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Monsieur Sagnol & das neue Bordeaux

Von Manuel Behlert
Seit Mai 2014 wird Girondins Bordeaux von Willy Sagnol trainiert
© getty

Seit Mai 2014 wird Traditionsklub Girondins Bordeaux von einer waschechten Bundesliga-Legende trainiert: Willy Sagnol. Der Verein hat in den letzten Jahren eine kleine Achterbahnfahrt hinter sich: 2009 holte man noch die Meisterschaft, seitdem war Bordeaux kein Mal besser als Platz 5.

Es war der 3. November 2009. An einem kühlen Herbsttag empfing der FC Bayern München am 4. Spieltag in der Champions League dem amtierenden französischen Meister aus Bordeaux. Das Hinspiel hatten die Münchener nach zwei Platzverweisen in einem phasenweise sehr zähen Spiel mit 2:1 verloren. Ein Unfall oder doch ein wegweisendes Spiel? Zu diesem Zeitpunkt war eines klar: der FC Bayern steht im Rückspiel unter Druck.

Bordeaux stand kompakt und die wenig inspirierte Vorstellung des deutschen Rekordmeisters spielte den Franzosen von Trainer Laurent Blanc in die Karten. Bordeaux wurde nicht einmal konsequent unter Druck gesetzt, mehr als Ballbesitz konnten die Bayern nicht aufweisen. Eine taktisch hervorragende Leistung gepaart mit einer enormen Effizienz in der Offensive waren die Schlüssel zum Erfolg.

Einzug ins CL-Viertelfinale

Nach einem Freistoß aus dem Halbfeld von Wendel entwischte Gourcuff dem Niederländer van Bommel und köpfte aus kurzer Distanz ein. Nach dem Führungstreffer wurde Bordeaux noch kompakter. Trotz der stärker werdenden Offensivbemühungen des FCB waren es die Franzosen, die das zweite Tor erzielen konnten. In der Schlussminute traf Marouane Chamakh nach einem groben Abstimmungsproblem zwischen Badstuber und Butt zum Endstand.

Mit dieser wirklich guten Strategie, den passenden Spielern und individueller Klasse schaffte es Bordeaux bis in das Viertelfinale der Königsklasse, wo man Olympique Lyon knapp unterlag. In der Gruppenphase wurde man sogar Gruppensieger, eben vor dem FC Bayern und Juventus Turin.

Gourcuff spielte sich in dieser Saison in den Vordergrund, Wendel war ein hervorragender Freistoßschütze, Chamakh erzielte viele Tore und wechselte 2010 zu Arsenal, Alou Diarra machte als kompromissloser Defensivspieler auf sich aufmerksam und Verteidiger wie Ciani, Planus oder Chalme funktionierten außergewöhnlich gut im taktischen Konstrukt von Laurent Blanc. Doch Erfolg weckt bekanntlich Begehrlichkeiten und so verließen einige Spieler den Klub.

Hohe Fluktuaktion in Bordeaux - kaum Konstanz

2008 trennte sich Bordeaux im Transfersommer von einigen Spielern, viele junge und talentierte Kicker wurden ausgeliehen, einige verließen den Klub ablösefrei. Entscheidend waren aber die Zugänge, beispielsweise verpflichtete man den talentierten Flügelspieler Yoan Gouffran für knapp 7 Millionen Euro aus Caen. Das Wichtigste war jedoch die Leihe von Yoann Gourcuff. Der damals 21-jährige Spielmacher kam vom AC Mailand und war das fehlende Puzzleteil im System Blanc.

Während Gouffran in seiner ersten Saison noch verhältnismäßig wenige Akzente setzen konnte und an der Meisterschaft nicht den ganz großen Anteil hatte, bewies Gourcuff bereits seine Fähigkeiten. 23 Scorerpunkte in der Liga, weitere vier in den sechs Gruppenspielen der Champions League - der 21-Jährige wurde bereits mit Zinedine Zidane verglichen und sprühte vor Spielfreude. Die Meisterschaft war am Saisonende definitiv eine Überraschung, denn vorher dominierte Lyon die Liga, aber Bordeaux bewahrte einen kühlen Kopf und konnte in den entscheidenden Spielen die nötigen Resultate einfahren.

Selbstverständlich haben sich gewisse Spieler im Meisterjahr ins Schaufenster gespielt. Obertan wechselte zu Manchester United und Diawara zu Marseille, die Schlüsselspieler konnten allerdings gehalten werden. Außerdem gelang mit der festen Verpflichtung von Gourcuff ein echter Coup auf dem Markt.

Stark in Europa, ausbaufähig in Frankreich

Mit Carrasso verstärkte man sich auf der Torhüterposition, Ciani sollte den Abgang von Diawara kompensieren und mit Plasil holte man sich einen technisch begabten Spieler für das zentrale Mittelfeld aus Osasuna. Trotz der angesprochenen Erfolgserlebnisse in der Königsklasse ließ die Konstanz in der Liga zu wünschen übrig. Am Ende belegte man den 6. Platz und hatte relativ großen Rückstand auf die Plätze, die zur Teilnahme an die Königsklasse berechtigen. Trotzdem wuchs die Mannschaft und die internationale Erfahrung brachte einige Spieler weiter.

Die Saison 2010/11 lief in der Liga unter dem neuen Trainer Jean Tigana definitiv schlechter. Bordeaux verschlechterte sich zwar "nur" von Platz 6 auf 7, der Abstand nach oben wurde allerdings noch größer und von der taktisch hervorragend ausgebildeten Mannschaft war nach dem Abgang von Gourcuff zu Ligakonkurrent Lyon und dem ablösefreien Wechsel von Chamakh zu den Gunners relativ wenig übrig geblieben.

Eine inkonstante Saison mit vielen individuellen Fehlern und Neuzugängen wie Savic, Modeste und Ben Khalfallah, die zwar Qualität mitbrachten, aber die Lücken nicht entscheidend füllen konnten war die Folge. Kurz vor Ende der Saison trennte man sich sogar vom Trainer, Eric Bedoue betreute die Mannschaft bis Saisonende ehe Francis Gillot vorgestellt wurde.

Konstanzprobleme unter Gillot

Unter Gillot stabilisierten sich die Girondins wieder, obwohl Fernando, Diarra und Wendel abgegeben wurden. Trotzdem spielte die Mannschaft besser, stabiler, konstanter. Vor allem Gouffran und Jussie überzeugten mit einigen Scorerpunkten, auch Diabate im Angriff traf insgesamt achtmal.

Am Ende der Spielzeit 2011/12 belegte man Rang 5, allerdings war das Umfeld nicht komplett überzeugt von Gillot, der zwar für Stabilität und eine leichte Verbesserung sorgte, aber die Raffinesse im Spiel vermissen ließ.

Im Sommer 2012 geriet Gillot ein wenig in die Kritik, als er Gouffran, Ciani, Sané und Krychowiak ziehen ließ und diese Spieler nicht adäquat ersetzen konnte. Das Resultat war wieder eine mäßige Saison und Platz 7, erneut mit großem Abstand.

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