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Handball

Handball-EM - Kommentar zum DHB-Team: Seit Jahren drückt der Schuh

Von Felix Götz
Auf Hendrik Pekeler kann die DHB-Auswahl in Zukunft einfach nicht verzichten.

Deutschland ist bei der Handball-EM vorzeitig ausgeschieden. Losgelöst vom Corona-Chaos gehört das DHB-Team längst nicht mehr zu den Medaillenkandidaten. Die kommenden zwei Jahre müssen als Übergangszeit deklariert werden. Ein Kommentar von SPOX-Redakteur Felix Götz.

Nachnominiert, direkt nach Ankunft positiv auf Corona getestet, fast eine Woche in Quarantäne verbracht, gegen Schweden ins Aufgebot gerückt und nach exakt sechs Minuten und 22 Sekunden mit Atemnot vom Feld gegangen: Die Geschichte von Hendrik Wagner genügt als Beleg, dass diese EM im Allgemeinen und im Speziellen aus deutscher Sicht völlig irre war und ist.

Die deutsche Auswahl wurde von insgesamt 13 Coronafällen heimgesucht, Spieler mussten in medizinischen Transporten mit Fachpersonal und entsprechender Ausstattung in die Heimat gekarrt werden. Im Prinzip ist in Sachen Corona also alles schiefgelaufen, was nur schieflaufen konnte.

Eine sportliche Gesamtbewertung des Turniers ist deshalb unsinnig. Dass es nach drei Siegen in der Vorrunde in den ersten drei Hauptrundenspielen drei letztlich relativ deutliche Niederlagen setzte, ist weder der Mannschaft noch Bundestrainer Alfred Gislason in irgendeiner Form anzukreiden.

Was will man erwarten, wenn vor Ort gar nicht oder zumindest nicht vernünftig trainiert werden kann und Teamsitzungen meistens digital stattfinden müssen? Eben: Nichts! Alles andere wäre ein Wunder gewesen.

Deutschland ist kein Medaillenkandidat mehr

Was bleibt, ist die hohe Wahrscheinlichkeit, dass es auch ohne Coronafälle unter regulären Bedingungen nicht für das Halbfinale gereicht hätte. Deutschland ist kein Medaillenkandidat mehr, das muss mittlerweile allen klar sein.

Seit dem EM-Triumph 2016 und dem Gewinn von Olympia-Bronze im gleichen Jahr, hat das DHB-Team dieses häufig selbst gesteckte Ziel in schöner Regelmäßigkeit verpasst. Platz neun bei der WM 2017 und EM 2018, Platz fünf bei der EM 2020, Platz 12 bei der WM 2021 und Platz sieben bis 12 - das muss sich noch zeigen - bei der EM 2022. Lediglich die Heim-WM 2019 bildete mit Rang vier eine Ausnahme.

Das DHB-Team ist selbst unter normalen Umständen schlichtweg nicht so gut besetzt wie die Topnationen Spanien, Dänemark, Frankreich oder Norwegen. Besonders im Rückraum und dort insbesondere auf der Spielmacherposition drückt seit Jahren der Schuh. Das lässt sich nicht innerhalb weniger Monate ändern. Deshalb wäre es völlig unrealistisch, bei der WM im kommenden Jahr in Polen und Schweden an den großen Wurf zu glauben.

Das bedeutet natürlich nicht, dass die deutsche Mannschaft während eines Turniers, wenn wirklich alles passt, nicht mal über sich hinauswachsen könnte. Aber wahrscheinlich ist das eben nicht.

Zwei Jahre als Übergangszeit

Nichtsdestotrotz gibt es Spieler, die durchaus Hoffnung für die Zukunft machen. Der 21-jährige Julian Köster vom Zweitligisten Gummersbach zum Beispiel, der aus deutscher Sicht eindeutig DER Gewinner der Corona-EM ist.

Oder Kapitän Johannes Golla, der jetzt schon auf Weltklasseniveau spielen kann, aber gerade einmal 24 Jahre alt ist und damit noch Luft nach oben hat. Auch der 23-jährige Torhüter Till Klimpke könnte noch viel Freude bereiten. Und Juri Knorr natürlich, wenn er sich dann doch mal impfen lassen würde.

Der DHB und Gislason würden jedenfalls gut daran tun, die kommenden zwei Jahre und damit auch die WM 2023 als Übergangszeit zu deklarieren. Es gilt, jungen Spielern weiterhin Vertrauen und Erfahrung zu schenken und gleichzeitig daran zu arbeiten, mit Hendrik Pekeler den mit Abstand wichtigsten deutschen Handballer von einem DHB-Comeback zu überzeugen.

2024 steigt die EM in Deutschland. Es wäre eine gute Gelegenheit, um nach dann acht Jahren ohne Medaille wieder zum Angriff zu blasen.

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