Leichtathletik

Salazar-Affäre: Nike-Bosse geraten unter Druck - Dopingjäger spricht Athleten frei

SID
Alberto Salazar wurde für vier Jahre wegen Verstößen gegen die Anti-Doping-Bestimmungen gesperrt.
© getty

Die Sperre des Top-Trainers Alberto Salazar beschäftigt die Leichtathletik-Welt. Dabei kommen immer mehr Details zum Vorschau.

In der Affäre um Alberto Salazar rücken auch die Bosse des Sportartikelgiganten Nike in den Fokus, der oberste US-Dopingjäger Travis Tygart sprach die Athleten des Trainergurus dagegen frei. Einen Tag nach der aufsehenerregenden Vierjahres-Sperre für den Chefcoach des umstrittenen Nike Oregon Projects (NOP) wegen Verstößen gegen die Anti-Doping-Bestimmungen kommen immer mehr Details ans Licht.

Zudem kündigte der DLV-Generaldirektor Idriss Gonschinska an, nach der Leichtathletik-WM in Doha ein Gespräch mit der deutschen Laufhoffnung Konstanze Klosterhalfen und deren Betreuerteam zu führen. Die Leverkusenerin ist seit April Mitglied des NOP, wird dort aber von Pete Julian trainiert.

Wie das Wall Street Journal berichtete, reichen die Verstrickungen der Affäre angeblich bis in die höchsten Konzernkreise des Sponsors und Namensgebers. Demnach seien höchste Nike-Vertreter inklusive Geschäftsführer Mark Parker von Salazar und dem ebenfalls gesperrten Arzt Jeffrey Brown per E-Mail über die Doping-Experimente informiert worden.

Laut WSJ sei ein Versuch - ob der Gebrauch von Testosteroncreme zu einem positiven Dopingtest führe - auf dem Gelände des Nike-Hauptquartiers durchgeführt worden. In einer Mail, die dem WSJ vorliegt, soll Parker geantwortet haben: "Danke für das Update Jeff." Zudem habe er konkrete Nachfragen gestellt.

Nach der Sperre hatte Nike am Dienstag mitgeteilt, Salazar bei dessen Einspruch zu unterstützen. Auf eine erneute Nachfrage der Nachrichtenagentur AFP reagierte Nike zunächst nicht.

Nike: Unwissende Sportler als "Versuchstiere"?

Bereits in der Vergangenheit hatte der Konzern mit Entscheidungen für Unverständnis gesorgt. So hielten die Offiziellen zunächst auch zum gefallen Radstar Lance Armstrong. Der Vertrag mit der 2016 wegen Dopings gesperrten Tennisspielerin Maria Scharapowa lief weiter. 2015 hatte Nike zudem den damals bereits zweimal wegen Dopings gesperrten Topsprinter Justin Gatlin unter Vertrag genommen.

"Ich hoffe, Nike sieht das jetzt als einen Wake-up-Call. Sie dürfen keine Ausreden mehr finden, sie müssen zugeben, dass Experimente an Sportlern in ihrem Namen und auf ihrem Gelände vorgenommen wurden und dass das einfach falsch war", sagte Tygart am Mittwoch dem ZDF.

Der Chef der US-Anti-Doping-Behörde USADA betonte zudem, dass für ihn die Athleten des NOP "Versuchstiere" gewesen seien. "Sie haben die Sportler angelogen und ihre medizinischen Experimente im NOP an ihnen unternommen", betonte der 48-Jährige: "Sie müssen verstehen, die Athleten hatten wirklich keine Ahnung, was mit ihnen getrieben wurde, was ihnen gegeben wurde. Welche Dosierung, ob die Methoden verboten waren oder nicht, wussten sie gar nicht."

Tygart gab im ZDF Einblick in die Nachforschungen, zehn Athleten aus dem Nike Oregon Project hätten sich an die Ermittler der USADA gewandt. "Alle von ihnen haben uns ihre medizinischen Auswertungen zur Verfügung gestellt", sagte Tygart: "Wir haben herausgefunden, dass die gefälscht waren, falsche Informationen wurden eingefügt, nachdem wir sie offiziell angefragt haben."

Die Ermittlungen, die am Dienstag zur vierjährigen Suspendierung Salazars geführt hatten, beziehen sich auf die Jahre 2010 bis 2014 - damals gehörte Deutschlands Laufhoffnung Klosterhalfen noch nicht zum dem elitären Team.

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