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Olympia

Rath und Totilas droht das Olympia-Aus

SID
Dressurreiter Matthias Rath mit seinem Wunderpferd Totilas
© Getty

Matthias Rath muss warten. Mal wieder. Und Zeit ist das, was der 27-Jährige im Moment am wenigsten hat. "Es fällt mir sehr schwer zu pausieren. Ich hoffe, so schnell wie möglich wieder fit zu sein", teilte Rath mit, nachdem bei ihm das Pfeiffersche Drüsenfieber diagnostiziert worden war.

Und das gut zwei Wochen vor dem CHIO in Aachen, dem letzten und endgültigen Gradmesser für die Olympischen Spiele in London (27. Juli bis 12. August). Ein weiterer Rückschlag und der nächste Stolperstein in der bereits belasteten Beziehung zwischen Rath und seinem Millionen-Pferd Totilas.

Das Paar schien nach Anlaufschwierigkeiten zuletzt endlich die Kurve zu kriegen. Einer enttäuschenden EM im vergangenen Herbst folgten im Winter eine langwierige Verletzung seines Pferdes und eine verpatzte Hengstschau im Februar. Dazu kam der Ärger um den künftigen Totilas-Trainer Sjef Janssen und eine umstrittene Trainingsmethode, die sogenannte Rollkur. Dann kehrte Totilas mit einem überzeugenden Auftritt in Hagen und zwei Vize-Titeln bei der DM in Balve auf die Dressur-Bühne zurück.

Außergewöhnliche Situation

Rath hatte die zumeist negativen Schlagzeilen beinahe schon stoisch ertragen. Sein großes Ziel war und ist Olympia, die Zeit seit dem Kauf des Hengstes im Herbst 2010 hatte er immer als Vorbereitung auf London bezeichnet.

"Es gibt etliche Paare, die vom Pech verfolgt sind. Hier haben wir eine andere Situation, weil das Pferd und der Reiter so in der Öffentlichkeit stehen", sagte Bundestrainer Jonny Hilberath im "dapd"-Interview. "Dass es schwierig ist, sich in der internationalen Klasse so fein aufeinander abzustimmen, das ist ein Faktor, den kann man nicht wegdiskutieren. Den hat man vielleicht auch unterschätzt", sagte Equipechef Klaus Roeser.

Tür bleibt offen

Den Glanz früherer Tage unter seinem früheren Reiter, dem Niederländer Edward Gal, erreichte Totilas unter Rath zwar nicht mehr, ein Medaillen-Kandidat wäre das Paar aber allemal. Deshalb bleibt die Tür offen, auch ohne einen Einsatz beim CHIO. "Die Ärzte müssen uns sagen, er ist fit oder wird in sehr überschaubarer Zeit wieder fit.

Der Krankheitsverlauf hängt wohl sehr stark von der persönlichen Konstitution des Einzelnen ab. Wir müssen eine saubere Entscheidungsgrundlage haben", sagte Roeser. Heißt: Nur wenn Rath wirklich fit ist, wird er in London dabei sein. Denn gerade bei der Vorgeschichte kann man sich ein Vabanquespiel um das derzeit berühmteste deutsche Dressur-Paar nicht leisten.

12 bis 14 Tage absolute Bettruhe

Doch ob Rath bis London rechtzeitig fit wird, ist mehr als fraglich. Der 27-Jährige wurde zu 12 bis 14 Tagen absoluter Bettruhe verdonnert. Guter Rat ist teuer im Lager der Dressurreiter. Ein Spruch, der wie Hohn klingt. "Wir müssen die Situation abwarten. Es ist alles abhängig davon, wann das Training wieder aufgenommen werden kann. Die Entscheidung wird sehr kurzfristig fallen", sagte Hilberath. "Wir müssen am Sonntag in Aachen nominieren. Das können wir nur auf dem Informationsstand tun, den wir dann haben", sagte Roeser.

Ihnen ist der Schock noch deutlich anzumerken. Hilberath sprach von einer "Schwächung der Mannschaft", Roeser von einem "Schlag ins Kontor". Denn auch wenn die ursprünglich nominierten Dressurreiter bei der DM in Balve überzeugen konnten, nach dem Quartett klafft eine Lücke. "Wir brauchen Paare, die deutlich über 80 Prozent gehen können, um vorne mitmischen zu können. Und dann ist in der Regel der Abstand recht deutlich", sagte Roeser.

Es wird alles versucht

Doch es wird alles versucht, denn allein schon aus Gründen des Reglements kann man nicht einfach einen anderen Reiter auf den Wunderhengst setzen. Raths Vater und Trainer Klaus Rath übernimmt das Training mit Totilas.

Hilberath wird sich schon in dieser Woche ein Bild über den Zustand des Hengstes machen. Am 6. Juli setzen sich die Verantwortlichen abschließend zusammen, um eine Entscheidung zu treffen. Hätte er denn Magenschmerzen, sollte er Rath und Totilas ohne den CHIO-Einsatz nominieren? "Das ist sicherlich eine unschöne Situation, keine Frage", sagte Hilberath.

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