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Olympia

Jobgarantie für Bundestrainer Langen

SID
Christoph Langen ist seit Juli 2010 Bundestrainer
© getty

Trotz der Blamage des deutschen Bobteams bei den Olympischen Spielen in Sotschi wird der umstrittene Bundestrainer Christoph Langen wohl im Amt bleiben dürfen.

"Die Cheftrainerrolle steht nicht zur Debatte", sagte Thomas Schwab, Sportdirektor und Generalsekretär im Bob- und Schlittenverband von Deutschland, am Montag dem "SID": "Wir werden uns in der nächsten Woche mit dem Präsidium zusammensetzen. Dabei geht es aber um strukturelle Dinge, nicht um personelle."

BSD-Vizepräsident Rainer M. Jacobus stellte dem Verband schon vor der Sitzung ein schlechtes Zeugnis aus. Dass das Bobteam erstmals seit 50 Jahren ohne eine Medaille von Winterspielen zurückkehre, sei "inakzeptabel und ein niederschmetterndes Ergebnis", sagte Jacobus: "Wir haben die große Quittung für die Fehlentwicklung in der Vergangenheit bekommen. Das Wichtigste ist jetzt die Fähigkeit zur Selbstkritik."

Ruf nach Konsequenzen

Von früheren Bob-Piloten werden die Rufe nach personellen Konsequenzen immer lauter. "Die Leistungen dort stimmen mich traurig, aber noch trauriger stimmt mich, dass die Verantwortlichen keine Konsequenzen ziehen. Ein Neuaufbau geht nur mit einer Neubesetzung", sagte der frühere Vierer-Olympiasieger Harald Czudaj.

Auch der viermalige Olympiasieger Andre Lange hatte sich vom desolaten Auftritt "maßlos enttäuscht" gezeigt und gemeint: "Die Sportler haben sicher ihr Bestes gegeben, aber am Ende hat etwas gefehlt. Darüber sollte man sich im Verband Gedanken machen."

Bundestrainer Langen hatte unmittelbar nach dem enttäuschenden Vierer-Rennen zum Olympia-Abschluss die Schuld für das Debakel auf sich genommen, einen Rücktritt aber ausgeschlossen. "Ich bin verantwortlich für den Bobsport in Deutschland und halte den Kopf hin", sagte der zweimalige Olympiasieger: "Wenn ich die Chance bekomme, werde ich die Herausforderung annehmen."

Langen steht nicht nur wegen der schwachen Leistungen am Start und im Eiskanal, sondern auch wegen des offen ausgetragenen Materialstreits mit dem Institut für Forschung und Entwicklung von Sportgeräten in der Kritik. "Eine verbesserte Kommunikation zwischen Trainer, Sportlern und Ingenieuren steht ganz oben auf der Agenda", sagte BSD-Vize Jacobus.

Kufen-Zoff um Machata

Der nicht für die Winterspiele qualifizierte deutsche Pilot Manuel Machata hat dem russischen Doppel-Olympiasieger Alexander Zubkov seine Kufen gegeben, auf denen der Putin-Vertraute dann im Sanki Sliding Center triumphierte. Bei dem Material handelt es sich um das Eigentum des Vierer-Weltmeisters von 2011 und nicht um das vom Institut für Forschung und Entwicklung von Sportgeräten.

"Es ist so, dass Zubkov auf meinen Kufen gefahren ist", sagte Machata dem "SID": "Aber das ist meine Privatsache. Das war kein Material der FES oder des Verbandes. Das haben andere vor mir auch schon gemacht, ich kann die ganze Aufregung nicht verstehen. Ich lasse mich nicht als Verräter hinstellen." Die an ihm geäußerte Kritik sei nur ein Ablenkungsmanöver, vermutete der Potsdamer: "Vielleicht wollen sie von etwas ablenken, vielleicht brauchen sie einen Buhmann."

Im Bob- und Schlittenverband für Deutschland sieht man das aber anders. "Ich bin schockiert, das ist ein schwerwiegender Vorgang", sagte Jacobus dem "SID" und kündigte für Mittwoch ein Personalgespräch mit Machata an: "Wenn er keine sehr gute Erklärung hat, und die sehe ich im Moment nicht, dann kann das schwerwiegende Folgen für ihn haben."

Der Medaillenspiegel der Olympischen Spiele im Überblick

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