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Basketball

"Über Summer League empfehlen"

Von Interview: Ole Frerks
Niels Giffey gewann vor kurzem seine zweite College-Meisterschaft mit UConn
© getty

SPOX: Vor dem Finale wurde viel darüber geschrieben, die Huskies seien zu sehr von Napier abhängig. Dort haben Sie dann aber das Scoring auf viele Schultern verteilt und als Team stark verteidigt. Nimmt man derartige Kritik wahr oder kann man das komplett ausblenden?

Giffey: Man nimmt es schon wahr, aber das ist nichts anderes als Extra-Motivation. Was die Leute da teilweise schreiben... Die haben noch nie Basketball gespielt, vor allem nicht auf diesem Niveau. Davon darf man sich nicht verrückt machen lassen.

SPOX: Sie haben einen Titel unter Jim Calhoun, einer absoluten Coaching-Legende, gewonnen, und dann jetzt unter Kevin Ollie, der dessen riesige Fußstapfen füllen sollte. Was unterscheidet die beiden?

Giffey: Coach Ollie ist immer sehr positiv. Sehr familienorientiert, sehr gläubig. Er will das beste aus dir herausholen, indem er die die Perspektiven aufzeigt und dir sagt, was du alles erreichen kannst. Er verkörpert die 'Blue-collar-attitude', also dass man alles erreichen kann, wenn man hart dafür arbeitet.

SPOX: Und Coach Calhoun war eher ein harter Hund?

Giffey: Ja... Beide erwarten extrem viel. Hohe Standards, hohe Intensität, harte Arbeit. Wie sie das herauskitzeln wollen, unterscheidet sich aber. Coach Calhoun hat dich angeschrien. In meinem Freshman-Year hat er mich wirklich gebrochen. Ich dachte, ich könnte keinen Basketball mehr spielen. Das Konzept 'harte Liebe' eben... Er will das Beste aus dir herausholen, indem er dich jeden Tag herausfordert. Wenn du einen Fehler machst, lässt er dich das wissen.

SPOX: Wie fällt Ihr Resümee über die College-Zeit aus? Viel besser hätte es ja kaum laufen können, oder?

Giffey: (lacht) Ja, absolut. Ich bin sehr froh, die Entscheidung getroffen zu haben, vor allem auch was diese Schule betrifft. In zwei Wochen habe ich auch noch meinen Abschluss... Es ist schon viel wert, zweigleisig gefahren zu sein, und sowohl das Sportliche, als auch das Akademische vorweisen zu können. Da bin ich auch durchaus stolz, im Hinblick auf die Zukunft.

SPOX: Gutes Stichwort. Was bringt denn die Zukunft bei Ihnen?

Giffey: Ganz ehrlich: Ich weiß es noch nicht. Ich habe noch keinen Masterplan. Ich schaue mir die Möglichkeiten in Deutschland an, aber den Versuch hier würde ich natürlich auch gerne wagen. Natürlich würde ich mich am liebsten über die Summer League für ein NBA-Team empfehlen.

SPOX: In den letzten Jahren haben sich die Flügelpositionen in der NBA dahingehendentwickelt, dass "3-and-D"-Spezialisten mehr gefragt sind denn je. Die richtigen Voraussetzungen dafür bringen Sie ja mit...

Giffey: Natürlich, neben den Naturtalenten werden immer auch Spezialisten gesucht. Das ist ja für mich auch der einzig realistische Weg, und es ist trotzdem nur eine geringe Chance. Aber er ist es wert, ihn auszuprobieren! Wenn ich die klassischen Shooter sehe wie Kyle Korver, Steve Novak... Den Bedarf gibt es schon. Und ich bin meiner Meinung nach ein Teamplayer, ein guter Locker-Room-Guy - ich glaube, solche Charaktereigenschaften sind bei Spezialisten auch gefragt.

SPOX: Derzeit laufen ja die NBA-Playoffs. Verfolgen Sie das Ganze oder steht das Lernen im Weg?

Giffey: Nein, das gucke ich mir schon an. Kemba ist ja beispielsweise momentan gegen die Heat aktiv und spielt dabei auch ziemlich stark. Atlanta ist auch richtig gut dabei, die Pacers sind wohl irgendwie in ein Loch gefallen...

SPOX: Haben Sie mit den anderen Deutschen in den USA Kontakt?

Giffey: Eigentlich kaum, ich habe eher mit den anderen College-Spielern zu tun. Elias Harris habe ich mal kontaktiert, als es um meine College-Wahl ging, er war ja schon eher hier. Den Dennis [Schröder] kenne ich nicht wirklich, fast nur über Twitter, wo er zu unserer Championship gratuliert hat.

SPOX: A propos College-Spieler. Um den jetzigen Draft-Jahrgang gibt es Hype wie vermutlich seit 2003 nicht mehr. Sie kennen Andrew Wiggins, Julius Randle und Co. - was steckt wirklich drin in diesen Jungs?

Giffey: Das sind alles Topspieler. Direkt gespielt habe ich gegen Randle - das ist schon ein echter Mann. Der kann sich mit seinem Spiel unterm Korb mit Sicherheit auch in der NBA etablieren. Ich glaube allerdings nicht, dass ein LeBron James oder Michael Jordan in diesem Jahrgang versteckt ist.

SPOX: Wie sieht denn Ihre Top 3 für den Draft aus?

Giffey: Das sind für mich Jabari Parker, Joel Embiid und Shabazz.

SPOX: Napier?

Giffey: Ja! Er mag physisch nicht in die Kategorie gehören, aber sein Siegeswille und seine Erfahrung zählen für mich mehr als Athletik oder irgendetwas, was einem in die Wiege gelegt wird.

SPOX: Die Debatte gibt es ja immer wieder: Rohes Talent auf der einen Seite, Erfahrung auf der anderen. In Mock Drafts etwa taucht Napier nie allzu weit oben auf...

Giffey: Das ist für mich unglaublich. Stark ist dann wiederum LeBron James, der in einem Interview meinte, Shabazz ist für ihn der erste Pick des kommenden Drafts. Und ganz ehrlich: Wenn das vom besten Spieler der Welt kommt, hat das für uns mehr Gewicht, als die Meinung von statistikverliebten Scouts. Dem 'Eye-Test' nach war Shabazz in dieser Saison ohne Frage der beste Spieler der NCAA.

Seite 1: Giffey über die March Madness und Shabazz Napier

Seite 2: Giffey über die Zukunft und Chancen auf die NBA

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