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Noch zwei Spiele, dann gibt's Ärger

Von Alexander Mey
mannheim, adler, fans
© Getty

München - Als die Männer noch mit Stolz Matte trugen und die Frauen auf John Travolta abfuhren, da erwachte die heutige Eishockey-Hochburg Mannheim zum Leben.

Angeführt vom heutigen Manager Marcus Kuhl und dem legendären Harold Kreis wurde der Mannheimer ERC zum ersten Mal Meister.

Andreas Hornauer war damals auch schon dabei. In voller Montur, so richtig mit Trikot und Schal stand er auf der Tribüne und feierte die Meisterschaft. "Bis heute meine schönste", sagt er 27 Jahre danach im SPOX.com-Gespräch.

Schock bei den Fans

Heute ist Hornauer Vorsitzender des ältesten Fanclubs des Vereins, "Bully Tor '82", und er fand auch den Titelgewinn in der vergangenen Saison schön. Weniger schön findet er, dass seine Adler mit vier Niederlagen in der DEL und einer Pleite im Pokal gegen Hannover in die laufende Saison gestartet sind.

Tabellenletzter - ein Schock. "Momentan macht es wenig Spaß, dem Team zuzuschauen, weil es einfach total verunsichert ist", hat Hornauer beobachtet. "Ich hatte schon erwartet, dass es so weitergehen würde, wie im letzten Jahr. Aber was da geklappt hat, geht im Moment schief."

In der Vorbereitung überheblich

Eine Beobachtung, mit der er nicht allein ist. Auch Dirk Lenz  macht es in der SAP-Arena keinen Spaß mehr. Doch der Vorsitzende des größten Adler-Fanclubs, "Adler Freunde Eberbach", ist nicht nur ein bisschen enttäuscht wie Hornauer, er ist stinksauer.

"Die Ernüchterung ist ganz groß. Die gleiche Mannschaft kann doch über den Sommer das Spielen nicht verlernt haben", sagt Lenz zu SPOX.com. Sein Vorwurf an die Verantwortlichen: In der Vorbereitung auf die Saison war man zu überheblich.

Trainer Greg Poss und Manager Kuhl setzten auf wenige Vorbereitungsspiele, vor allem wenige gegen erstklassige Gegner. Stattdessen waren Ablenkung und Teambildung beim Kühe Melken angesagt. Offenbar hat man sich zu sehr darauf verlassen, dass sich der kaum veränderte Kader schnell einspielen würde.

Fans stellen Ultimatum 

Die Folgen sieht Lenz jetzt bei jedem Spiel von der Tribüne aus. "Vor allem die Amerikaner sind nicht fit, die sind mit höchstens 70 Prozent Leistungsvermögen aus den Staaten zurückgekommen", sagt er.

Der Geduldsfaden der "Adler-Freunde" ist bis zum Zerreißen gespannt. Viel Kredit hat die Mannschaft nicht mehr.

"Wir schauen uns jetzt noch die beiden Heimspiele am kommenden Wochenende an. Wenn wir da keinen Einsatz sehen, dann werden wir unserem Ärger Luft machen", droht Lenz. Das geht bei Pfiffen los, setzt sich im Herumdrehen und den Spielern den Rücken Zuwenden fort und endet beim Boykott und dem Verfolgen des Spiels von der Vereinskneipe aus.

Wie ernst wird der Fan genommen? 

Ein heftiger Strafenkatalog, vor allem für ein Team, das im vergangenen Jahr von euphorischen Fans verwöhnt wurde. Kein Wunder bei den Erfolgen.

Jetzt sieht die Sache anders aus. Die Fans haben die Nase voll, die Ränge in der SAP-Arena werden leerer. Doch kommt der Ärger überhaupt bei Trainer Poss an? "Verstecken tun sich die Verantwortlichen nicht", sagt Lenz. "Aber der Fan weiß halt nicht, wie ernst er genommen wird."

"Der Knoten wird platzen" 

An dieser Stelle einmal eine Sportlerweisheit: Gegen schlechte Stimmung helfen nur Erfolge. Der Journalist, der das hört, muss spontan gähnen.

Dem Fan bleibt aber nicht viel mehr übrig, als genau darauf zu hoffen. So wie Andreas Hornauer. "Das ganze ist nur ein mentales Problem. Wir müssen nur mal ein Spiel gewinnen, dann wird der Knoten platzen", ist er sich sicher.

Nächste Chance am Freitag, dann geht es in der Pokal-Revanche gegen Hannover.

Andreas Hornauer und Dirk Lenz werden wieder dabei sein. Noch.

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