvolle Aufgabe, Dirk Nowitzki zu verteidigen. Welche Erinnerungen haben Sie daran?

Haslem: Dirk ist ein großartiger Spieler, ein Sevenfooter, der beim Wurf kaum zu stoppen ist. Ich hatte ziemlich große Probleme, ihn zu verteidigen. Das war eine enorme Herausforderung für mich. Aber im Gegensatz zu den Finals 2012 ist es mir 2006 wohl doch ganz gut gelungen.

SPOX: Wie würden Sie Ihre eigene Spielweise beschreiben?

Haslem: Es ist ganz klar, dass ich kein Scorer bin. Vor fünf, sechs Jahren habe ich noch deutlich mehr Punkte erzielt, aber mittlerweile übernehmen das in unserem Team die anderen Jungs. Mein Job ist es, zu rebounden und hart zu verteidigen. Ich versuche, viel Energie und Emotionen aufs Spielfeld zu bringen. Das möchte der Coach von mir sehen. Wenn ich frei stehe und werfen kann, habe ich trotzdem das nötige Selbstvertrauen dazu. Ich bin also für die kleinen Dinge in unserem Team zuständig.

SPOX: Aber genau solche Spieler sind für einen Club auch erforderlich, um Titel zu gewinnen...

Haslem: Da will ich nicht widersprechen. (lacht)

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