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Boxen

Megafight: Demonstration oder Sensation?

Floyd Mayweather Jr. und Conor McGregor wollen es krachen lassen

  • Fähigkeiten

Die defensiven Fähigkeiten von Mayweather sind über jeden Zweifel erhaben. Das Problem für McGregor ist, dass es offensiv nicht anders aussieht. Floyd kann einfach verdammt gut boxen. Seine koordinativen Fähigkeiten sind trotz des inzwischen fortgeschrittenen Alters und der langen Pause beachtlich. Er hat eine überragende Beinarbeit, ist noch immer extrem schnell, hat eine unglaubliche Präzision und findet zügig in seinen Rhythmus, wenngleich er nicht der schnellste Starter ist und McGregor hier Vorteile haben dürfte.

Sein Ring-IQ ist aber überragend und in den letzten beiden Dekaden nahezu einzigartig. Er versteht es schlichtweg, seine Gegner zu frustrieren und kann sich an alle Eventualitäten anpassen. Dieser Zustand ist für jeden Gegner Mayweathers die Hölle auf Erden. Ratlos im Ring zu stehen, ist der Anfang vom Ende. Dieser Meinung ist auch Legende Lennox Lewis: "Floyd wird ihn vorzeitig stoppen. Er ist einfach zu gut für McGregor, da dieser einfach nur unerfahren ist. Er kann seine ganzen Vorteile aus dem Octagon nicht nutzen."

Sein Gegenüber mag zwar die boxerischen Grundlagen drauf haben, schnell sein und ein gutes Timing haben, allerdings ist jeglicher Vergleich mit Mayweather schwierig. Daran ändert auch der enorme Aufwand, den McGregor in unzähligen Einheiten sowie zusammen mit seinem Team bei Trockenübungen betrieben hat, nichts.

Die Liste der Bereiche, in denen McGregor seinen Stil komplett umstellen muss, scheint endlos. Egal, ob bei der Beinarbeit, der Körperhaltung, den Kopf- oder Oberkörperbewegungen oder etwa dem Jab, der sowieso nicht allzu gut ist: alles, was im Octagon für ihn spricht, ist es in einem Boxring meist sogar ein Nachteil. Wie er die Anpassungen bewerkstelligen und im Gefecht aufrechterhalten soll? Man wird sehen!

SPOX-Urteil: Vorteil Mayweather

  • Erfahrung & mentale Komponente

Mayweather feierte sein Debüt als Profi am 11. Oktober 1996, also als McGregor gerade einmal acht Jahre alt war. Vor seiner Zeit als Profi überzeugte Floyd zudem als Amateur. Insgesamt stand er seit 1996 stolze 387 Runden im Ring. In 49 Kämpfen blieb er ohne Niederlage, besiegte auf seinem Weg an die Spitze einen großen Namen nach dem anderen. Er lebt für den Sport, nicht für den Luxus, den er sich durch diesen leisten kann, auch wenn er selbigen natürlich gerne zur Schau stellt.

McGregor hingegen wird zum ersten Mal in den Ring steigen, in dem er zuvor als Profi in einem offiziellen Kampf keine einzige Runde stand. Sein Kampfrekord von 21-3 in den MMA ist nahezu wertlos. Ein größeres Mismatch als den Vergleich in Las Vegas kann es gar nicht geben. Läuft alles normal, gibt es keine offenen Fragen.

Daran ändert auch die mentale Komponente nichts. Ja, McGregor glaubt tatsächlich, dass er Mayweather schlagen kann. Chris Eubank Sr. verweist auf den Glauben an die eigene Stärke: "Jeder scheint zu vergessen, dass McGregor ein Ire ist. Es geht nicht nur um die Fähigkeiten, es geht auch um den Spirit. Mit einem Iren misst man sich in Sachen Spirit besser nicht."

Sein Gegenüber steht ihm in diesem Punkt aber in nichts nach. Beide Fighter sind komplett von sich überzeugt und auch wenn Conor durch sein Auftreten im Vorfeld insgeheim bei Mayweather sicherlich ein Lächeln für seine Showeinlagen eingeheimst hat, weiß dieser noch immer, wer von beiden der Boxer ist und wer nicht. Bezeichnend war das trockene "Du bist ein Clown", welches Floyd ihm auf der letzten Pressekonferenz zuflüsterte, nachdem dieser einmal mehr auf ihn eingeredet und dabei irgendwie unsicher gewirkt hatte.

SPOX-Urteil: Vorteil Mayweather

  • Fazit

Ein paar Zahlen sprechen für McGregor, alles andere für Mayweather. Folglich wäre ein Sieg des Iren die wohl größte Sensation der Box-Geschichte, die allerdings nicht eintreten wird. Es darf in diesem Zusammenhang aber keinesfalls unter den Tisch fallen, dass es nicht der darum geht, wer von beiden der bessere Athlet ist, gesucht wird einzig und allein der bessere Boxer. Und dabei handelt sich zweifelsohne um Floyd Mayweather.

Es wird zwar spannend zu sehen sein, wie teuer sich der Mann aus Dublin letztlich in einem Boxring gegen einen der besten Boxer aller Zeiten schlagen kann, allerdings wird es nicht für einen Sieg oder ein knappes Ergebnis reichen. McGregors einzige Chance ist seine Linke und der damit verbundene Lucky Punch, der gegen Mayweather aufgrund von dessen defensiven Qualitäten und der immensen Erfahrung noch einen größerer Glückstreffer wäre als gegen jeden anderen Kontrahenten, den sich der 29-Jährige hätte aussuchen können.

"Es wird sehr wahrscheinlich eine klare Angelegenheit", zeigte sich auch Schwergewichtler Anthony Joshua sicher. "Mayweather schafft es, selbst großartige Boxer durchschnittlich aussehen zu lassen. Conor kann nicht mithalten. Er befindet sich auf dem Terrain von Floyd. Auch wenn er ein exzellenter MMA-Kämpfer ist, er ist kein exzellenter Boxer." Der Bezwinger von Wladimir Klitschko ist mit dieser Meinung nur einer von vielen.

Wann der Kampf zu Ende ist, lässt sich aber kaum vorhersagen. Dafür hängt zu viel davon ab, wie der Außenseiter die Sache wirklich angeht. Boxt McGregor auf Sieg, gewinnt Mayweather vorzeitig, nachdem er genug mit seinem Gegner gespielt hat. Will es der Ire allerdings über die Runden bringen, geht Konfrontationen aus dem Weg und teilt sich den Kampf entsprechend ein, dann erlebt er womöglich sogar den letzten Gong.

SPOX-Urteil: Mayweather-Sieg in der neunten Runde

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