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Tennis, Australian Open - Kommentar: Die Australian Open brauchen Novak Djokovic nicht

Es gibt so viele Spieler:innen to watch in Melbourne: Amanda Anisimova zum Beispiel, Alexander Zverev z.B. oder auch Lokalmatador Thanasi Kokkinakis (v.l.).

Novak Djokovic darf endgültig nicht bei den Australian Open antreten - gut so! Am Ende einer unglaublichen Posse gilt es vor allem eines festzuhalten: Die Australian Open brauchen Novak Djokovic gar nicht. Ein Kommentar.

An dieser Stelle soll es nicht um den Egoisten Novak Djokovic gehen, der mit seinem Verhalten in den vergangenen Wochen eindrucksvoll gezeigt hat, wer Novak Djokovic ist. Und der alles, absolut alles ganz einfach hätte vermeiden können, in dem er sich so wie 97 Prozent seiner Kollegen auf der Tour hätte impfen lassen. Es soll auch nicht um den australischen Tennisverband oder die australische Regierung gehen, die in dem ganzen Theater alle schlecht aussahen und alle Verlierer sind.

Es soll um die falsche Annahme gehen, dass die Australian Open ja unbedingt Novak Djokovic brauchen. Die Nummer eins der Welt. Den Mann, der bereits 9 Mal in Melbourne gewonnen hat und seinen 21. Grand-Slam-Titel jagt. Den Rekord für die Ewigkeit. Ohne ihn würde dem Turnier so viel fehlen, deshalb hat Turnierchef Craig Tiley wohl auch alles versucht, um Djokovic Brücken zu bauen. Es stimmt aber nicht. Die Australian Open brauchen Novak Djokovic nicht, weil es auch ohne den Serben unendlich viele faszinierende Storylines gibt.

Beispiele gefällig? Da ist aus deutscher Sicht natürlich in erster Linie die Frage, ob Alexander Zverev seine bestechende Form aus der letzten Saisonphase 2021 bestätigen und seinen ersehnten ersten Grand-Slam-Titel holen kann. Zverevs Auftritte beim ATP Cup Anfang des Jahres waren zwar okay, zeichneten aber noch ein recht undeutliches Bild darüber, ob der 24-Jährige wirklich bereit ist für den ganz großen Triumph.

Da wird sogar Nadals Comeback komplett überschattet

Daniil Medvedev könnte Zverev im Weg stehen und mit einem zweiten Grand-Slam-Erfolg nacheinander sich zumindest für den Moment eindeutig zum besten Spieler seiner Generation aufschwingen.

Oder beginnt 2022 doch tatsächlich die Zeit, in der wir im Herrentennis viele verschiedene Grand-Slam-Champions sehen werden? Nicht vergessen: Seit 2006 gab es gerade mal 9 (!) verschiedene Grand-Slam-Champions bei den Herren - bei 63 Möglichkeiten.

Vielleicht wird 2022 das Jahr, in dem Stefanos Tsitsipas den letzten Schritt gehen kann. Oder Matteo Berrettini. Oder Jannik Sinner, bei dem es ganz ohne Zweifel nur eine Frage der Zeit sein wird. Oder Felix Auger-Aliassime oder Denis Shapovalov - die beiden Kanadier machten bei ihrem ATP-Cup-Erfolg eine formidable Figur.

Es sprach und es spricht nur kaum jemand darüber, weil die Causa Djokovic leider alles überlagert. So sehr überlagert, dass selbst Rafael Nadal sich nach Verletzungspause mit einem Turniersieg (Nr. 89!) eindrucksvoll zurückmelden kann und es irgendwie fast verborgen blieb.

Hat jeder gesehen, wie unfassbar on fire Rafa schon wieder war? Spielerisch fehlt naturgemäß noch einiges, aber man bekommt Gänsehaut, wenn man sieht, wie Nadal es in jeder Sekunde liebt, wieder auf dem Court stehen und sich Rafa-mäßig abrackern zu können.

Es lebe Serve-and-Volley-Tennis!

Sein Finalgegner beim Vorbereitungsturnier in Melbourne war übrigens ein gewisser Maxime Cressy. Ein 24-jähriger US-Boy, in Paris geboren, der auf dem Weg zum Durchbruch ist - und das mit Serve-and-Volley-Tennis! Alle Traditionalisten unter den Tennisfans müssen diesen Jungen lieben und dürfen in Melbourne eigentlich kein Match von ihm passen. Cressy will Serve-and-Volley-Tennis wieder groß herausbringen - auch das ist eine Storyline der Australian Open.

Über das beeindruckende Comeback von Sir Andy Murray in Melbourne haben wir noch gar nicht gesprochen. Hat Murray nochmal einen tiefen Run bei einem Grand Slam in sich? Einiges deutet darauf hin. Was ist mit Spaniens Shootingstar Carlos Alcaraz? Wie schnell wird er bei Grand Slams zum Titelkandidaten?

Und erleben wir vielleicht gerade die Renaissance von Gael Monfils? Der 35-Jährige spielte bei seinem Turniersieg in Adelaide so überragend, dass man plötzlich wieder ganz genau hinschauen muss, wo der Gummimann bei der Auslosung landet. Gegen Monfils will aktuell keiner spielen, so viel steht fest.

Über die vielen Geschichten, die das Turnier natürlich auch bei den Frauen bietet (aufgepasst auf Amanda Anisimova oder Madison Keys!) könnte man nun auch noch trefflich philosophieren.

Lasst uns The Kokk feiern!

Der Punkt sollte aber auch so klar sein: Lasst uns das unsägliche Theater um Novak Djokovic vergessen und uns den Spielern und Spielerinnen widmen, die es wirklich verdient haben.

Djokovic hätte eigentlich zum Start des Turniers am Montag in der Night Session spielen sollen. Und auch wenn ein kleiner Teil in einem denkt, dass man es gerne gesehen hätte, wie die Australier ihn "empfangen", ist die Alternative deutlich besser.

Die Australier brauchen kein Djokovic-Match, sie werden am Montag vor allem Thanasi Kokkinakis anfeuern. Wer das ist? Ein 25-jähriger Australier, mit Talent für drei Leben gesegnet, aber leider sein halbes Leben lang verletzt. Jetzt feierte "The Kokk" ein faszinierendes Comeback und holte sich beim Vorbereitungsturnier in Adelaide - seiner Heimatstadt - seinen ersten Titel auf der Tour. Emotionaler geht es nicht.

Und jetzt spielt dieser Thanasi Kokkinakis am Montagabend gegen den deutschen Qualifikanten Yannick Hanfmann. Dieser Livestream wird so unfassbar viel mehr Spaß machen als der nächste Livestream einer gerichtlichen Anhörung oder einer skurrilen "Pressekonferenz" einer gewissen Familie in Belgrad. Versprochen!

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