Handball

Handball-EM - DHB-Team vor Herkulesaufgabe: Deshalb geht es gegen Spanien schon um alles

Deutschland bekommt es im zweiten EM-Spiel mit Spanien zu tun.

Zwei Tage nach dem Auftaktsieg gegen die Niederlande bekommt es Deutschland im zweiten Vorrundenspiel bei der EM in Norwegen, Schweden und Österreich mit Spanien zu tun (Sa., 18.15 Uhr im LIVETICKER). Gegen die "alten Männer" des Titelverteidigers geht es bereits um die Wurst.

Wird der Druck brutal, oder geht die Tür zum Halbfinale weit auf? Diese Frage wird bereits am Samstag in der Nidarohalle in Trondheim für die Mannschaft von Bundestrainer Christian Prokop beantwortet.

Der Grund: Wenn alles normal läuft, qualifizieren sich aus der Gruppe C Deutschland und Spanien für die nächste Runde. Und das Ergebnis, das gegen das ebenfalls weiterkommende Team der Vierergruppe erzielt wird, wird in die Zwischenrunde mitgenommen.

Dort bekäme es die DHB-Auswahl in Wien in einer der beiden Sechsergruppen mit den erst- und zweitplatzierten Teams der Gruppen A und B und damit mit vier Mannschaften aus Kroatien, Weißrussland, Serbien, Montenegro, Nordmazedonien, Österreich, Tschechien und der Ukraine zu tun.

Hanning: "Sonst wird es ein schwieriger Weg"

Man darf davon ausgehen, dass Kroatien, das neben Spanien aller Voraussicht nach der Hauptkonkurrent des DHB-Teams um den Einzug ins Halbfinale sein wird, alle seine Vorrundenspiele gewinnen und damit mit zwei Punkten auf dem Konto in die Hauptrunde einziehen wird.

Die DHB-Auswahl muss gegen die Iberer also mindestens ein Unentschieden erreichen, um wenigstens einen Zähler mitzunehmen, bei einem Sieg wären es zwei Punkte. Gelingt dies nicht, darf in Wien absolut nichts mehr schieflaufen - wahrscheinlich wären sogar vier Siege in vier Spielen nötig, um noch die Chance auf einen der ersten beiden Plätze zu wahren.

"Das Duell Deutschland gegen Spanien ist ein absoluter Klassiker", sagte DHB-Vizepräsident Bob Hanning bei der Pressekonferenz am Freitag: "Rechnen kann jeder: Wir haben den großen Traum vom Halbfinale und die ganz großen drei Namen sind Kroatien, Spanien und Deutschland. Wir wissen natürlich, wie schwer es ist, auch alle anderen Nationen zu schlagen. Aber wenn wir das Spiel gegen Spanien gewinnen würden, würde das einiges leichter machen. Ansonsten wird es ein schwieriger Weg."

Bitter: "Müssen Prokops Plan gnadenlos durchziehen"

Allerdings geht Deutschland aufgrund der zahlreichen Ausfälle als Underdog in die Partie gegen den Europameister von 2018, der mit voller Kapelle nach Norwegen gereist ist. "Spanien ist eine Topmannschaft, das beweisen sie in jedem Turnier. Sie haben eine intelligente Spielstruktur und gehen als Favorit in das Spiel. Aber wir rechnen uns natürlich trotzdem etwas aus", stellte Prokop klar.

Spanien verfüge mit der 6:0- und 5:1-Deckung über zwei sehr gute Abwehrsysteme, erklärte der Bundestrainer weiter. Man habe aber Schwachstellen erkannt und Lösungen parat, machte der 41-Jährige Hoffnung.

"Wir müssen Ruhe bewahren und den Plan des Bundestrainers gnadenlos durchziehen", meinte Torhüter Jogi Bitter: "Was Christian uns beim Videostudium in dieser Hinsicht gezeigt hat, sah nach einer sehr guten Lösung aus."

Der 37-jährige Routinier forderte seine Teamkollegen dazu auf, positiv in die Partie zu gehen und die Rolle des Außenseiters für sich zu nutzen. "Vielleicht merkt man es den Spaniern ja an, dass sie gewinnen müssen. Es ist für uns trotz allem kein Do-or-Die-Spiel. Vielmehr ist es ein Spiel, das uns eine große Chance bietet, so richtig ins Turnier reinzukommen."

Zehn von 17 Spaniern sind über 30 Jahre alt

Dass Spanien nervös wird, ist allerdings unrealistisch. Schließlich tummelt sich im Kader von Trainer Jordi Ribera unfassbar viel Erfahrung auf allerhöchstem Niveau. Wie schon in den vergangenen Jahren sollen es beim zweimaligen Weltmeister die "alten Männer" richten.

Zehn der 17 Spieler im Aufgebot der Südeuropäer, die mit dem nahezu identischen Kader wie bei der WM 2019 antreten, sind über 30 Jahre alt. Die großen Namen wie Rückraumspieler Raul Entrerrios vom FC Barcelona (38 Jahre) oder Kielce-Kreisläufer Julen Aguinagalde (37) gehen gar stramm auf die 40 zu.

Beide verfügen ebenso wie die Rückraumstrategen Joan Canellas (Pick Szeged/33) und Daniel Sarmiento (Saint-Raphael/36) allerdings nicht mehr ganz über die Durchschlagskraft vergangener Jahre.

Dafür sind mittlerweile eher Rückraumspieler Alex Dujshebaev (KS Vive Kielce), der zukünftige PSG-Rechtsaußen Ferran Sole (Toulouse) oder das bärenstarke Torhütergespann Gonzalo Perez de Vargas (FC Barcelona) und Rodrigo Corrales (Paris Saint-Germain) zuständig.

Canellas: Die Chancen stehen "50:50"

Das DHB-Team kennt die Spanier von den vergangenen Turnieren jedenfalls in- und auswendig. 2016 setzte sich Deutschland im EM-Endspiel in Polen mit 24:17 durch. Zwei Jahre später siegten die Spanier im entscheidenden EM-Hauptrundenspiel in Kroatien mit 31:27. Bei der Heim-WM im vergangenen Jahr gewann dann wieder die Prokop-Truppe in der Hauptrunde mit 31:30.

"Spanien spielt taktisch, verschleppt das Tempo. In der Verteidigung stellen sie Fallen, um schlechte Würfe zu erzwingen", sagte Rückraumspieler Fabian Böhm. "Wir müssen eine Menge besser machen als im ersten Spiel", erklärte Kreisläufer und Abwehr-Ass Patrick Wiencek: "Bei allem Respekt vor Holland: Spanien wird ein ganz anderes Kaliber."

Ihr Auftaktspiel gewannen die Spanier am Donnerstag mit 33:22 gegen Lettland. Sie waren dabei ebenso weit weg von ihrem hundertprozentigen Leistungsvermögen wie die deutsche Auswahl gegen die Niederlande.

Canellas, der in der Bundesliga für den THW Kiel und den HSV Hamburg aktiv war, bezeichnete das DHB-Team als "gute Mannschaft. Etwas von Verletzungen geplagt, aber sonst sind sie sehr gut".

Sein Team wisse aber, "was wir machen müssen und wir kennen die Spieler. Ich hoffe, dass wir es mit unserer Erfahrung schaffen können." Die Chancen für Samstag bezifferte Canellas auf "50:50".

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