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Fussball

Das Spiel gerät zur Nebensache

SID
Die höchste Heim-Niederlage der Alemannia am Montagabend ist nur noch zweitrangig
© Getty

Was als große Party begann, endete mit einer Tragödie. Bei der Einweihung der neuen Alemannia-Arena gegen St. Pauli stürzte ein Fan vom Block herunter - und schwebt weiterhin in Lebensgefahr.

Nachdem die Aachener beim 0:5 (0:4) gegen den FC St. Pauli durch die höchste Heimniederlage aller Zeiten bereits sportlich ein Debakel erlebt hatten, war auch bei den Hamburgern die Feierstimmung schnell in Betroffenheit und Entgeisterung umgeschwungen.

Ein 39 Jahre alter Fan war nach dem Schlusspfiff aus rund sechs Metern Höhe auf den Asphalt geknallt. Von den Profis, die sich zu diesem Zeitpunkt eigentlich im Block feiern lassen wollten, mussten es einige mit ansehen.

"Unsere Spieler sind fix und fertig"

"Das sah ganz, ganz schlimm aus. Unsere Spieler sind fix und fertig", sagte Paulis Sportdirektor Helmut Schulte. Der Mann, der mit freiem tatöwiertem Oberkörper und blutendem Kopf zunächst reglos auf dem Boden gelegen hatte, schwebte nach Angaben der Aachener Polizei auch am Dienstag noch in Lebensgefahr.

Nach diesem Vorfall konnte sich im Hamburger Lager niemand mehr über den höchsten Zweitliga-Auswärtssieg seit fast 22 Jahren und die erste Tabellenführung seit neun Jahren freuen.

"Ich tausche die Tabellenführung gegen die Gesundheit des Menschen", sagte Trainer Holger Stanislawski. Und auch für sein Gegenüber Jürgen Seeberger war das sportliche Debakel zweitrangig. "Mir ist richtig schlecht", berichtete er mit bleichem Gesicht.

Polizei geht von Unfall aus

Zumindest müssen die Aachener wohl keine rechtlichen Folgen fürchten. Nach ersten Untersuchungen war der Unfall des Mannes, bei dem es sich um einen Mexikaner handeln soll, auf seine eigene Fahrlässigkeit zurückzuführen.

Paul Kemen, Pressesprecher der Aachener Polizei erklärte in einer offiziellen Stellungnahme: "Nach dem jetzigen Stand der noch laufenden Ermittlungen ist von einem Unfall auszugehen. Es gibt weder Anhaltspunkte auf eine Fremdeinwirkung noch auf Mängel in der Bausubstanz oder in der Bauausführung am neuen Tivoli."

Ein Alemannia-Sprecher meinte, dem Verein sei von sämtlichen Behörden bescheinigt worden, dass keine baulichen Fehler vorlägen: "Wir müssen uns dennoch damit auseinandersetzen, wie wir damit umgehen."

Schlimme Premiere für den neuen Tivoli

Der Fan war offenbar auf die bauchhohe Brüstung des Blocks geklettert und hatte das Gleichgewicht verloren. Er erlitt Gesichtsverletzungen und eine schwere Kopfverletzung und musste im Stadion zunächst reanimiert werden.

Noch in der Nacht konnte sein Zustand von den Ärzten einigermaßen stabilisiert werden. St. Pauli hatte am Vormittag auf seiner Homepage sogar schon voreilig vermeldet, der Fan befände sich außer Lebensgefahr.

Dem war aber nicht so."Wir stehen in ständigem Kontakt mit den Angehörigen. Der Zustand im Koma ist stabil, aber dennoch besteht wohl noch Lebensgefahr", sagte St. Paulis Pressesprecher Christian Bönig.

Somit hätte die Premiere der in nur 15 Monaten für 50 Millionen Euro erbauten Arena nicht schlimmer verlaufen können.

Ehemalige Aachener treffen gegen die Alemannia

In den letzten acht Wochen hatten die Arbeiter nahezu durchgeschuftet, um das Stadion rechtzeitig fertigzustellen. Die ganze Region hatte der Eröffnung entgegengefiebert.

Als um 17 Uhr die Stadiontore öffneten, stürmten bereits zahlreiche Fans den neuen Tivoli, der das Versprechen "gelb, laut und steil" zu sein, absolut erfüllte.

Als die ehemaligen Aachener Marius Ebbers (24./28.) und Florian Bruns (39., Foulelfmeter) sowie der im Sommer fast nach Aachen gewechselte Deniz Naki (35.) vor der Pause ein 4:0 für die entfesselt und wie ein Aufsteiger aufspielenden Gäste herausschossen, schlug die Stimmung bei den meisten der 32.960 Zuschauer von Fröhlichkeit in Empörung um.

Stuckmann: "Wir haben es versaut"

Als Rouwen Hennings in der 86. Minute das 5:0 für die Gäste schoss, war mehr als ein Drittel der gelben Sitze schon leer. Die Pauli-Spieler ließen sich zu diesem Zeitpunkt noch feiern.

Die Aachener analysierten noch das historische sportliche Debakel; die bisher einzige 0:5-Heimpleite hatte es 1947 in der Oberliga West gegen die SpVgg Erkenschwick gegeben.

"Wir können uns nur entschuldigen", meinte Torhüter Thorsten Stuckmann. "Wir haben es versaut. Das war katastrophal", sagte Kapitän Cristian Fiel. Und Trainer Jürgen Seeberger sprach davon, dass man "ins Verderben gelaufen wäre".

Dann kam die Nachricht vom Sturz des Pauli-Anhängers. Und bei Fans und Spielern herrschte nur noch Schweigen.

Aachen - St. Pauli: Daten & Fakten

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