-->
Cookie-Einstellungen
Fussball

Who the Hell is Oenning?

Von Interview: Stefan Moser
Nürnbergs Trainer Michael Oenning am Premiere-Mikrofon
© Getty

"Who the Hell is Oenning?", titelten die "11 Freunde" im August, nachdem Thomas von Heesen als Trainer beim 1. FC Nürnberg zurückgetreten war und sein - bis dato völlig unbekannter - Co-Trainer über Nacht zum Chef wurde.

Mittlerweile wurde Oenning von der Interims- zur Dauerlösung: Er soll den Club zurück in die Bundesliga führen. Aber wer ist nun dieser Michael Oenning, der selbst nie Profi war, sondern stattdessen Germanistik studierte; der mit Marcel Reif 2002 die Weltmeisterschaft kommentierte; und der nun in Nürnberg so beliebt ist?

Vor dem Spiel gegen Kaiserslautern (Mo., 20.15 Uhr im LIVE-TICKER & bei Premiere) sprach SPOX mit dem 43-Jährigen über seinen Werdegang, die Ressentiments unter Kollegen, sein Auge für junge Talente und das große Ziel: Bundesliga.

SPOX: Herr Oenning, Ihr Werdegang als Trainer unterscheidet sich vom klassischen Berufsbild insofern, als Sie als Spieler kein Profi waren. Sie haben etwas Ordentliches gelernt und Germanistik studiert.

Oenning: Ich habe auf Lehramt studiert, in Sport und Deutsch das erste und zweite Staatsexamen gemacht, habe dann an der Hochschule gelehrt und angefangen zu promovieren.

SPOX: Und was aus dieser Zeit hilft Ihnen noch heute als Trainer?

Oenning: Aus der Literatur wohl eher weniger, aber das Sportstudium war sicher eine gute Grundlage.

SPOX: Sie waren dann beim Württembergischen Verband und schließlich Co-Trainer in der DFB-Nachwuchsarbeit. Wie wichtig war diese Erfahrung?

Oenning: Ich hatte dadurch viel mit Talentförderung und Talentfindung zu tun. Dadurch habe ich viele gute Fußballer schon in jungen Jahren kennengelernt und dadurch ein gutes Gefühl für die Maßstäbe entwickelt, die gefordert sind, um im Profibereich wirklich mitspielen zu können.

SPOX: Also ein Auge für Qualität entwickelt.

Oenning: Auch. Aber eine wichtige Frage für jeden Trainer ist auch, wie man mit der Qualität umgeht, wie man verschiedene Charaktere anpackt. Dazu lernt man natürlich, wie man Wissen vermittelt und welche Schwerpunkte man setzt.

SPOX: War die Nachwuchsförderung damals bereits so konzeptionell geprägt, oder kam das tatsächlich erst mit Matthias Sammer?

Oenning: Tatsächlich ging das schon vorher los. Was Sammer aber zweifellos richtig gemacht hat, ist, dass er diese Dinge mehr in den Fokus gesetzt und auf die Dringlichkeit hingewiesen hat. Fakt ist, dass es heute kaum mehr Straßenfußballer gibt, es wird einfach mehr Wert auf eine konstruktive Ausbildung gelegt.

SPOX: Sind Sie selbst ein Konzepttrainer?

Oenning: Ich würde mich nicht so bezeichnen, aber ich hoffe doch, dass ich eine klare Philosophie habe, die ich versuche umzusetzen.

SPOX: Und zwar?

Oenning: Ich war früher selbst Stürmer - und das hat mich auch geprägt: Ich bin grundsätzlich ein Freund von offensivem und schnellem Fußball.

SPOX: Und wie würden Sie Ihren Führungsstil beschreiben?

Oenning: Man muss sich den Bedürfnissen der Spieler anpassen, mit denen man gerade trainiert. Man muss immer wieder versuchen zu begreifen, mit wem man es eigentlich zu tun hat. Insofern beruht mein Führungsstil stark auf Kommunikation.

SPOX: Haben Sie jemals Ressentiments Ihrer Kollegen gespürt, weil Sie selbst nie Profi waren?

Oenning: Profi gewesen zu sein, hilft natürlich, manche Dinge besser zu verstehen. Aber es ist kein Hindernis und bestimmt kein Ausschlusskriterium, wenn man es nicht war. Das Entscheidende ist, wie intensiv man sich mit Fußball auseinandersetzt. Ich hatte noch nie das Gefühl, mich irgendwie rechtfertigen zu müssen. Ich wüsste auch nicht warum.

SPOX: In Ihre Zeit beim DFB fällt auch der Beginn der Zusammenarbeit mit Premiere. Sie haben während der WM 2002 mit Kommentator Marcel Reif zusammengearbeitet. Sicher auch eine lehrreiche Zeit.

Oenning: Absolut lehrreich! Ich glaube, zwischen Medien und Fußball besteht immer eine Wechselwirkung. Es hilft sehr, wenn man beide Seiten versteht. Denn natürlich sind jeweils unterschiedliche Interessen da, und ich kann nun besser einschätzen, wie Medienvertreter denken und was sie benötigen. Das ist gerade in diesem Geschäft sicher sehr hilfreich.

SPOX: Und rein fachlich? Sie konnten immerhin viel Fußball gucken.

Oenning: Richtig. Alleine wenn ich rekapituliere, wie viele Spiele ich auf absolutem Topniveau gesehen habe. Diese Erfahrung kann man nicht hoch genug einschätzen. Und ich habe diese Zeit ganz bewusst genutzt. Ich hatte ja auch die Möglichkeit, zu beobachten, wie Mannschaften an Spiele herangehen, wie sie trainieren, wie sie sich vorbereiten. Das war eine sehr prägende Zeit für mich.

SPOX: Zwei Jahre später dann Co-Trainer in Gladbach - eine turbulente Zeit...

Oenning: Ich habe das volle Programm gleich am Anfang gelernt. In Gladbach habe ich vier Trainer und zwei Sportdirektoren mitgemacht. Das war natürlich prägend, zumal es eben die erste Erfahrung in der Bundesliga war. Es war eine sehr schöne Zeit, aber auch eine sehr unruhige Zeit.

SPOX: Dann kamen zwei Jahre als Co-Trainer in Wolfsburg, anschließend Nachwuchstrainer in Bochum - und dann kam 2008 das Angebot aus Nürnberg.

Oenning: Ich denke, das war die logische Konsequenz aus meiner Entwicklung, aber das Angebot, als Co-Trainer in Nürnberg zu arbeiten, war natürlich eine tolle Sache. Wir haben zwar nicht geschafft, die Klasse zu halten - aber das versuchen wir ja jetzt wieder zu reparieren...

SPOX: Allerdings mit Ihnen als Cheftrainer. Thomas von Heesen trat nach dem 2. Spieltag der laufenden Saison zurück. Eine große Umstellung?

Oenning: Das mit der Umstellung ist eher ein Klischee. Ich persönlich musste mich da nicht groß verändern. Entscheidend ist die Frage, ob man genügend Autorität besitzt, um mit der Mannschaft arbeiten zu können. Und im Moment sieht es so aus, als würde es ganz gut funktionieren.

SPOX: Tatsächlich gelten Sie als sehr beliebt in der Mannschaft und bei den Fans. Aber wie ist eigentlich Ihr Verhältnis zu Michael A. Roth - er gilt nicht eben als ganz einfach.

Oenning: Mein Verhältnis mit unserem Präsidenten ist wunderbar, da gibt es überhaupt keine Probleme. Ich glaube, dass Herr Roth in der Außendarstellung manchmal komisch rüber kommt, aber ich persönlich kann nichts Negatives über ihn sagen. Wir haben regen Austausch, und mir gegenüber ist er immer sehr freundlich und sehr zuvorkommend.

SPOX: Dann nehmen Sie es ihm auch nicht übel, dass er eine ganze Weile nachgedacht hat, ehe er Sie endgültig zum Cheftrainer machte?

Oenning: Ich fand das völlig legitim. Wenn sich ein Verein zu dem Schritt durchringt, den Co-Trainer zum Chef zu machen, muss er schließlich das Recht haben, den Schritt auch zu überprüfen.

SPOX: Ihre Zielsetzung damals hieß: Aufstieg. Wie realistisch ist dieses Ziel Stand heute?

Oenning: Das werden wir jetzt erst im Prozess sehen. Eine Mannschaft wie Nürnberg muss den Anspruch haben, in der Bundesliga zu spielen - so schnell wie möglich. Wenn wir das in dieser Saison schon umsetzen können: super. Wenn nicht, dann müssen wir es eben im nächsten Jahr versuchen. Fakt ist, dass wir momentan dahinter liegen und erstmal Punkte sammeln müssen.

SPOX: Sie vertrauten am Anfang den etablierten Spielern - und wurden eher enttäuscht...

Oenning: Zumindest hatten wir eine Phase, in der die arrivierten Spieler nicht ihre Leistung bringen konnten. Grund dafür war sicher ein Mix aus verschieden Dingen: Wir mussten neue Spieler integrieren, die Mannschaft wachsen lassen, und dazu kam etwas die fehlende Geduld und ein hoher Erwartungsdruck. In dieser Situation habe ich mich dann dazu entschieden, die ganze Sache zu ändern - und dabei ist es dann geblieben.

SPOX: Seit dem Spiel in Ingolstadt heißt die Devise also: Junge Spieler.

Oenning: Ich will da gar nicht so viel reinhexen: Solche Dinge kommen immer wieder vor. Wir wollten einfach Spielern eine Chance geben, die vorher keine hatten. Und hätten sie sie nicht genutzt, würden wir heute vielleicht wieder mit den alten Spielern spielen. Das sind normale Prozesse.

SPOX: Dann ist die Förderung von jungen Talenten also eher eine Momentaufnahme?

Oenning: Nein, das ist schon bewusst gewollt und auch bewusst vorangetrieben. Wir haben jetzt eine Mischung aus sehr erfahrenen Spielern und jungen, hungrigen Leuten. Die zwei Dinge zusammenzubringen: Das wird unser Weg sein.

SPOX: Am Montag geht es gegen Kaiserslautern. Nach dem Hinspiel trat Thomas von Heesen zurück. Schließt sich nun ein erster Kreis?

Oenning: Ich glaube nicht, dass sich da irgendetwas schließt. Das Spiel hat mit damals nicht das Geringste zu tun. Die Situation ist völlig anders. Es ist ganz einfach ein wichtiges Spiel, das wir so bewerten, wie andere Spiele auch. Und die Lauterer sehen das bestimmt nicht anders.

SPOX: Und was erwarten Sie von der Partie?

Oenning: Ich gehe davon aus, dass wir versuchen werden, das Spiel zu gewinnen.

2. Liga: Der 19. Spieltag im Überblick

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung