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Basketball

"Euroleague ist einfach intensiver als NBA"

Von Interview: Max Marbeiter
Nenad Krstic steht im ZSKA Moskau im Final Four-Turnier in London
© getty

Nenad Krstic kennt die NBA wie seine Westentasche. Der 29-Jährige, der mit ZSKA Moskau ins Final Four (Fr., 18 Uhr im LIVE-TICKER) eingezogen ist, stand mit Stars wie Kevin Garnett, Shaquille O'Neil oder Rajon Rondo auf dem Court. Im SPOX-Interview spricht er über verpasste Titelchancen, das diesjährige Final Four, den Stellenwert der Euroleague und einen der weltweit talentiertesten Point Guards.

SPOX: Nach der Finalniederlage gegen Olympiakos im letzten Jahr heißt der Gegner im Halbfinale erneut Olympiacos, dieses Mal im Halbfinale. Ein besonderes Spiel für Sie?

Nenad Krstic: Natürlich ist es eine spezielle Begegnung. Wir erinnern uns noch gut an die Niederlage und ich denke, dass wir noch eine Rechnung offen haben.

SPOX: Letztes Jahr waren Sie zeitweise mit 19 Punkten vorne, am Ende reichte es dennoch nicht zum Sieg. Wie ist so eine dramatische Wende zu erklären?

Krstic: Viele Faktoren spielten eine Rolle. Wir dachten, das Spiel sei schon gelaufen, haben unkonzentriert agiert und es dann nicht mehr geschafft, den Hebel wieder umzulegen. Piräus hat nie aufgesteckt und bis zum Schluss alles versucht, sie haben dann auch gut verteidigt und einige glückliche Körbe gemacht. Wir dagegen haben viele freie Punkte verpasst und am Ende auch entscheidende Freiwürfe vergeben.

SPOX: Während der Sommerpause haben Alexey Shved und Andrej Kirilenko das Team verlassen. Inwiefern waren das Schlüsselspieler für Sie? Und was macht Ihre Mannschaft dieses Jahr ohne diese beiden Spieler aus?

Krstic: Mit Shved und Kirilenko haben uns sicherlich zwei großartige Spieler in Richtung NBA verlassen und sie fehlen uns. Aber es kommen gute Leute nach wie beispielsweise Sonny Weems, Aaron Jackson oder Vlado Micov. Auf unserem Weg nach London waren sie bisher wichtige Erfolgsfaktoren. Ich weiß nicht, ob wir besser oder schlechter sind dieses Jahr, wahrscheinlich einfach anders. Die Mannschaft spielt vielleicht nicht mehr so spektakulär, aber gut organisiert. Und sie hat Charakter bewiesen, gerade in entscheidenden Situationen.

SPOX: Ettore Messina ist nach vier Jahren zu ZSKA zurückgekehrt. Was charakterisiert ihn als Trainer? Könnte er der entscheidende Baustein auf dem Weg zum Titelgewinn sein?

Krstic: Ich hoffe es jedenfalls. Seine Handschrift ist deutlich zu erkennen, er verlangt viel und hat das Team im Griff. Wie gesagt spielen wir jetzt sehr gut organisierten Basketball. Seine Botschaft an uns Spieler ist noch immer dieselbe: Dieses Spiel ist unser Spiel. Er fordert von jedem Spieler, Verantwortung fürs Team zu übernehmen, das Spiel zu seinem Spiel zu machen. Ich hoffe, wir können auch in London unser Bestes zeigen.

SPOX: Messina war ein Jahr lang Coach der Los Angeles Lakers, auch Sie haben NBA-Erfahrung. Inwieweit ist der Einfluss aus Amerika zu spüren?

Krstic: Vielleicht ein wenig in der Vorbereitung und bei einzelnen Trainingsaspekten. Aber wir spielen weiterhin europäischen Basketball, der sich von dem in Amerika in vielerlei Hinsicht unterscheidet. Beispielweise in Bezug auf die Regeln, den Spielplan, lange Auswärtsreisen etc. Ich denke, der Einfluss ist doch sehr begrenzt.

SPOX: Während der letzten Lockout Season hatten Sie die Chance, ZSKA den Rücken zu kehren und zur neuen Saison in die NBA zu wechseln. Was gab den Ausschlag zu bleiben?

Krstic: Grundsätzlich hat mein Vertrag keine Ausstiegsklausel. Zweitens habe ich bereits sieben NBA-Saisons hinter mir und muss nicht mehr um jeden Preis dort hin. Drittens gefällt mir der Wettbewerb in der Euroleague, weil wir dort um wichtige Titel spielen. Schließlich fühle ich mich in diesem Klub sehr wohl und auch meiner Familie gefällt es in Moskau.

SPOX: Wollten Sie denn jemals zurückkehren?

Krstic: Nein, ich habe hier einen Vertrag und bin glücklich.

SPOX: Im direkten Vergleich zur NBA, was sind aus Ihrer Sicht die größten Unterschiede zu Europa und speziell der Euroleague?

Krstic: Wie schon gesagt: Die Regeln, der Spielmodus, die Reisen. Die NBA ist sicherlich athletischer. Aber die Intensität und der Stellenwert jedes einzelnen Spiels sind einfach höher in Europa.

SPOX: Und wie ist es speziell in punkto Qualität? Was charakterisiert die jeweiligen Ligen?

Krstic: In der NBA gibt es unglaublich viel Talent und Qualität und die individuellen Leistungen der großen Spieler dort muten in Europa sicherlich geradezu außerirdisch gut an. Doch das liegt auch an den Regeln des Spiels dort, Spieler können dort besser glänzen. Ich bin mir sicher, dass viele Euroleague-Spieler auch in Amerika eine sehr gute Figur abgeben könnten.

SPOX: Könnten Sie sich vorstellen, irgendwann doch dorthin zurückzukehren?

Krstic: Darüber denke ich im Moment nicht nach.

SPOX: Sie haben mit Größen wie Rajon Rondo und Kevin Garnett zusammen gespielt. Inwiefern hat die Zeit in Boston Ihre Karriere und Ihren Spielstil positiv beeinflusst? Hat sie das überhaupt?

Krstic: Ich denke, ich kann von Glück sprechen, mit vielen großartigen Spielern zusammen gespielt zu haben, mit All Stars, zukünftigen Hall-of-Famers. Und das unter dem fantastischen Doc Rivers. Neben Spielern wie Kevin Garnett, Shaq, Jermaine O'Neal, Ray Allen, Paul Pierce oder Rajon Rondo zu spielen, hat mir viel gebracht. Einfach mit ihnen zu üben. Wobei ich nicht sagen würde, ich habe lediglich einige Übungseinheiten Basketball gehabt. Ich habe auch gelernt, richtig mit Siegen wie Niederlagen umzugehen, wie man sich neben dem Spielfeld zu benehmen hat, andere Aspekte des Spiels zu sehen. Basketball zu denken. Die Celtics sind ein einzigartiges Team und es ist ein Jammer, dass wir während meiner Zeit dort nicht den Titel gewinnen konnten.

SPOX: Wie Rondo in diesem Jahr, haben auch Sie sich 2006 das vordere Kreuzband gerissen. Wie schwer wiegt eine solche Verletzung für einen Basketballspieler aus Ihrer Sicht?

Krstic: Jede Verletzung ist schwierig, vor allem natürlich, wenn sie so gravierend ist. Nach meinem Bänderriss hatte ich große Probleme, wieder ordentlich in die Spur zu finden und war die meiste Zeit der Saison nicht richtig fit. Ich habe viele Spiele verpasst und war lange nicht bei 100 Prozent. Aber das ist lange her und ich hoffe, auch in Zukunft verletzungsfrei zu bleiben.

SPOX: Was macht ein Comeback denn so schwer?

Krstic: Eine Verletzung, wie ich sie hatte, verheilt nur sehr langsam. Man spürt das noch lange danach und ist körperlich einfach nicht so agil wie gewohnt.

SPOX: Nach Rondo spielen Sie nun mit einem anderen besonderen Point Guard zusammen: Milos Teodosic. Sie beide sind auch privat befreundet. Wie würden Sie ihn als Spieler und als Mensch beschreiben?

Krstic: Er ist als Spieler wahrscheinlich der talentierteste Point Guard in Europa und einer der besten der Welt. Ich bin glücklich, ihn in meinem Team zu haben. Mit Blick auf die Nationalmannschaft bin ich sozusagen Zeuge seiner Entwicklung. Ich sehe, wie er dazulernt, ruhiger und klüger wird. Und damit meine ich nicht nur sein Verhalten auf dem Court, sondern auch im täglichen Leben.

Das Euroleague Final Four im Überblick

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