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Boxen

Marco Huck: "Geboren, um zu kämpfen"

SID
Marco Huck feierte in Berlin über Denis Lebedew seinen 31. Sieg im 32. Profikampf
© Getty

Trotz eines Rippenbruchs in der vierten Runde hat Box-Weltmeister Marco Huck seinen WM-Titel erfolgreich verteidigt. Der Bielefelder besiegte nicht nur den starken Russen Denis Lebedew, sondern auch sich selbst.

Als Glückshormone die irren Schmerzen nach dem Rippenbruch langsam vertrieben hatten, platzte der ganze Stolz aus Marco Huck heraus. "Ich bin ein Mann und wurde geboren, um zu kämpfen. Ich habe gezeigt, dass ich ein wahrer Champion bin", sagte der Box-Weltmeister: "Ich könnte die ganze Welt umarmen, so glücklich bin ich."

Der Cruisergewichtler aus Bielefeld hatte bei seiner fünften WBO-Titelverteidigung in der Berliner Max-Schmeling-Halle nicht nur etwas glücklich den erwartet starken Herausforderer Denis Lebedew nach Punkten mit 2:1 Richterstimmen besiegt, sondern auch sich selbst.

Huck vs. Lebedew in der SPOX-Analyse

Nachdem ihn der technisch überlegene Russe in der vierten Runde mit einem seiner vielen Körpertreffer eine Rippe zertrümmert hatte, stand Huck mehrmals vor der Aufgabe.

"Die Schmerzen waren brutal. Jeder Treffer war wie ein Messerstich. In jeder Runde habe ich überlegt, das Handtuch zu schmeißen", sagte der 26-Jährige und verriet: "Bei einem anderen Trainer hätte ich das vielleicht auch getan."

Wegner: "Wir sind hier nicht beim Kegeln!"

Für Coach Uli Wegner aber kam Aufgeben nicht infrage. Nachdem er vor drei Wochen in Helsinki mit seinem Schützling Arthur Abraham gegen den Briten Carl Froch eine verheerende Niederlage kassiert hatte, durfte das zweite Zugpferd des Sauerland-Stalls auf keinen Fall auch noch verlieren.

Immer wieder stachelte der Trainer in den Kampfpausen seinen Boxer mit markigen Worten an. "Hör' auf zu jammern! Wir sind hier nicht beim Kegeln", sagte Wegner und meinte später mit einem Augenzwinkern über seine emotionalen Ansprachen: "Ich schimpfe nicht, ich spreche nur sehr laut."

Willensstärke statt Technik

Wegner hat Erfahrungen mit solchen Kämpfen. Im September 2006 führte er in der "Schlacht von Wetzlar" Abraham trotz dessen doppelten Kieferbruchs zum Sieg gegen den Kolumbianer Edison Miranda. Nach der Pleite von Helsinki ist Abrahams Stern stark gesunken, Huck könnte seinen Platz einnehmen.

Zwar zeigte der frühere Kickbox-Welmeister erneut taktische Schwächen und ein im Vergleich zu seinem Gegner geradezu eindimensionales Schlagrepertoire, doch mit Willensstärke und Brachialgewalt verhinderte Huck die zweite Niederlage im 32. Profikampf.

"Ich ziehe meinen Hut vor Marco. Er hat keine Erfahrungen im Amateurbereich und schlägt trotzdem so Klasse-Leute wie Lebedew", sagte Wegner, der jedoch gestand, dass die Wertung zugunsten seines Schützlings durchaus glücklich war: "Mit einem Unentschieden wäre ich auch zufrieden gewesen."

Lebedew ein fairer Verlierer

Der bis dahin in 21 Profikämpfen ungeschlagene Lebedew, den ein Richter auf dem Wertungszettel sogar mit 116:112 Punkten vorne sah, verzichtete auf Anspielungen einer Schiebung und präsentierte sich als fairer Verlierer. "Gewonnen hat derjenige, dessen Arm gehoben wird. Meine persönliche Meinung zählt da nicht", sagte der 31-Jährige.

Möglicherweise eröffnet sich für Lebedew schon sehr bald die Chance auf eine Revanche. Promoter Wilfried Sauerland kündigte an, dem Russen beim geplanten Super-Six-Turnier im Cruisergewicht einen Platz beschaffen zu wollen. Im April 2011, wenn alle Weltmeister der vier großen Verbände ihre Pflichtherausforderungen hinter sich haben, sollen die Planungen für das Millionenprojekt abgeschlossen werden.

Dann würde Huck wohl erneut IBF-Champion Steve Cunningham (USA) vor die Fäuste bekommen, der ihm vor drei Jahren die bislang einzige Niederlage seiner Karriere zugefügt hatte. "Ich will eine Revanche gegen Cunningham. Ich will einen nach dem anderen boxen - bis ich alle Gürtel habe", sagte der gebürtige Jugoslawe.

SPOX in Action: Boxen mit Marco Huck

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