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Leichtathletik

Doping: Tyson Gay positiv getestet

SID
Tyson Gay hat bestätigt, positiv auf eine unerlaubte Substanz getestet geworden zu sein
© getty

Einer der bekanntesten Sprinter der vergangenen Jahre hat womöglich manipuliert: US-Sprintstar Tyson Gay hat einen positiven Dopingtest bekannt gegeben und seinen WM-Verzicht verkündet. Auch Asafa Powell wurde positiv getestet.

An einem schwarzen Doping-Sonntag ist die Welt-Leichtathletik in ihren Grundfesten erschüttert worden: Gleich vier Superstars des Sprints wurden in A-Proben positiv auf verbotene Substanzen getestet. Die mutmaßlichen Dopingfälle der drei schnellsten 100-m-Läufer des Jahres, Tyson Gay (USA), Nesta Carter und Asafa Powell sowie von Sherone Simpson (alle Jamaika) sorgen einen knappen Monat vor der WM in Moskau für einen riesigen Skandal. Dem Quartett drohen zwei Jahre Sperre - für Gay und Powell wäre es wohl das Karriereende.

US-Superstar Gay, der schnellste Mann des Jahres über 100 m, hat am Sonntag eine positive A-Probe gebeichtet und seinen Verzicht auf die WM in Moskau (10. bis 18 August) bekannt gegeben.

Positive Probe vom 16. Mai

Damit wird das mit Spannung erwartete Mega-Duell mit Weltrekordler Usain Bolt (Jamaika) wie schon bei der WM 2011 platzen - damals fehlte Gay verletzt, nun droht ihm eine zweijährige Sperre.

In einer Telefonkonferenz erklärte der 30-Jährige, der mit 9,69 Sekunden über 100 m hinter Bolt (9,58) der zweitschnellste Sprinter der Geschichte ist und bei der WM 2007 dreimal Gold geholt hatte, dass er am Freitag durch die Anti-Doping-Agentur der USA (USADA) über die positive A-Probe informiert worden sei, die am 16. Mai im Training entnommen worden war.

Auf welche Substanz er positiv getestet wurde, ließ Gay offen. Unter Tränen erklärte er allerdings, die Öffnung der B-Probe beantragt zu haben. "Ich habe keine Hinweise darauf, dass irgendetwas sabotiert wurde. Ich habe jemandem vertraut und wurde wohl von diesem im Stich gelassen", sagte Gay.

Powell-Trainer in Italien festgenommen

Asafa Powell ebenfalls positiv

Vier Stunden später zog Powell nach. Der 30-Jährige, vor Bolt Weltrekordler über 100 m (9,74), erklärte in einem Statement, dass bei den Landesmeisterschaften im Juni das Stimulans Oxilofrin nachgewiesen worden sei. "Ich möchte es ganz klar sagen: Ich habe nie willentlich irgendwelche verbotenen Mittel genommen. Ich bin kein Betrüger und war es nie", schrieb Powell, der nur schleppend in die Saison fand, zuletzt aber erstaunlich verbessert lief.

Britischen Medienberichten zufolge wurden auch beim zweimaligen Staffel-Olympiasieger Carter und der früheren 100-m-Vizeweltmeisterin Simpson verbotene Substanzen nachgewiesen. Carter war noch am Samstag in Madrid zu 9,87 Sekunden gestürmt.

Auch Powell, Carter und Simpson positiv getestet

Anti-Doping-Kämpfer Werner Franke zeigte sich wenig überrascht: "Die 100 Meter sind komplett versaut. Nur so lassen sich solche Leistungen in dieser Häufigkeit erzielen", sagte der Heidelberger Molekularbiologe dem SID: "Aber wer sich heute erwischen lässt, ist es selbst schuld. Tyson Gay scheint nicht der Hellste zu sein."

Sollte sich auch der zweite Test positiv erweisen, wäre ein Skandal perfekt, der in einer Reihe mit den Fällen Ben Johnson (1988), Katrin Krabbe (1992) und Justin Gatlin (2006) steht. Zudem würde es die Leistungssteigerung Gays in dieser Saison in neuem Licht erscheinen lassen.

Gay: 2013 beständig schnell

Der gedrungene Sprinter aus Lexington/Texas war 2013 so schnell wie seit vier Jahren nicht mehr, galt mit Saisonzeiten von 9,75 Sekunden über 100 m (Bestzeit: 9,69) und 19,74 Sekunden 200 m (19,59) als Topfavorit für die WM in Moskau - und größter Rivale von Superstar Bolt, der Anfang Juli in Paris mit 19,73 Gays Jahresbestmarke über 200 m knapp unterboten hatte.

Gay war 2012 nach elf Monaten Verletzungspause und einer Operation an der dauerhaft angeschlagenen Hüfte in die Weltspitze zurückgekehrt, bei den Olympischen Spielen in London hatte der Welt-Leichtathlet von 2007 mit Staffelsilber seine erste olympische Medaille gewonnen.

2013 sollte nun sein Jahr werden, Gay war dauerhaft fit und beständig schnell. Bei seinem Europadebüt in Lausanne Anfang Juli glänzte er erneut mit 9,79 Sekunden, am Freitag war der nächste Start beim Diamond-League-Meeting in Monaco geplant.

"Ich glaube, ich habe gegen jeden in der Welt eine gute Chance. Ich muss nur gesund bleiben", sagte Gay im Frühjahr: "Es wird Zeit, dass ich wieder eine Bestzeit laufe. Die letzte ist vier Jahre alt. Und einen großen Sieg habe ich schon sechs Jahre nicht mehr gefeiert." 2013 wollte er einen solchen Triumph endlich wiederholen. So wie es scheint, waren ihm dafür alle Mittel recht.

2013 wollte er einen solchen Triumph endlich wiederholen. So wie es scheint, waren ihm dafür alle Mittel recht.

Weitere Stimmen

Jacques Rogge (IOC-Präsident): "Es ist immer enttäuschend, solche Nachrichten zu hören. Es zeigt aber auch, wie effektiv die Trainingskontrollen sind."

Clemens Prokop (DLV-Präsident): "Wenn sich der Verdacht bewahrheiten sollte, wäre das natürlich ein schwerer Schlag für die Leichtathletik. Auf der anderen Seite wäre es aber auch ein positives Signal. Die Sprinter stehen ja unter Generalverdacht und nun würde ein exponierter Vetreter erwischt. Das wäre ein Zeichen, dass das Kontrollsystem besser zu werden scheint."

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