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Boxen

Wegner und Sdunek leben für den Faustkampf

SID
Ulli Wegner ist seit über 50 Jahren im Boxgeschäft aktiv
© spox

Sie sind längst grau geworden, Ulli Wegner und Fritz Sdunek. In Ehren, ohne Zweifel. Sie haben praktisch alles erreicht, aber das innere Feuer will nicht erlöschen. Ohne die beiden Trainer wäre der Boom des deutschen Profiboxens in den letzten 20 Jahren kaum vorstellbar gewesen.

Am Samstag treffen die beiden Großmeister der Ringecken in Erfurt direkt aufeinander, wenn Huck seinen WBO-Titel im Cruisergewicht gegen den Briten Ola Afolabi verteidigt, der seit knapp zwei Jahren von Sdunek betreut wird.

Dabei ist Wegner gar nicht wohl: "Ganz ehrlich, ich hätte den Kampf nicht gemacht. Aber der Manager wollte es so", sagte er im Interview mit dapd.

"Verhältnis ist normal, offen und ehrlich"

Die Skepsis rührt nicht nur von dem schlagstarken Afolabi her, sondern eben auch von seinem Kontrahenten in der anderen Ecke. "Fritz weiß genau, was los ist und Wegner weiß, was Fritz macht", sagt Ulli Wegner, "wenn Fritz in der anderen Ecke steht, ist das ein höherer Anspruch, als wenn andere Trainer dort stehen." Der gegenseitige Respekt ist auf jeden Fall groß: "Ich schätze Ullis Arbeit sehr", erklärt Sdunek, "er hat natürlich eine andere Art als ich."

Freunde im klassischen Sinne können sie deshalb wohl nicht sein. Der impulsive Vorpommer Wegner und der eher bedächtige Mecklenburger Sdunek. Nur knapp 200 Kilometer entfernt voneinander sind sie aufgewachsen. Wegner in Penkun als Kriegsflüchtling aus Stettin, Sdunek als Sohn von Landwirten in Lüssow.

Der Faustkampf hat sie herausgeführt aus der ländlichen Umgebung, nach Gera zunächst den einen, nach Schwerin den anderen. Und nach der Wende zu den Profis.

"Unser Verhältnis ist normal, offen und ehrlich", sagt Sdunek. Dass sie beide an Biographien arbeiteten, die nun im Frühjahr pünktlich zum 65. (Sdunek) und 70. Geburtstag herausgekommen sind, wussten sie aber nicht voneinander. Auf Lese-Veranstaltungen haben sie ihre Erinnerungen das eine oder andere Mal gemeinsam vorgestellt. "Da hat sich Fritz wieder beklagt, dass er nicht zu Wort gekommen ist", berichtet Wegner.

Bewunderung für Manfred Wolke

Die systematische Ausbildung in der DDR ist für beide ein Schlüssel zum Erfolg auch bei den Berufsboxern. Pädagogik und Psychologie, akribische Planung: Es geschieht nichts aus dem Bauch heraus, auch wenn es so wirkt.

Sdunek schreibt seine auf Wochen ausgerichteten Athletikpläne immer noch mit der Hand, Wegner gibt die Kampfhandlungen detailliert vor, er sieht den Kampfverlauf vor sich und plant sie: "Die Technik ist der Sklave der Taktik."

Gemeinsam ist Wegner und Sdunek die Bewunderung für den dritten Erfolgstrainer aus dem Osten: Manfred Wolke. Der Frankfurter brachte Henri Maske und Axel Schulz nach oben und bereitete mit seinen Erfolgen unmittelbar nach der Wende den Weg für seine Kollegen.

"Manfred war ein ganz besonderer Trainer, der konnte aus Mittelmaß Spitze machen", sagt Wegner, "es ist bedauerlich, dass er nicht mehr als Trainer arbeitet."

Beide denken nicht dran aufzuhören

Wegner und Sdunek denken überhaupt nicht daran, aufzuhören. Und ihre Dienste sind auch weiterhin gefragt. Sdunek arbeitet nach der Trennung von Universum 2010 nun freiberuflich, Wegner ist weiterhin Cheftrainer bei Sauerland.

"Wenn ich jetzt aufhöre, auf was warte ich dann?", fragt er, "bis ich den letzten Atemzug mache?" Auch Sdunek reicht das Puzzeln im Garten noch nicht aus: "Wer rastet, der rostet. Dieser Job ist nie langweilig."

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