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Olympia

Das IOC macht sich Sorgen um Sotschi 2014

SID
Gian Franco Kasper ist seit 1998 Präsident des Internationalen Skiverbandes (FIS)
© Getty

Das IOC schaut sich ab Dienstag erneut in der Olympiastadt Sotschi um. Im Vorfeld der Reise gibt es bereits kritische Anmerkungen vom Internationalen Olympischen Komitee.

Mit Sand, Kies und Steinen beladene Lastwagen beherrschen das Bild der Olympia-Gastgeberstadt 2014. Über 143 km hinweg zieht sich die Metropole am Schwarzen Meer, Sotschi hat auch im Oktober noch sommerliche Temperaturen bis fast 30 Grad Celsius zu bieten.

Das milde Meeresklima, dazu die bis 3000 m hohen Berge im Hinterland, die in vier Jahren Schneesicherheit garantieren sollen, machen den Badeort vieler russischer Politiker und Prominente zu einem außergewöhnlichen Olympia-Schauplatz.

Kein Geringerer als Ministerpräsident Wladimir Putin besitzt eine Datscha in Sotschi und schippert gerne übers Schwarze Meer, das in seinen Dimensionen größer ist als die Ostee.

Kasper: "Es warten böse Überraschungen auf uns"

Ab Dienstag wird die Koordinations-Kommission des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) ein weiteres Mal nach dem Bauprojekt in der südrussischen Provinz Krasnodar sehen - nicht mit größter Zuversicht.

"Echte Sorgen habe ich nicht, aber gewisse Bedenken schon. Es warten wohl noch einige böse Überraschungen auf uns", sagte unlängst Gian Franco Kasper, Präsident des Internationalen Skiverbandes FIS: "Wir wissen überhaupt nicht, ob sie dort im Zeitplan liegen. Aber sie unternehmen sehr, sehr große Anstrengungen, um es zu schaffen."

Im Frühherbst 2010 herrscht in ganz Sotschi geschäftiges Treiben, von weitem sind die Kräne für den Bau der sechs Olympiahallen in der Nähe der Küste zu sehen.

Zu Fuß werden die Wettkampfstätten, die allesamt 2013 fertig sein sollen, erreichbar sein: Die Stadien für Eishockey, Curling, Eisschnelllauf, Eiskunstlauf, Shorttrack und nicht zuletzt auch die Arena für die Eröffnungs- und Schlussfeier.

Olympiastadion soll 40.000 Zuschauer fassen

Das klassische Olympiastadion, dessen Grundsteinlegung Mitte September erfolgte, soll rund 40.000 Zuschauern Platz bieten und auch bei einer erfolgreichen russischen Bewerbung um die Fußball-Weltmeisterschaft 2018 oder 2022 als Spielstätte zur Verfügung stehen.

Tausende von Arbeitern sind in die Baumaßnahmen involviert, die Verantwortlichen versichern, dass alles rechtzeitig fertig wird. "Wir sind im Plan und werden alle Wettkampfstätten wie vorgesehen ein Jahr vor den Olympischen Winterspielen fertigstellen, sodass die Test-Wettkämpfe dort stattfinden können", erklärt Sprecherin Alexandra Kosterina den ausländischen Gästen.

Das Areal der künftigen Sportstätten an der Küste ist abgeriegelt. Der Bus muss eine Sicherheitskontrolle passieren, mögliche Anschläge sollen so vermieden werden.

Noch kann man auf der Riesenbaustelle nur erahnen, wie es in einigen Jahren hier aussehen soll. Immerhin wurde eigens für die Arbeiter eine Wohnsiedlung in der Nähe errichtet, auch der Flughafen soll durch ein neues Terminal auf internationalen Standard gebracht werden. Noch genügt er keinen olympischen Ansprüchen.

Probleme in der Infrastruktur

Probleme könnte generell der Verkehr bringen. Schon jetzt ist das Aufkommen an Fahrzeugen an der Küste Sotschis sehr groß. Wichtige Gäste werden deshalb von einer Polizei-Eskorte begleitet, die schon mal den Gegenverkehr stoppt, um einen Stau zu umfahren.

Wie ein Lindwurm zieht sich der Verkehr auf der einzigen größeren Straße an der Küste entlang, dort, wo die meisten Hotels stehen. Manche haben Fünf-Sterne-Charakter, andere erinnern an die sozialistische Bauweise der 60er und 70er Jahre. Auch hier muss noch viel getan werden.

Aber am Geld sollte es nicht scheitern. Auf rund 25 Milliarden Euro ist offenbar das Investitionsvolumen für Olympia angewachsen. Der zweite Standort für die Wettkämpfe in den Bergen soll über eine Trasse mit der 50 km entfernten Küste verbunden werden. Dabei werden zahlreiche Tunnels gebaut, um die schnellstmögliche Verbindung herzustellen.

In den Bergen in Krasnaja Poljana sollen die alpinen und nordischen Wettbewerbe stattfinden. Der Ort liegt in einem 40.000 Hektar großen Naturpark am Fuße des Kaukasus. Dem Protest der Umweltschützer, die vor einem harschen Eingriff in ein fragiles Öko-System warnen, wurde bislang wenig Gehör geschenkt.

Keine Angst vor Schneekanonen

Sotschi versucht sich im besten Licht darzustellen. Kritik an der Vorgehensweise von Olympstroi, der staatlichen Baugesellschaft, ist unerwünscht.

Stattdessen wird mit der Einzigartigkeit der geografischen Lage geworben. Die Ambivalenz von subtropischem Flair an der Küste mit Palmen, Meeresrauschen und Strand und der dahinterliegenden tiefverschneiten Bergregion macht den besonderen Reiz des Olympia-Gastgebers 2014 aus.

Vor möglichem Schneemangel fürchtet sich das IOC offenbar nicht. "Ministerpräsident Putin hat uns versichert: Ich garantiere den Schnee, wir brauchen keine Schneekanonen", sagte IOC-Mitglied Kasper, "und dem glauben wir natürlich."

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