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Olympia

Steiner: "Deutschland ist meine Heimat"

SID
Olympia, Gewichtheben, Matthias Steiner
© Getty

Peking - Nach dem furiosen Finale im Gewichtheben äußert sich der frischgebackene Goldmedaillengewinner Matthias Steiner zu dem wohl bewegendsten Moment der Olympischen Spiele.

Frage: Sie haben als erster Deutscher den olympischen Zweikampf im Superschwergewicht gewonnen. Es war der wohl spannendste Wettbewerb der jüngeren Vergangenheit. Wie haben Sie das gesehen?

Matthias Steiner: "Es war zumindest für das Publikum toll. Immer mit zehn Kilo Vorsprung zu gewinnen, ist doch langweilig. Aber es war auch ein toller Wettkampf für mich. Als ich den 3. Versuch im Reißen weggeschmissen hatte, bin ich in ein Loch gefallen. Und deshalb ging auch der erste im Stoßen schief. Aber dadurch bin ich noch mal munter geworden. Ich hatte sicher keine Topform und alle wissen, dass ich es besser kann als heute gezeigt. Aber ich wollte das Gold. Ich wusste, ich habe Silber sicher. Mir gefällt Gold aber besser."

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Frage: Sie sind erst seit Januar Deutscher. Wieviel Österreich steckt in dieser Medaille?

Steiner: "Ich bin meiner Heimat dankbar für die Grundlagen. Es war ja nicht alles schlecht dort. Kraft kann man in meinem Alter nicht mehr lernen. Aber ohne Deutschland, ohne Frank Mantek, der mir Technik beigebracht hat, hätte ich es nie geschafft, Olympiasieger zu werden. Ich bin dankbar, wie man mich hier behandelt, ich fühle mich wohl. Jetzt ist Deutschland meine Heimat und ich habe die Medaille für mich, aber auch für Deutschland gewonnen."

Frage: Sie haben für den wohl emotionalsten Moment dieser Spiele gesorgt, als Sie das Bild Ihrer verstorbenen Frau mit auf das Siegerpodest genommen haben. Was ging in dem Moment in Ihnen vor?

Steiner: "Meine Frau ist immer dabei, sie begleitet mich. Beim Wettkampf selbst denke ich vielleicht nicht so vordergründig an sie, aber selbst unmittelbar vor dem Wettkampf ist sie bei mir. Ihr Bild habe ich immer in meiner Tasche. Ich hoffe, sie hat mitgekriegt, wie ich auf dem Podium stand."

Frage: Ihre Sportart steht im Fadenkreuz der Dopingfahnder. Bisher ist kein Gewichtheber in Peking positiv getestet worden. Wie sehen Sie als ein absoluter Dopinggegner die Entwicklung?

Steiner: "Das Gewichtheben unternimmt sehr viel, vielleicht mehr als alle anderen Sportarten, um wieder sauber zu werden. Die Kontrollen haben enorm zugenommen. Je mehr Kontrollen es gibt, umso mehr schwarze Schafe fliegen auf. Früher hätte man 470 Kilogramm gebraucht, um Olympiasieger zu werden. Das hätte ich nie geschafft. Und so war es wohl noch nie so leicht wie heute, Olympiasieger zu werden, weil alle die gleichen Voraussetzungen hatten. Ich bin sehr stolz auf das deutsche Kontrollsystem."

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