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Handball

HSV gewinnt die Champions League

Von Felix Götz
Erst in der Overtime konnte sich der HSV den Titel sichern
© getty

Hamburg hat erstmals die Champions League gewonnen. Das Team von Trainer Martin Schwalb setzte sich beim Final Four nach dem 39:33-Sieg im Halbfinale gegen den THW Kiel auch in einem dramatischen Endspiel gegen den FC Barcelona durch - 30:29 nach Verlängerung. Beste Werfer bei Hamburg waren vor 20.000 Zuschauern in der ausverkauften Lanxess Arena in Köln Hans Lindberg und Mimi Kraus mit jeweils sechs Toren. Bei Barcelona überragte Siarhei Rutenka mit acht Treffern.

Hamburg - FC Barcelona n.V. 30:29 (25:25, 9:11)

Hamburg: Kraus (6), Lindberg (6/3), Petersen (5), Duvnjak (4), Lijewski (3), Vori (2), Jansen (2), Lackovic (2) für Hamburg.

Barcelona: Rutenka (8/2), Tomas (7), Gurbindo (3), Garcia (3), Nöddesbo (3), Sarmiento (2), Sorhaindo (1), Stranovsky (1), Montoro (1)

"Wir sind einen ganz langen Weg gegangen, erst mit der Qualifikation, der schweren Gruppe, dem harte Viertelfinale und dann wussten wir, dass wir erst Kiel und danach auch noch Barcelona schlagen müssen. Deshalb denke ich, dass alle anerkennen, das wir verdient gewonnen haben", sagte HSV-Coach Martin Schwalb. Und Mimi Kraus ergänzte: "Unfassbar, man kann das überhaupt nicht beschreiben. Jetzt dürfen wir uns die Könige von Europa nennen."

Doch dem waren 70 Minuten harte Arbeit vorausgegangen. Wie erwartet war es von Beginn an eine sehr intensive, aber auch von Nervosität geprägte Partie. Beide Teams leisteten sich in den ersten Minuten einige Fehler. Nur beide Torhüter waren sofort voll auf Betriebstemperatur. Johannes Bitter und Danijel Saric zeigten starke Paraden. Nach zehn Minuten führte Barcelona dennoch mit 4:2.

Nun mussten die Norddeutschen in kürzester Zeit eine Reihe von fragwürdigen Schiedsrichterentscheidungen verdauen. Erst wurde ein Schrittfehler gegen Pascal Hens gepfiffen, dann ein Offensivfoul gegen Hans Lindberg. Schließlich musste Igor Vori auch noch für zwei Minuten vom Feld.

Zudem agierte Barcelona, das sich im Halbfinale mit 28:23 gegen Kielce durchgesetzt hatte, mit einer extrem aggressiven und offensiven Abwehr. Der HSV blieb trotzdem dran - 5:6 stand es nach 15 Minuten. Sieben Minuten später hielt Marcin Lijewski aus dem Rückraum drauf und traf zum 8:8.

Saric steht wie eine Wand

Nun bekam der HSV kaum noch vernünftige Würfe, weshalb Saric minutenlang nicht zu bezwingen war. Glücklicherweise kam in dieser Phase auch das Team von Trainer Xavier Pascual nur zu zwei Toren.

Bester Mann bei den Katalanen war im ersten Durchgang Rutenka mit vier Treffern und zahlreichen hervorragenden Zuspielen. Zur Pause lief Hamburg einem Zwei-Tore-Rückstand hinterher - 9:11.

Kurz nach der Pause hatte Lindberg die große Chance zum 11:11, aber sein Siebenmeter wurde von Saric entschärft. Das rächte sich. In der 35. Minute gelang Victor Tomas nach einem Tempogegenstoß der Treffer zum 13:10.

Die Mannschaft von Trainer Schwalb kämpfte sich wieder heran, musste beim Tor zum 12:13 allerdings eine Schrecksekunde verkraften. Torschütze Vori verdrehte sich leicht das Knie, konnte glücklicherweise nach einer kurzen Pause aber weiterspielen.

Domagoj Duvnjak erzielte das dritte Tor in Folge für den HSV - 13:13. Dann stellte sich Hamburg allerdings ungeschickt an. In Überzahl kassierte der Tabellenfünfte der Bundesliga zwei Gegentore, ohne selbst einen Treffer zu erzielen.

Bitter hält überragend

Die Partie wurde nun immer intensiver und Bitter parierte mehrfach überragend. In der 43. Minute kam Vori zurück und brachte den Underdog prompt zum ersten Mal überhaupt in Führung - 16:15. Die Stimmung in der Kölner Arena stieg, Barcelonas in der ersten Hälfte so starke Abwehr bot ab und zu Lücken.

Fredrik Petersen nutzte dies, sprang von außen ein und versenkte, die Hamburger führten nun mit zwei Toren Vorsprung. Das Schwalb-Team hielt in der Folgezeit eine knappe Führung. Auch, weil Kraus plötzlich groß aufspielte und drei ganz wichtige Tore machte.

Zehn Minuten vor Schluss war die Partie aber wieder völlig offen. Der mittlerweile für Saric im Tor stehende Arpad Sterbik, der stark spielte, parierte mehrfach glänzend und Tomas erzielte im Gegenzug das 20:20. Neun Minuten waren noch zu spielen.

Zwei tolle Paraden von Bitter, Lindberg nach einem genialen Anspiel von Duvnjak und Kraus, der in der ersten Halbzeit gar nicht spielte und insgesamt sechs Mal traf, mit seinen Toren vier und fünf sorgten für die 23:20-Führung. Barcelona verlor nun den Faden. In Unterzahl erhöhte Hamburg durch Petersen sogar auf vier Tore Vorsprung.

Die Spanier sammelten sich und bissen sich zurück ins Spiel - es entwickelte sich ein Drama auf höchstem Niveau. Viereinhalb Minuten vor dem Ende verkürzte Rutenka mit seinem siebten Tor per Siebenmeter auf 22:24. Kurz darauf behielt Jesper Nöddesbo in Überzahl am Kreis die Nerven - 23:24. Und es kam noch schlimmer: Tomas glich aus. In drei Minuten hatten die Hamburger also einen Vier-Tore-Vorsprung verspielt.

Ab in die Verlängerung

Mit 25:25 ging es in die Schlussminute. Lindberg scheiterte an Sterbik, drei Sekunden vor Schluss parierte Bitter einen Wurf von Rutenka. Es ging in die Verlängerung, zwei Mal fünf Minuten gab es extra.

Die Verlängerung begann perfekt aus Hamburger Sicht. Zwei Minuten waren gespielt, da hatte Duvnjak mit zwei Toren den HSV mit 27:25 in Führung gebracht. 28:26 stand es für Hamburg vor den letzten fünf Minuten.

Hamburgs Zwei-Tore-Führung hielt nur 120 Sekunden, Garcia erzielte das 29:29. Vori holte auf der Gegenseite einen Siebenmeter heraus, den Lindberg eiskalt verwertete. Bitter parierte anschließend sensationell gegen Gurbindo und Garcia. In der letzten Sekunde gab es noch einmal einen Freiwurf für Barcelona. Doch Rutenka blieb in der Mauer hängen, in Köln brachen alle Dämme.

Hamburg hat sich nach zwei unglaublichen Auftritten gegen Kiel und Barcelona den Champions-League-Sieg völlig verdient.

Die Handball-Final-Four 2013 im Überblick

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