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Golf

"Den Sieg anzustreben, wäre zu hoch gegriffen"

Von Florian Regelmann
Martin Kaymer hat in Augusta erst einmal den Cut geschafft
© getty

Martin Kaymer geht mit einer realistischen Einschätzung in das für ihn komplizierteste Major des Jahres. Das Top-5-SPOX-Favoritenranking wird von Phil Mickelson und Tiger Woods angeführt.

Masters 2008: CUT (76+72)

Martin Kaymer startet bei seinem Augusta-Debüt miserabel, kämpft sich am zweiten Tag aber stark zurück und hat nach einer Aufholjagd die Qualifikation fürs Wochenende fest im Blick. Bis die 16 kommt. Ein Doppel-Bogey wirft Kaymer zurück, er verpasst den Cut um einen einzigen Schlag.

Masters 2009: CUT (71+76)

Kaymer gelingt bei seiner zweiten Teilnahme seine bis heute einzige Unter-Par-Runde in Augusta, dennoch klappt es nicht mit dem Cut. Bei extrem schwierigen Bedingungen mit böigen Winden bis zu 50 km/h wird Kaymer am zweiten Tag durchgereicht. Großes Problem: die Putts. Kaymer spielt eigentlich gut, kommt aber mit den Grüns gar nicht zurecht, verschiebt viele kurze Dinger und fabriziert so viele Dreiputts.

Masters 2010: CUT (76+73)

Dritter Versuch, wieder nix. Kaymer trifft in seinen ersten beiden Runden viel zu wenige Grüns (16/36), auch ein guter Beginn an Tag 2 mit Birdies an der 2 und 4 führt letztlich nicht zum Erfolg. Wieder findet das Masters-Wochenende ohne den Deutschen statt.

Masters 2011: CUT (78+72)

Diesmal kommt Kaymer als Weltranglistenerster nach Augusta, aber der Frust wird nur noch größer. Nach einer grauenvollen 78 ist das Turnier 2011 nach einem Tag für ihn eigentlich schon wieder vorbei, Ratlosigkeit macht sich breit. Das einzig Positive ist noch das Ende der 2. Runde: Birdie an der 18. Dennoch reist Kaymer als 83. unter 99 Spielern wieder ab.

Masters 2012: T44 (72+75+75+72)

Kaymer spielt zwar im Kampf um den Sieg keine Rolle, er schafft aber im fünften Anlauf das, was er davor noch nie geschafft hat: den Cut. Er liegt am ersten Tag sogar mal kurzzeitig an der Spitze des Leaderboards. An Birdies mangelt es wahrlich nicht auf Kaymers Scorekarte. 16 Birdies bedeuten in dieser Kategorie am Ende sogar einen Top-10-Platz. Leider stehen den 16 Birdies 22 Bogeys gegenüber.

Masters 2013: ???

Was soll man im sechsten Anlauf von Kaymer erwarten, wenn er am Donnerstag um 19.30 Uhr (1. Runde ab 16.45 Uhr im LIVE-TICKER) in einem Monster-Flight gemeinsam mit Phil Mickelson und Louis Oosthuizen auf die Runde geht? Eins ist klar: Er wird angesichts der Flight-Zusammenstellung hautnah erleben, wie man Augusta spielt.

Es ist brutal schwer zu sagen, was man von Kaymer erwarten kann. Die Fakten sprechen bekanntlich eine recht eindeutige Sprache: Kaymer spielt bislang in Augusta im Schnitt eine 74, besser als eine 71 hat er überhaupt noch nicht zustande gebracht.

Und die Form? Seit er zum Ryder-Cup-Helden wurde und 2012 mit einem Sieg im Einladungsturnier in Südafrika abschloss, ist Kaymers aktuelle Leistungsstärke schwer zu beurteilen. Das Jahr 2013 begann mit Top-10-Ergebnissen in Abu Dhabi und Katar stark, auch die Match Play Championship (Achtelfinale) lief ordentlich.

Der März war jetzt aber eher durchwachsen. Nach mittelmäßigen Wochen bei der Honda Classic (T51.) und Cadillac Championship (T49.) verpasste Kaymer bei der Tampa Bay Championship den Cut, ehe er Pause machte und sich konzentriert aufs Masters vorbereitete. Schaut man sich Kaymers Stats auf der US PGA Tour an, fällt zum Beispiel auf, wie wenige Birdies (2,42) er pro Runde notiert.

"Das erste Ziel ist der Cut"

Wenn Ex-Masters-Champion Zach Johnson im SPOX-Interview sagt, dass ihn ein Sieg Kaymers nicht überraschen würde, ist er damit in der Minderheit, wenn man ehrlich ist. Kaymer wird in keinem Favoritenranking auftauchen, auch als Sleeper Pick gibt es andere Kandidaten.

"Grundsätzlich kann und will ich erfolgreicher spielen, als ich es bislang getan habe. Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich Turniere gewinnen möchte! Auf der anderen Seite habe ich auch schon drei Top-10-Platzierungen erreichen können und es gibt noch viele, viele Möglichkeiten für mich diese Saison. Ich bin zuversichtlich und freue mich nach einer kurzen Pause nun auf das Masters und die vielen anstehenden Turniere", sagt Kaymer kurz vor dem Masters-Start gegenüber SPOX.

Er weiß aber selbst zu gut, dass seine Beziehung zu Augusta nicht unkompliziert ist. "Das erste Ziel ist der Cut. Am Wochenende kann ich dann immer noch weitersehen. Den Sieg anzustreben, wäre nach den letzten fünf Auftritten in Augusta vielleicht etwas zu hoch gegriffen", so Kaymer ehrlich.

Vielleicht kann ja Bernhard Langer wieder einmal als Hilfe dienen. Schon beim Ryder Cup war der zweimalige Masters-Champion eine Inspiration, wie Kaymer im SPOX-Interview verriet.

Gespräch mit Langer

"Ich habe mich mit Bernhard hingesetzt und wir haben über Einstellung und Leidenschaft gesprochen. Wenn du in einer Einzelsportart plötzlich in einem Team stehst, ist es schwierig. Manche gehen darin total auf, wie im Fall von Ian Poulter. Und bei manchen dauert es aber etwas länger. Bernhard und ich haben uns anderthalb Stunden unterhalten. Es gab gar nicht einen besonderen Aspekt, den ich aus dem Gespräch mitgenommen habe, es hat mir insgesamt einfach sehr gut getan und mich motiviert."

Auch vor dem Masters gab es jetzt wieder Zeit für ein Gespräch. "Ich habe mich wieder mit Bernhard unterhalten und wir haben auch ein paar Löcher gespielt. Auch das Par-3-Turnier am Mittwoch werden wir gemeinsam mit Larry Mize spielen", erzählt Kaymer.

In den letzten Tagen verbrachte Kaymer auch Zeit, um mit seinen Fans auf Facebook zu kommunizieren und sehr ausführlich Fragen zu beantworten.

Hier gibt's alle Kaymer Antworten im Überblick

Es spricht per se nicht wahnsinnig viel dafür, dass Kaymer in dieser Woche plötzlich um den Sieg mitspielen wird, aber das heißt nicht, dass es nicht passieren kann... Dafür ist Kaymers Talent unbestritten viel zu groß und Golf viel zu unberechenbar.

SPOX-Top-5:

  • 1. Phil Mickelson: Ist es Zeit für den vierten Lefty-Streich? Mickelson ist in Augusta praktisch per Gesetz vorne dabei. Mit seiner neuen Mischung aus Driver und Holz 3 als Wunderwaffe wird das dieses Mal sicher wieder so sein.
  • 2. Tiger Woods: Drei Turniersiege stehen 2012 schon für ihn zu Buche, aber was bringt es, wenn der letzte Major-Sieg aus dem Jahr 2008 datiert? Wie Tiger zuletzt geputtet hat, war absolut unfassbar. Kann er das halten? Woods ist auf jeden Fall gut drauf: "Ich habe das Gefühl, dass ich gerade in der Mitte meiner Karriere bin. Ich habe noch viele gute Jahre vor mir."
  • 3. Justin Rose: Auch wenn Rory McIlroy wieder besser in Fahrt kommt, heißt die größte Hoffnung für den ersten europäischen Sieger seit 1999 (Jose Maria Olazabal) Rose. Die Form ist bombig: Der Engländer steht weltweit aktuell bei 12 Top-25-Ergebnissen in Serie!
  • 4. Louis Oosthuizen: Verlor im letzten Jahr das Stechen gegen Bubba Watson und ist immer ein guter Siegtipp. Ihm gehört zweifellos einer der traumhaftesten Golfschwünge auf der Welt.
  • 5. Keegan Bradley: Kommt mit vier Top-10-Resultaten in Folge zum Masters.
  • Sleeper: Nicolas Colsaerts wäre ein Kandidat, aber der Belgier scheidet aus, weil ein Debütant das Masters eigentlich nicht gewinnen kann. Zuletzt schaffte das Fuzzy Zoeller - und das ist 34 Jahre her! Die SPOX-Wahl fällt auf Jason Day. Der Australier weiß, wie man Augusta spielt (2. Platz 2011). Und er ist 2013 bärenstark in Form.

Der Stand in der Weltrangliste

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