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Handball

Handball: Kein Lockdown, kein "Wellenbrecher" - HBL-Klubs entscheiden "wie im Fußball"

SID
Die HBL muss ihren Spielplan wegen einiger Corona-Fälle umbauen.
© imago images / wolf-sportfoto

Vier Fälle im DHB-Team, zwei ganze Klubs in Quarantäne - doch die Handball-Liga macht weiter. Ein vorübergehender Lockdown wurde von den Vereinen abgelehnt.

Kein Lockdown, keine Pause: Die Klubs der Handball-Bundesliga haben sich trotz der jüngsten Coronafälle in der Nationalmannschaft gegen einen Spielstopp entschieden. Eine vorübergehende Unterbrechung als Wellenbrecher gegen das Virus fand auf einer Krisensitzung der Klubs am Freitag keine Mehrheit.

"Natürlich gab es auch andere Auffassungen, aber wir haben eine klare Entscheidung getroffen, die von allen Klubs getragen wird", sagte Ligachef Frank Bohmann dem SID nach einer kontrovers geführten Debatte mit den Bossen der 20 Bundesligisten: "Ein Lockdown würde uns in der momentanen Situation nicht weiterhelfen. Damit würden wir unserem eigenen Konzept, das über sechs Spieltage hinweg gut funktioniert hat, das Misstrauen aussprechen."

Zwar kam es am Freitag zu einer weiteren coronabedingten Spielabsage für das Wochenende (Göppingen gegen Wetzlar) - es ist die insgesamt achte binnen weniger Tage. Doch die befürchtete Konsequenz eines Liga-Kollapses aus den turbulenten Ereignissen der letzten Tage mit vier Coronafällen im DHB-Team und zwei kompletten Mannschaften (Minden und Melsungen) in Quarantäne blieb aus. Einen "Wellenbrecher", wie von HBL-Präsident Uwe Schwenker via Kieler Nachrichten ins Spiel gebracht, wird es vorerst nicht geben.

"Es ist eine schwierige Zeit, aber da müssen wir jetzt alle gemeinsam durch. Wir ziehen die angesetzten Spieltage wie im Fußball durch", sagte Bob Hanning, Geschäftsführer der Füchse Berlin, dem SID. Das Hygienekonzept der Liga sei "in sich stimmig und hat sich bislang hervorragend bewährt".

Wandschneider und Hanning geraten aneinander

Die positiven Tests von Johannes Bitter (TVB Stuttgart), Marian Michalczik (Füchse Berlin), Juri Knorr (GWD Minden) und Finn Lemke (MT Melsungen) im Nachgang der Länderspielwoche hatten zuletzt für mächtig Wirbel gesorgt. Und die Unruhe ebbte auch am Freitag nicht vollständig ab.

Diesmal war es Wetzlars Trainer Kai Wandschneider, der den Handball-Mächtigen mit seiner Forderung einer einheitlichen Linie im Umgang mit betroffenen Spielern die Schweißperlen auf die Stirn trieb. Wandschneider hält es für "bizarr", "grotesk" und "in keinster Weise nachvollziehbar", dass in dieser Woche nur einige und nicht alle Ligaspiele mit Beteiligung von DHB-Spielern aus Sicherheitsgründen abgesagt worden waren.

Wetzlar hatte am Donnerstagabend im Ligaspiel gegen Coburg aus freien Stücken und im Sinne einer "gesellschaftlichen Verantwortung" auf seine Nummer eins, Nationaltorhüter Till Klimpke, verzichtet. "Wir haben auch schon was von der Inkubationszeit gehört und wissen alle, dass es mindestens fünf bis sechs Tage sind", polterte Wandschneider - und erntete für seinen verbalen Rundumschlag Kritik von Füchse-Boss Hanning.

"Seine Aussagen haben bei vielen in der Liga für viel Unverständnis gesorgt", sagte Hanning. Wandschneider konterte im Gespräch mit dem SID am Freitag: "Jetzt holt er die Kanone raus und schießt auf einen Spatzen."

Die Entscheidung fürs generelle Weiterspielen fand aber auch bei Wandschneider Zuspruch. "Mir ging es bei meiner Kritik um die ersten sieben Tage nach solch einer Länderspielwoche. Da gehören alle Spiele mit Beteiligung von Nationalspielern abgesagt. Und da wünsche ich mir für das nächste Mal Unterstützung durch klare Regeln." Ganz im Sinne der Gesellschaft.

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