Basketball

Die unendliche Geschichte: Chinas Basketballer stecken in der Warteschleife

SID
Ex-NBA-Star Jeremy Lin spielt in der Saison 2019/20 in China für die Beijing Ducks.

Chinas Basketballer stellten als erste große Sportliga der Welt den Spielbetrieb ein. Seither folgt eine Verschiebung der nächsten.

Bei O.J. Mayo gleicht derzeit jeder Tag dem nächsten, seit Wochen schon. Mittagessen, Training, Abendessen, dann "ein Film - und ab ins Bett", sagt der frühere Teamkollege von Dirk Nowitzki. Der amerikanische Basketball-Profi ist nach einer illustren Karriere beim chinesischen Erstligisten Flying Leopards aus Liaoning gelandet - und steckt nun in einer Warteschleife fest, die kein Ende nimmt.

Seit dem 1. Februar pausieren die Vereine der Chinese Basketball Association. Die CBA war damit die erste große Sportliga der Welt, die wegen der Coronapandemie den Betrieb einstellte.

Eigentlich hätte die Liga dem internationalen Sport auch den Weg aus der Krise weisen können - und Chinas Regierung den Beweis liefern, Herr der Lage zu sein. Doch während in Taiwan und Südkorea zum Beispiel der Baseball gestartet ist, entwickelt sich in China eine unendliche Geschichte.

"Wir hören bei all den Spekulationen schon gar nicht mehr hin, weil sich das jede Woche ändert", wird ein chinesischer Spieler vom Magazin Sports Illustrated zitiert. Fest steht: Vor Juli geht nichts. Immerhin: Er sei hinsichtlich dieses Termins "zuversichtlich", sagte CBA-Chef Yao Ming, früherer Superstar der Houston Rockets und Mitglied der Hall of Fame, unlängst im TV-Sender CCTV. Geplant sind Spiele hinter verschlossenen Türen und an neutralen Orten, ähnlich wie es die NBA vorhat.

Chinesische Liga bei ehemaligen NBA-Stars sehr beliebt

Doch dafür müssen erst einmal alle Spieler zurück im Land sein. Seit dem 28. März besteht in China ein Einreisestopp für Ausländer. Mittendrin im Chaos stecken Stars wie die ehemaligen NBA-Profis Jeremy Lin, Ty Lawson oder Lance Stephenson. Einige sind in China geblieben, um weiter bezahlt zu werden. Andere warten in der Heimat auf bessere Zeiten.

Gerade bei Amerikanern ist die CBA dank hoher Gehälter, stattlicher Boni und einer kurzen Saison durchaus beliebt. Kurz vor dem Einreisestopp hatten sich daher viele Spieler auf dem Weg nach China gemacht - ein Teil strandete an Flughäfen und musste umkehren.

Wer es bis China schaffte, steckt seither in der Warteschleife. "Das ist eine große Katastrophe. Sie haben uns zurückgeholt - für Nichts", sagt ein US-Basketballer, der anonym bleiben will, bei Sports Illustrated.

Re-Start im Juni? "Wir sind zuversichtlich"

Sollte die generelle Einreise irgendwann wieder erlaubt sein, müssen alle Legionäre - die meisten kommen aus den USA - in China zunächst für 14 Tage in Quarantäne und mehrfach getestet werden. Mayo, der 2012/2013 mit Nowitzki bei den Dallas Mavericks spielte, hat das schon hinter sich. Er habe stundenlang Netflix geschaut und sei in der Zeit viermal auf Corona getestet worden, berichtet er.

Immerhin: Im Juli könnte es tatsächlich losgehen, endlich. "Wir sind zuversichtlich, dass wir die Liga wieder ans Laufen bringen. Die verbesserte Lage hat die gute Prävention hat die Chancen deutlich verbessert", sagte Yao Ming. Oberste Priorität sei es aber, den hart erarbeiten Erfolg im Kampf gegen das Virus nicht zu gefährden. Bis dahin gleicht weiter ein Tag dem nächsten.

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