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Fussball

"Als Trainer habe ich schon einiges erreicht"

Von Interview: Tiny Peter
Nach seinem Engagement bei Red Bull Salzburg übernahm Thorsten Fink im Sommer den FC Ingolstadt
© Getty

Thorsten Fink hat es mit dem FC Ingolstadt momentan alles andere als leicht. Nach acht Spielen in Serie ohne Sieg und nur vier geschossenen Toren in der Rückrunde liegt der Aufsteiger jetzt auf dem Relegationsplatz 16. Im SPOX-Interview spricht der Ex-Bayern-Spieler über die Gründe der Krise, sein Verhältnis zum FCI-Vorstand und seinen persönlichen Stil.

SPOX: Herr Fink, Ihre Mannschaft hat vergangene Woche nach langer Zeit mal wieder ein Spiel gewonnen: 4:2 gegen den FC Aarau. Wie bewerten Sie dieses Spiel?

Thorsten Fink: Meine Mannschaft hat gemerkt, dass sie auch einen Schweizer Erstligisten beherrschen kann. Solche Spiele tun der Mannschaft gut und sind eine willkommene Abwechslung. Ich denke, wir werden gestärkt und mit mehr Selbstvertrauen in die nächsten Spiele gehen.

SPOX: 21 Punkte holte Ingolstadt in der Hinrunde. Doch in der Rückrunde hat Ihr Team meist enttäuscht. Woran hapert es momentan?

Fink: Wir wurden zum Rückrunden-Start mit dem 1:6 gegen Greuther Fürth richtig kalt erwischt. Von dieser Niederlage haben wir uns einfach nicht erholen können. Die Mannschaft wurde von Spiel zu Spiel ein bisschen nervöser. Mittlerweile haben wir uns wieder etwas gefangen und spielen wieder besser. Das einzige, was uns jetzt nur noch fehlt, ist ein Erfolgserlebnis. 

SPOX: Am Freitag geht es nach Augsburg und dann kommt Wehen-Wiesbaden. Inwieweit sind diese beiden Spiele richtungweisend für den Ausgang der Saison? Immerhin heißen die Gegner anschließend Freiburg, Mainz und Nürnberg...

Fink: In der Hinrunde haben wir Freiburg und Mainz geschlagen. Oft holt man die Punkte gegen Mannschaften, wo man es am wenigsten erwartet. Dennoch sind die nächsten Spiele gegen Augsburg und Wehen sicherlich richtungweisend. Wir dürfen uns keine zwei Niederlagen erlauben,sondern müssen mindestens vier Punkte holen. Bei Mainz läuft momentan auch nicht alles rund, von daher kann man auch dort bestehen. Doch zunächst gilt unsere ganze Konzentration dem Spiel gegen Augsburg.

SPOX: Ingolstadts Aufsichtsratschef Peter Jackwerth hat nach dem 0:0 gegen Duisburg in einem Interview mit dem "Donaukurier" gesagt: "Was mich ein bisschen stört, ist, dass Thorsten Fink bisher stets seine schützende Hand über die Mannschaft hält. Er muss jetzt auch mal Rabatz machen und sagen, dass das so nicht reicht." Was sagen Sie zu dieser Äußerung?

Fink: Ich kann mir eigentlich nicht vorstellen, dass Herr Jackwerth das so gesagt hat. Er hat dem ganzen Trainerteam nach dem Spiel gesagt, dass wir alles richtig gemacht haben. Außerdem hat die Mannschaft von mir oft genug einen auf den Deckel gekriegt - das bekommt Herr Jackwerth ja gar nicht mit. Natürlich darf ein Trainer eine Mannschaft nicht immer nur streicheln. Doch wenn einer Mannschaft ohnehin das Selbstvertrauen fehlt, bringt es auch nichts, drauf zu hauen.

SPOX: Im gleichen Atemzug meinte Herr Jackwerth auch, dass er nach wie vor vollstes Vertrauen zu Ihnen hat. Spüren sie dieses Vertrauen immer noch?

Fink: Ja. Warum sollte Herr Jackwerth das auch nicht tun? Bisher wurde mir vom Aufsichtsrat in keiner Weise signalisiert, dass ich als Trainer in Frage gestellt werde. Doch mir ist auch klar, dass der Verein mich nicht länger unterstützen kann, wenn ich als Trainer auch die nächsten zwei, drei Spiele verliere. Das wäre auch völlig nachvollziehbar.

SPOX: Sie meinten einmal in einem Interview, dass Sie von Grund auf ein positiver Mensch sind. Warum also, wird Ingolstadt in der 2. Liga bleiben?

Fink: Wir haben einfach die Qualität in der Mannschaft, um in der 2. Liga zu bleiben. Ich bin total von meiner Mannschaft überzeugt und habe vollstes Vertrauen - auch in meine eigene Leistung als Trainer. Ich werde in Ruhe mit der Mannschaft weiterarbeiten und nicht einfach meine ganze Trainingsweise umkrempeln, nur weil es momentan nicht so gut läuft. In solchen Situationen ist es wichtig, dass ein Trainer seiner Linie treu bleibt.

SPOX: Würde die Mannschaft vielleicht auch wieder erfolgreicher spielen, wenn sie mehr Unterstützung von den Fans bekommen würde? Der Zuschauerschnitt liegt unter 6.000...

Fink: Das würde ich nicht sagen. An unseren Fans gibt es nichts zu kritisieren. Es liegt viel mehr an der Architektur des Stadions. Von der Akustik her ist in unserem kleinen Stadion derzeit einfach nicht mehr drin. Unsere Fans unterstützen uns, so gut es geht. Natürlich läuft der eine oder andere Spieler einige Meter mehr, wenn ihn 30.000 Fans anfeuern. In unserem neuen Stadion werden unsere Fans viel besser zu hören sein - darauf freue ich mich jetzt schon.

SPOX: Was fehlt dem Verein noch, um sich langfristig in der 2. Liga festbeißen zu können?

Fink: Die Trainingsmöglichkeiten müssen auf jeden Fall verbessert werden. Doch da ist schon einiges in Arbeit. Uns fehlt ein guter Kunstrasenplatz, auf dem man auch im Winter ordentlich trainieren kann. Auch ein beheizter Trainingsplatz soll meinem Team bald zur Verfügung stehen. Und das neue Stadion ist auch so gut wie fertig. Der Verein ist demnach insgesamt auf einem guten Weg.

SPOX: Sie spielten selber unter Trainergrößen wie Ottmar Hitzfeld oder Giovanni Trapattoni. Inwieweit profitieren Sie als Trainer davon?

Fink: Ich hatte das Glück, unter vielen guten Trainern Erfahrungen sammeln zu können. Ich habe mir von jedem etwas abgeguckt und bringe heute einige Vorkenntnisse in meine Arbeit mit ein. Doch letztlich muss jeder Trainer seinen eigenen Stil finden.

SPOX: Wie sieht Ihr persönlicher Stil aus?

Fink: Auf dem Platz bin ich sehr autoritär. Dennoch können meine Spieler immer zu mir kommen. Auch abseits des Feldes gebe ich gerne Ratschläge. Doch ich bin sicherlich auch sehr erfolgsorientiert und kann in dieser Hinsicht auch sehr egoistisch sein. Ich möchte mich auch persönlich weiterentwickeln und Erfolg haben. Und wenn ich merke, dass jemand diesen Erfolg stört, muss ich als Verantwortlicher auch mal knallhart durchgreifen.

SPOX: Sie gehören zu einer neuen Trainergeneration in Deutschland. Viele Ihrer ehemaligen Spieler-Kollegen wie Markus Babbel oder Jürgen Klinsmann sitzen heute auf der Trainerbank. Macht die Erfahrung als Fußballprofi automatisch einen guten Trainer?

Fink: Um Gottes Willen! Nicht jeder Fußballer ist automatisch auch ein guter Trainer. Doch es ist sicherlich hilfreich, wenn man mal ein guter Spieler war. All die Vorkenntnisse und Erfahrungen, die ich während meiner aktiven Zeit als Fußballer gesammelt habe, kann ich nun in meine Arbeit als Trainer einfließen lassen. Außerdem hilft mir meine eigene Spielerkarriere dabei, mich in bestimmten Situationen in die Spieler hineinzuversetzen.

SPOX: Wie zufrieden sind Sie bis jetzt mit ihrer persönlichen Bilanz als Coach?

Fink: In meinen ersten eineinhalb Jahren als Trainer habe ich schon einiges erreicht. Aber ich möchte mich natürlich weiterentwickeln. Im Fußball muss man sich jeden Tag aufs Neue beweisen.  

SPOX: Bisher haben Sie in Ihrer Trainerkarriere eigentlich nur Höhenflüge erlebt. Wie stecken Sie solche Durststrecken, wie jetzt mit Ingolstadt, weg?

Fink: Bisher sehr gut. Durch solche Durststrecken reift man persönlich. Man braucht auch mal negative Erlebnisse, um in seiner späteren Laufbahn voranzukommen.

Thorsten Fink im Porträt

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