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"Wüsste nicht, was daran ein Marketing-Gag sein sollte": ELF-Start spaltet die Gemüter

Von Ulli Ludwig
ELF-CEO Zeljko Karajica, Ligachef Patrick Esume und ran-Sportchef Alexander Rösner (v.l.).

Am Samstag startet die neu gegründete European League of Football (ELF) in ihre erste Spielzeit. Die Ziele der neuen Liga sind ambitioniert, viel Kritik gibt es aus der deutschen Football-Liga GFL.

"American Football auf höchstem europäischen Niveau" kündigte Patrick Esume in dieser Woche im Hamburger Abendblatt an. Esume gilt in seiner Funktion bei ran als anerkanntester Football-TV-Experte in Deutschland und ist Ligachef der neu gegründeten European League of Football.

Am Samstag soll jene neue Football-Liga auf europäischer Ebene an den Start gehen. Acht Teams aus drei Ländern werden sich an zwölf Spieltagen duellieren und in zwei Divisionen aufgeteilt sein - die zwei besten Teams jeder Division werden sich dann im September in den Playoffs gegenüberstehen, um den ersten ELF-Champion zu krönen.

"Diese Liga wird von Beginn an für professionellen Football stehen und keinen Amateurstatus besitzen", kündigte Liga-CEO Zeljko Karajica (50) im Gespräch mit SPOX an. In den nächsten drei bis fünf Jahren wolle man die Liga langsam wachsen lassen, in der Endausbaustufe strebt man dann sogar eine Liga mit "24 Teams aus mindestens zehn europäischen Ländern" an.

Noch sei es, so Karajica weiter, "zu früh, da nach außen ins Detail zu gehen. Wir haben Mitte Juni den Start mit acht Franchises und wir werden 2022 auch garantiert um vier weitere Teams wachsen, vielleicht sogar um das eine oder andere mehr. Welche genau das sein werden, wird kommuniziert, wenn die Verträge unterschrieben sind. Wir sprechen mit vielen Interessenten aus ganz Europa, parallel bedarf das aber auch einer gewissen logistischen Planung."

ELF: "Da ist etwas entstanden, was wirklich groß ist"

Die Grundidee und den finalen Impuls zur Gründung der neuen Liga gab Esume, konkret in die Konzeptionierung der Liga ging es dann im letzten Quartal 2020. "Das war eine logistische Meisterleistung, das Ganze in sechs Monaten auf die Beine zu stellen", erklärte Karajica in dieser Woche.

Unter anderem mit Kanälen wie Pro7Maxx, ran.de oder More Than Sports TV hat die Liga hochkarätige Wege gefunden, das eigene Produkt an den Mann zu bringen. "Wenn man die nackten Zahlen anschaut, dann hat Football durch das Interesse an der NFL in Deutschland sicher schon zu Ligen wie Basketball oder Eishockey aufgeschlossen. Und wenn man die TV-Quoten anschaut vielleicht sogar überholt. Da ist etwas entstanden, was wirklich groß ist", gab sich Karajica gegenüber SPOX weiter selbstbewusst.

Dennoch sei klar: "Man kann den Super Bowl sicher nicht mit dem Championship Game der European League of Football vergleichen. Deshalb werden wir schauen, wo wir uns am Ende der Saison einsortieren."

Helfen sollen auch die bekannten Gesichter, wie Esume und Ex-NFL-Spieler Kasim Edebali, der für die Hamburg Sea Devils auflaufen wird. Das helfe dabei, "unserer Liga ein Gesicht und Glaubwürdigkeit zu geben. Natürlich gibt es immer Zweifler, aber mit Spielern wie Edebali, die sich der Liga anschließen, erledigen sich solche Fragen dann schnell. Mit Patrick Esume haben wir sicherlich das Gesicht, das Football im deutschsprachigen Raum in den letzten fünf, sechs Jahren geprägt hat."

Zudem will sich die Liga mehr für die Jugendarbeit im deutschen Football einsetzen: "Unser Wunsch ist es, weitere Kooperationen mit den Verbänden und Vereinen vor Ort einzugehen, um den Nachwuchs zu fördern und auf ein Level zu bringen, das ihnen die Möglichkeit gibt, den Sprung in die European League of Football zu schaffen." Konkret gehe es dabei um kostenlose Nachwuchscamps, Förderprogramme, Talentsichtung und größere Perspektiven für Nachwuchstalente.

"Wenn man auf den Fußball schaut, muss sich ein vielversprechendes Nachwuchstalent über die Kosten von Schuhen, Trikots oder Reisen keine Gedanken machen. Genau da hat der Football extremen Nachholbedarf", meint Karajica.

ELF: Deutsche Liga sieht kaum Wege der Kooperation

Scharfe Kritik an der Gründung der neuen Liga übte hingegen die deutsche Football-Liga (GFL), die bereits seit 1979 besteht. "Den Vereinen wurden Ressourcen entzogen, die Spieler sind letztlich die Leidtragenden", sagte Ligavorstand Axel Streich im April. Der Football insgesamt in Deutschland leide mehr darunter, als dass er profitiere. ELF-Ligachef Esume entgegnete damals, dass beide Systeme "gut nebeneinander bestehen" können.

"Die komplette Off-Season haben wir uns mit ELF-Teams auseinandersetzen müssen, die unsere Spieler abwerben wollten", kritisiert Jordan Neuman (37) im Gespräch mit SPOX. Neuman ist Cheftrainer der GFL-Mannschaft Schwäbisch Hall Unicorns und gleichzeitig Teamchef der deutschen Football-Nationalmannschaft. Für ihn gibt es auch keinen Weg, wie ein GFL-Team mit einem Team der neu gegründeten ELF kooperieren könne, da "beide Teams um eine Meisterschaft kämpfen und das bestmögliche Team zusammenstellen wollen".

Bevor der erste Ball Richtung gegnerische Endzone gekickt wird, bleibt derweil offen, welches sportliche Niveau die ELF erreichen kann. Mit mehreren Ex-NFL-Profis wie Edebali oder Chris Ezeala holte sich die Liga anerkannte Sportler in ihre Reihen.

"Edebali, Ezeala oder Dable, um nur einige zu nennen, sind Spieler, die in den vergangenen Jahren auf Top-Niveau gespielt haben", betonte Karajica. Er habe bei diesem Thema ein "richtig gutes" Gefühl, da die Teams "erfahrene, etablierte" Trainer haben. Karajica: "Ich glaube sogar, dass wir in den nächsten Jahren erleben werden, dass Spieler aus unserer Liga eher zu höheren Aufgaben berufen werden."

Neuman: GFL müsse mehr "zusammenhalten"

"Sie versuchen sich an die ehemalige NFL Europe und damit an eine sehr hohe Qualität zu binden, aber dieses Level werden sie nicht einmal annähernd erreichen", schätzt Unicorns-Coach Neuman dagegen die Qualität der ELF-Teams ein.

"Für mich sieht es so aus, dass es die Strategie der ELF ist, so viele GFL-Spieler wie möglich zu holen." Das sei für Neuman der einzige Weg, wie die ELF ein "gewisses Level an Qualität" gewinnen könne.

Trotz zahlreicher Kritikpunkte nimmt Neuman aber auch seine eigene Liga in die Pflicht: "Wir müssen aggressiver um die Aufmerksamkeit der Menschen kämpfen. Außerdem sollten alle GFL-Teams mehr zusammenhalten und sich als Teil dieser Liga verstehen."

Die GFL habe das beste Football-Produkt Europas und müsse das den Leuten auch zeigen: "Wenn wir uns im Marketing weiterentwickeln, dann werden wir eine großartige Liga sein."

"Wüsste nicht, was daran ein Marketing-Gag sein sollte"

Wie genau ist jetzt die Erwartungshaltung, aus beiden Lagern? "Die ELF als Produkt ist für mich eher wie ein Mann am Pokertisch, sie mussten bisher noch nicht ihre Karten auf den Tisch legen. Und ich denke, dass am Ende des Tages das Produkt auf dem Feld den Unterschied machen wird", vermutet Neuman.

Karajica dagegen sieht die Vorwürfe, dass die Marketing-Offensive der ELF nicht die entsprechende Nachhaltigkeit dahinter hätte, als unbegründet: "Dahinter stecken Football-Teams. Was genau soll daran ein Marketing-Gag sein? Wir haben innerhalb von 24 Stunden 25 Prozent der Tickets für das Auftaktspiel der Hamburg Sea Devils verkauft. Wir haben für das Finale die Merkur Spiel-Arena in Düsseldorf gebucht, haben mit der NADA eine Kooperation geschlossen. Ich wüsste nicht, was daran ein Marketing-Gag sein sollte."

Man wolle, betonte Karajica weiter, "Football in Europa professionalisieren und etablieren. Unser Wunsch ist es, weitere Kooperationen mit den Verbänden und Vereinen vor Ort einzugehen, um den Nachwuchs zu fördern und auf ein Level zu bringen, das ihnen die Möglichkeit gibt, den Sprung in die European League of Football zu schaffen."

Und die nationale Konkurrenz? "Die GFL ist nicht unser Thema", stellte Karajica weiter klar, "die European League of Football hat einen ganz anderen Ansatz, ist von Beginn an europäisch gedacht. Wir werden diesen Sport mehr und mehr professionalisieren. Wenn man auf die europäische Landkarte schaut, gibt es viele einzelne nationale Verbände, aber es gab nicht eine Liga, wo die Besten der einzelnen Länder spielen. Diese Lücke füllen wir aus."

ELF: Der Spielplan am Auftaktwochenende

HeimAuswärtsKickoff
Panthers WroclawCologne CenturionsSamstag, 18 Uhr
Barcelona DragonsStuttgart SurgeSamstag, 19 Uhr
Hamburg Sea DevilsFrankfurt GalaxySonntag, 15 Uhr
Berlin ThunderLeipzig KingsSonntag, 18 Uhr
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