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Darts

Raymond van Barneveld im Interview: "Ich fürchtete mich vor den betrunkenen, schlägernden Hooligans"

Comeback, Turniersieg, Zusammenbruch auf der Bühne: Raymond van Barneveld hat turbulente Monate hinter sich. Im Interview erzählt der 54-jährige Darts-Profi aus den Niederlanden von seinen bewegenden Erlebnissen. Außerdem spricht van Barneveld über Toni Kroos, seine Tränen nach dem Fußball-WM-Finale von 1974 und schlägernde West-Ham-Hooligans.

Dieser Text erschien zuerst am 8. Juli 2021 und gehört zu den beliebtesten Texten des Jahres.

Bei der Darts-WM verlor van Barneveld in der 2. Runde gegen Rob Cross, am Samstag wurde bekannt, dass der Niederländer im Nachgang positiv auf das Corona-Virus getestet wurde.

Herr van Barneveld, im Februar haben Sie wenige Wochen nach Ihrem Comeback wieder ein Turnier gewonnen. Wie haben Sie den Tag danach verbracht?

Raymond van Barneveld: Da stand schon das nächste Turnier an. Insgesamt ging die Veranstaltung vier Tage, am dritten habe ich gewonnen. Ich war überglücklich, weil ich es nicht erwartet habe. Mein letzter Pro-Tour-Sieg lag ewig zurück, das war glaube ich 2014 oder 2015.

Anschließend meinten Sie, dass Sie lange nicht mehr so fokussiert waren.

Van Barneveld: Seit dem 1. Oktober 2020 trainiere ich jeden einzelnen Tag stundenlang gemeinsam mit Jeffrey de Zwaan. Früher habe ich vielleicht ein- oder zweimal pro Woche trainiert. Jetzt habe ich gesehen, wo man mit hartem Training hinkommen kann. Deshalb ist mein Fokus aktuell sehr gut. Es ist aber schwer, ihn zu behalten. Weil ich mich erst qualifizieren muss, weiß ich anders als ein Top-16-Spieler nicht, an welchen Turnieren ich teilnehmen darf. Deshalb kann ich keine Pläne für den Rest des Jahres machen.

Wie lauten Ihre Ziele?

Van Barneveld: Als Erstes wollte ich meine Tour-Card zurückbekommen, was mir im Februar gelungen ist. Jetzt bin ich komplett fokussiert auf die WM. Jedes TV-Turnier ist ein Extra-Bonus. Ich muss der Welt nicht mehr beweisen, wie gut ich bin. Ich kann immer noch jeden Dartsspieler der Welt besiegen - aber aktuell kann an einem guten Tag auch jeder Dartsspieler Raymond van Barneveld besiegen.

Wie oft haben Sie in der Zeit zwischen Ihrem Rücktritt und Comeback-Entschluss Darts gespielt?

Van Barneveld: Gar nicht. Ich war im Ruhestand. Warum sollte ich?

Zum Spaß?

Van Barneveld: Zum Spaß? Nein. Ich habe mich überhaupt nicht mit Darts beschäftigt. Bei meinem fantastischen Abschied letztes Jahr im Februar habe ich zum letzten Mal für Monate Darts geworfen.

Was haben Sie während Ihres Ruhestands am meisten vermisst?

Van Barneveld: Die Aufmerksamkeit. Wenn du nicht im TV auftrittst, interessieren sich die Sponsoren nicht für dich.

Van Barneveld: "Ich liebe Computer-Rollenspiele und FIFA"

Kurz nach Ihrem Rücktritt kam die Corona-Pandemie. Wie hat Ihr Alltag während des Lockdowns ausgesehen?

Van Barneveld: Ich habe viel Zeit mit meiner Freundin in London verbracht. Wir waren mit dem Hund spazieren, haben uns Serien und Filme angeschaut oder Spiele gespielt. Das hat uns einander nähergebracht. Nach ein paar Wochen habe ich die Shops und Restaurants aber vermisst. Zum Glück ist mittlerweile wieder alles offen.

Welche Spiele haben Sie gespielt?

Van Barneveld: Hauptsächlich an der Xbox oder Playstation. Ich liebe Computer-Rollenspiele und FIFA.

Mit welchem Klub spielen Sie bei FIFA?

Van Barneveld: Am liebsten spiele ich mit meinem Heimatklub ADO Den Haag. Ich bin aber sehr schlecht, jeder würde mich schlagen. Trotzdem finde ich es aufregend. Außerdem spiele ich sehr gerne Hitman. Da ist man ein Auftragskiller und muss Menschen für Geld umbringen. Das ist lustig. (lacht)

Ihre Freundin begeistert sich dafür ebenfalls?

Van Barneveld: Ja. Wenn meine Freundin neben mir sitzt, dann coacht sie mich: "Du musst hierhin laufen, du musst dorthin laufen." Ich habe aber nur zwei Hände. Am Ende werde ich immer erschossen und muss von vorne anfangen. Ich liebe dieses Spiel.

Zurück zu FIFA: Sie spielen also mit ADO Den Haag. Und Ihre Freundin?

Van Barneveld: Mit ihrem Lieblingsklub Norwich City. Sie sind besser als Den Haag. Deren Keeper Tim Krul ist übrigens ein guter Freund von mir. Er hat uns Tickets für das EM-Spiel zwischen Holland und Nordmazedonien besorgt. Ich kenne generell ein paar Fußballer, die Darts lieben.

Van Barneveld: "Kroos ist ein großer Fan von mir"

Welche Fußballer sind die talentiertesten Dartsspieler?

Van Barneveld: Der ehemalige Nationaltrainer Frank de Boer und sein Zwillingsbruder Ronald sind sehr gut. Ich habe vor ein paar Jahren mit ihnen gespielt und da haben sie reihenweise 140er und 180er geworfen. Mir fallen aber noch einige weitere ein: Klaas-Jan Huntelaar, Robin van Persie, Daley Blind, Donny van de Beek, Tim Krul, Toni Kroos.

Wie sind Sie mit Kroos in Kontakt gekommen?

Van Barneveld: Ich habe ihn mal bei Real getroffen und da hat sich herausgestellt, dass er ein großer Fan von mir ist - und sein Bruder Felix ein großer Fan von Phil Taylor. Als Ajax vor zwei Jahren gegen Real gespielt hat, hat er mir Tickets besorgt. Wir waren im Stadion und Ajax hat gewonnen. Das war eine unfassbare Nacht.

Wie eng stehen Sie mit Kroos in Kontakt?

Van Barneveld: Manchmal schreiben wir uns, aber er schreibt nicht immer zurück, weil er ein vielbeschäftigter Mann ist. Ich habe ihn mal gefragt, wie es sich anfühlt, Fußball-Weltmeister zu sein. Da meinte er, dass es nicht besser werden kann. Holland war dreimal sehr knapp davor: 1974 in Deutschland, 1978 in Argentinien und 2010. Es muss so ein großartiges Gefühl sein, Fußball-Weltmeister zu sein.

Was sind Ihre Erinnerungen an das verlorene Finale 1974 gegen Deutschland?

Van Barneveld: Ich war damals noch sehr klein, sieben Jahre alt. Nach dem Spiel habe ich geheult. 1978 war es das gleiche, als wir so knapp gegen Argentinien verloren haben. Immerhin haben wir 1988 im Finale gegen Russland die EM gewonnen. Da herrschte eine unglaubliche Atmosphäre.

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