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Tennis

Kommentar zu Alexander Zverevs Aus bei den Australian Open: Die Grand-Slam-Träume drohen zu platzen

Von Stefan Petri
Alexander Zverev ist bei den Australian Open im Achtelfinale gescheitert.

Alexander Zverev ist bei den Australien Open sang- und klanglos ausgeschieden. Nach zuletzt überragenden Monaten und Siegen über die besten Spieler der Welt zeigte er Down Under wieder sein hässliches Grand-Slam-Gesicht. Der 24-Jährige muss jetzt in sich gehen und darf auch vor großen Veränderungen nicht zurückschrecken - sonst ist der Grand-Slam-Zug irgendwann abgefahren. Ein Kommentar.

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Im Rückblick auf die diesjährigen Australian Open wird Alexander Zverev im Ranking der größten Fehlschläge nicht auf Rang eins landen. Dafür kann er sich bei Novak Djokovic bedanken. Was die Leistungen auf dem Court angeht, gibt es aber kaum größere Enttäuschungen bei den Topspielern - sogar wenn man die gewohnt unberechenbaren Damen miteinbezieht.

Melbourne, das kann man nicht anders sagen, war ein absoluter Tiefpunkt für Zverev. Man könnte sogar so weit gehen und sagen: Das glatte Dreisatz-Aus gegen Denis Shapovalov war die unerklärlichste und damit unnötigste Niederlage in der Grand-Slam-Karriere des Deutschen.

Nicht die bitterste, da gibt es ja noch das verlorene Grand-Slam-Finale bei den US Open 2020 gegen Dominic Thiem. Und dass sich Zverev bei Majors gegen eigentlich unterklassige Gegner nicht immer mit Ruhm bekleckert hat, ist auch kein Geheimnis.

Die Pleite jetzt sollte dennoch allen Beteiligten mehr als zu denken geben. Weil alle - inklusive Experten, inklusive Tennis-Fans in aller Welt - dachten, dass Zverev endlich über diese Phase seiner Karriere hinaus ist. Stattdessen muss sich der Deutsche so einige unbequeme Fragen stellen. Sonst hängen seine Grand-Slam-Träume irgendwann am seidenen Faden.

Zverev bei den Australian Open: Die besten Voraussetzungen

Schließlich hatte der 24-Jährige in der zweiten Jahreshälfte 2021 groß aufgespielt: Olympia-Gold inklusive Sieg über den Djoker, US-Open-Halbfinale mit einer knappen Fünfsatzniederlage gegen den Serben, dann die sensationellen ATP Finals mit einem weiteren Sieg über Nole und dem abgeklärten Auftritt im Finale, als er sogar Angstgegner Daniil Medvedev bezwang.

Es war alles angerichtet für den ersehnten ersten Grand-Slam-Titel, spätestens mit dem unrühmlichen Ende der Djokovic-Saga: Eigentlich gab es mit Medvedev im Endspiel und einem gerade aus der Reha zurückgekehrten Rafa Nadal im Viertelfinale nur zwei potenzielle Stolpersteine - einen viel besseren Weg zur Trophäe kann man sich kaum wünschen.

Nach drei "Freilosen" in den ersten Runden, in denen Zverev zwar keinen Satz abgab, aber auch nicht restlos überzeugen konnte, und einem blutleeren, saft- und kraftlosen Auftritt gegen Shapovalov, steht aber wieder diese eigentlich unerklärliche Statistik: Noch immer kein Sieg gegen einen Top-10-Spieler bei einem Major. Und das nach mehreren Jahren in der Spitze des Herrentennis, nach 19 Turniersiegen, Olympia-Gold, zwei Titeln bei den ATP Finals gegen die Besten der Besten.

Wieder funktionierte der Aufschlag nicht (3 Asse, 8 Doppelfehler), der sich in den letzten Monaten doch von Schwachstelle zur Waffe gemausert hatte. Wieder spielte er zu passiv, machte zu viele unnötige Fehler, ergab sich irgendwann in sein Schicksal. Und hatte auf der anschließenden Pressekonferenz auch keine Gründe für seine Leistung parat.

Neuer Trainer? Neuer Mentor? Zverev muss etwas ändern

Ein Djokovic oder Medvedev verlieren solche Matches nicht, selbst wenn die Bestform mal nicht da ist. Zverev stand eigentlich in einer Reihe mit ihnen, zumindest auf Hartplatz. Stattdessen fängt er jetzt wieder bei Null an - die Grand-Slam-Dämonen, sie sind wieder da.

Einfach abhaken als "schlechten Tag im Büro" darf Zverev dieses Match auf keinen Fall. Er muss Stellschrauben finden, an denen er ansetzen kann, damit sich das nicht wiederholt - und alles auf den Prüfstand stellen. Mit Bruder Mischa als Trainer/Manager hat er sich eine Wohlfühloase in seinem Umfeld geschaffen. Privat scheint derzeit alles wunderbar zu laufen.

Aber braucht es vielleicht doch mehr Reibung, mehr Reizpunkte, was sein Tennis angeht? Einen Trainer, der ihm ohne familiäre Bindungen unbequeme Wahrheiten ins Gesicht sagen kann, oder Dinge noch einmal ganz neu anpackt?

Oder einen früheren Weltstar als Trainer/Mentor, der ihm hilft, bei Grand Slams über diese vermaledeiten mentalen Hürden zu kommen, siehe Boris Becker bei Novak Djokovic. Mit Zverev und Ivan Lendl hat es nicht funktioniert, mit David Ferrer hätte er gerne länger zusammengearbeitet und hält weiter Kontakt, aber der Spanier wollte mehr Zeit für die Familie. Bis jetzt hat Zverev den richtigen Mann nicht gefunden, aber das heißt ja nicht, dass der passende Partner nicht irgendwo dort draußen ist.

Zverevs Grand-Slam-Träume: Die Konkurrenz wird nicht kleiner

Fest steht: Einfach so weitermachen wie bisher, weil die Grand-Slam-Ergebnisse auf lange Sicht gesehen in die richtige Richtung zeigen, das könnte sich als großer Fehler erweisen.

Niemand weiß, was in ein paar Jahren ist, ob nicht sein Körper irgendwann streikt. Oder wie sich die Konkurrenz aufstellt, auch wenn sich Rafa und Nole in den nächsten Jahren verabschieden werden. Ob bei den US Open im September, Zverevs nächster realistischer Chance, nicht nur das Duo und Medvedev um den Titel mitspielen, sondern auch ein gesunder Thiem, ein Stefanos Tsitsipas, Matteo Berrettini - oder auch schon ein Carlos Alcaraz.

Ja, Zverev ist immer noch jung. Aber er gehört JETZT zu den besten Spielern der Welt - und deshalb muss auch JETZT der Grand-Slam-Sieg her. Irgendwann wird sich auch sein Fenster schließen - und das merkt man leider meistens erst dann, wenn es zu spät ist.

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