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Stimmen zur Russland-Entscheidung: "Totaler Respekt" vs. "Antirussische Hysterie"

SID
Russland wurde von den nächsten zwei Olympischen Spielen ausgeschlossen.

Die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) hat im Skandal um manipulierte Daten aus dem Moskauer Kontrolllabor eine Vierjahressperre gegen Russland verhängt, die sich sowohl auf die Olympischen Spiele (2020, 2022) als auch auf die Fußball-Weltmeisterschaft auswirkt. Während DBB-Präsident Ingo Weiss die Entscheidung begrüßt, wittert Premierminister Dmitri Medwedew eine Verschwörung gegen sein Land.

Ingo Weiss (Präsident Deutscher Basketball Bund): "Totaler Respekt und Glückwunsch für die Entscheidung der WADA. Es ist der richtige Weg und zeigt auch die Null-Toleranz-Politik. Respekt auch an das IOC. Die FIBA muss nun mit dem russischen Verband reden und nach einer Lösung schauen. Das sieht alles sehr schwierig und kompliziert aus. Aber es gibt die richtige Entscheidung und die muss nun im Sinne der sauberen und fairen Athleten umgesetzt werden. Auch im Sinne der sauberen russischen Athleten."

Dmitri Medwedew (Russischer Premierminister): "Das ist die Fortsetzung der bereits chronisch gewordenen antirussischen Hysterie. Es ist aber unmöglich, erhebliche Probleme mit Doping zu leugnen."

Craig Reedie (WADA-Präsident): "Die harte Entscheidung des Exekutivkomitees zeigt, dass die WADA angesichts der russischen Dopingkrise entschlossen handeln will. Das russische Doping hat dem sauberen Sport viel zu lange geschadet. Russland wurde jede Gelegenheit gegeben, reinen Tisch zu machen. Aber stattdessen hat es sich entschieden, weiter zu täuschen und zu leugnen."

Linda Helleland (WADA-Vizepräsidentin): "Ich wollte Sanktionen, die nicht verwässert werden können. Ich fürchte, dies ist nicht ausreichend. Wir schulden es den sauberen Athleten, dass die Sanktionen so streng wie möglich umgesetzt werden."

Alfons Hörmann (DOSB-Präsident): "Wer über Jahre hinweg die Werte des Sports mit Füßen tritt, gehört auf die Strafbank. Insofern ist die heutige Rote Karte seitens der WADA nur die logische Konsequenz für das unablässige Manipulieren und Verstoßen gegen die Regeln des Weltsports. Es bleibt die Befürchtung, dass nun erhebliche juristische Auseinandersetzungen folgen werden, aber dennoch ist dieser Weg alternativlos. Die große Herausforderung im Sinne der Fairness wird nun sein, erneut den weltweit sauberen Athleten genauso gerecht zu werden wie den nicht gedopten russischen Sportlern. Die entscheidende Frage ist einmal mehr: Ist die Strafe schmerzvoll genug, dass in Russland ein Umdenken stattfindet und wertorientiertes Handeln erreicht wird oder erleben wir nur eine neue Stufe des weiter so?"

Grigorij Rodtschenkow (Whistleblower und ehemaliger Chef des Moskauer Antidopinglabors): "Ich habe lange auf diese Entscheidung gewartet. Betrug, Lügen und Fälschungen unaussprechlichen Ausmaßes wurden endlich in vollem Maße bestraft. Aber es gibt noch mehr zu tun. Diejenigen, die an der Korruption in bestimmten Sportarten beteiligt sind, wie zum Beispiel Leichtathletik, Gewichtheben, Skilanglauf, Biathlon und Bob sollten rückwirkend bestraft werden."

Juri Ganus (Chef der russischen Anti-Doping-Agentur RUSADA): "Das Urteil ist eine Tragödie für die sauberen russischen Athleten. Schon jetzt überlegen Sportler, Russland zu verlassen, um international starten zu dürfen. Es gibt keine Möglichkeit, diesen Fall vor Gericht zu gewinnen."

Andrea Gotzmann (Vorstandsvorsitzende Nationale Anti Doping Agentur): "Die Verantwortlichen im russischen Sport und bei der russischen Anti-Doping Agentur RUSADA hatten viele Chancen, Fehlverhalten einzugestehen und dieses im Sinne des fairen Sports zu korrigieren. Die nun vorliegende eindeutige Beweislage zeigt, dass stattdessen weiterhin manipuliert wurde. Wir fordern daher alle beteiligten Parteien auf [...], die Entscheidung des CRC anzuerkennen und ohne weiteren Verzug umzusetzen. Ein Umdenken wird es nur geben, wenn eine systematische Manipulation dieser Größenordnung entsprechende Konsequenzen erfährt und klar wird, dass der langjährige Betrug an den sauberen Athletinnen und Athleten in aller Welt inakzeptabel ist. Die nun getroffene Entscheidung ist bereits der kleinste gemeinsame Nenner und darf nicht weiter verwässert werden."

Internationales Paralympisches Komitee (IPC): "Die Verantwortlichen für die Manipulation von Daten aus dem Moskauer Labor haben anscheinend alles getan, um die Prinzipien des fairen und sauberen Sports zu untergraben. Dieser aufrichtige Mangel an Respekt gegenüber dem Rest der globalen Sportbewegung hat in der Welt des Sports keinen Platz. Es ist nur richtig, dass die für diese Datenmanipulation Verantwortlichen bestraft werden."

Fußball-Weltverband FIFA: "Wir haben die Entscheidung der WADA zur Kenntnis genommen. Die FIFA steht in Kontakt mit der WADA und der ASOIF (Vereinigung der olympischen Sommersportverbände, d. Red.), um die Folgen für den Fußball abzuklären".

Biathlon-Weltverband IBU: "Es ist zu früh, um die Frage nach einem WM-Aus der Russen zu beantworten. Die Entscheidung der WADA ist aber klar und sie besitzt das Potenzial für eine solche Konsequenz. Die Biathlon-Integritätsabteilung analysiert nun die WADA-Entscheidung mit Blick auf den Biathlon und wird der IBU zu gegebener Zeit Richtlinien zum weiteren Vorgehen vorschlagen, sofern die WADA-Entscheidungen in Kraft treten. Die WADA muss weitere Erklärungen und genaue Definitionen zum Prozess vorlegen, mit dem geklärt wird, welche Athleten unter welchen Voraussetzungen an bestimmten Wettbewerben teilnehmen dürfen."

Dagmar Freitag (Vorsitzende des Sportausschusses im Deutschen Bundestag, zum SID): "Die WADA hat mit ihrer Entscheidung ein Zeichen gesetzt. Allerdings wird es jetzt so sein, dass wir die russische Mannschaft erneut als 'Olympische Athleten aus Russland' in Tokio wiedersehen werden. Politik und Funktionäre sehen das Land offensichtlich völlig zu Unrecht an den Pranger gestellt, anders kann man erste offizielle Stellungnahmen jedenfalls nicht einordnen."

Johannes Herber (Geschäftsführer von Athleten Deutschland): "Wir begrüßen, dass das WADA Executive Committee den Empfehlungen des Compliance Review Commitee gefolgt ist und gegen den ungeheuerlichen Betrug und die Vertuschungsversuche Russlands nun mit großer Härte vorgeht. Die RUSADA, das Internationale Olympische Komitee, das Paralympische Komitee und die Internationalen Verbände müssen diese Entscheidung nun in Gänze umsetzen. Eine Aufweichung der Sanktionen würde die Glaubwürdigkeit des organisierten Sports weiter beschädigen und Nachahmer ermutigen."

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