-->
Cookie-Einstellungen
Radsport

"Bleibe stark, Junge" - Fabio Jakobsens Zustand nach Horror-Sturz stabil

SID
Horrorsturz bei der Polen-Rundfahrt: Der Däne Fabio Jakobsen (M.) kracht schwer auf die Straße.
© imago images / newspix

Nach dem schweren Sturz bei der Polen-Rundfahrt befindet sich der niederländische Radprofi Fabio Jakobsen in einem ernsten Zustand. Die Sorge, aber auch die Kritik unter den Fahrern ist groß.

Am Tag nach dem Horror-Sturz von Radprofi Fabio Jakobsen mischte sich in das große Entsetzen auch Erleichterung: Der Zustand des Niederländers sei "ernst, aber stabil", es herrsche "keine Lebensgefahr" mehr, teilten die Ärzte mit. Viele Fahrer waren nach dem schlimmen Unfall dennoch fassungslos. Sie übten scharfe Kritik an "Abräumer" Dylan Groenewegen und den Sicherheitsstandards bei der Polen-Rundfahrt.

"Gedanken und Gebete gehen an Fabio Jakobsen. Bleibe stark, Junge", twitterte Ex-Profi Lance Armstrong, der nicht wusste, ob er jemals schon "einen so schrecklichen Sturz gesehen" habe. "Wir hoffen, dass Fabio da gut rauskommt, dass es doch nicht ganz so schlimm ist", sagte Roger Kluge der Lausitzer Rundschau. Der Cottbuser Radprofi war in Kattowitz mit dem Schrecken und einigen Kratzern davon gekommen.

Viel schlimmer erwischte es Jakobsen. Groenewegen drückte am Tag danach sein Bedauern aus. "Was gestern geschehen ist, ist schrecklich. Ich finde keine Worte um zu beschreiben, wie leid es mir tut für Fabio und die anderen, die gestürzt sind oder betroffen waren", schrieb er auf Twitter.

Horror-Sturz von Brian Jakobsen: Künstliches Koma nach stundenlanger OP

Nach dem Sturz wurde Jakobsen (Deceuninck-Quick Step) sofort und ohne Bewusstsein in die Klinik nach Sosnowiec geflogen. Die Ärzte operierten den Fahrer fünf Stunden lang am Kopf, dann gab es eine erste Entwarnung: "Das Gehirn scheint nicht beschädigt zu sein", teilte Vize-Klinikchef Pawel Gruenpeter mit und ergänzte: "Die Lage ist ernst, aber stabil."

Wie Gruenpeter weiter erklärte, sei vor allem das Gesicht des Fahrers verletzt worden, die Augen seien aber nicht betroffen. "Heute werden wir versuchen, ihn aus dem Koma zu holen", kündigte Gruenpeter für Donnerstag an.

Die Umstände des Sturzes sorgten in der Radsportszene für Kopfschütteln. Ein Jahr nach dem Tod des Belgiers Bjorg Lambrecht erlebte die Polen-Rundfahrt wieder einen schrecklichen Unfall, der zu großem Teil durch den niederländischen Fahrer Groenewegen ausgelöst wurde.

Bei Tempo 80 drückte Groenewegen (Jumbo-Visma) seinen Landsmann kurz vor der Ziellinie in die Absperrgitter. Jakobsen fuhr in die Barriere, überschlug sich in hohem Bogen und prallte mit voller Wucht gegen einen Mitarbeiter der Rundfahrt, der ebenfalls mit schweren Kopfverletzungen ins Krankenhaus gebracht werden musste.

Kritik an Unfallverursacher Groenewegen: "Er gehört dafür in den Knast"

"Das war ein krimineller Akt von Groenewegen. Er gehört dafür in den Knast, dafür würde ich vor Gericht ziehen", twitterte Jakobsens Teamchef Patrick Lefevere. Er habe noch nie so eine schmutzige Aktion gesehen, wetterte Lefevere: "Es war überhaupt nicht notwendig, Um Himmels Willen, es geht um eine Etappe bei der Polen-Rundfahrt."

Auch Kluge hatte nur wenig Verständnis für den Kollegen. "So etwas muss nicht sein. Einige Sprinter verlassen immer wieder ihre Linie", klagte Kluge: "Wenn sie geradeaus fahren würden, dann würde es besser ausgehen." Der deutsche Top-Fahrer zeigte sich davon überzeugt, dass die gefährliche Zielfahrt von Kattowitz nach diesem Vorfall nicht mehr im Programm der Rundfahrt auftauchen werde. "Jedes Jahr derselbe dumme Bergabsprint bei der Polen-Rundfahrt", twitterte der Deutsche Simon Geschke.

Sprinter-Ikone Robbie McEwen kritisierte die Maßnahmen bei der Absperrung am Ziel. "Das Barriere-Setup der Polen-Rundfahrt war nicht auf dem neuesten Stand", schrieb der Australier bei Twitter, und attackierte den Weltverband UCI, der ansonsten alles kontrolliere würde, sogar die "Sockenhöhe der Fahrer".

Der frühere deutsche Radprofi Rolf Aldag war hin und hergerissen. "Ich kenne diesen Sprint, der ist brutal schnell", sagte Aldag dem SID. "Ich hatte aber zunächst nicht das Gefühl, dass die Absperrungen mangelhaft seien. Am Ende muss aber immer so etwas passieren, damit man mal die Sicherheitsstandards überprüft", klagte auch Aldag an.

 

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung