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Fussball

Vanderlei Luxemburgo: Der Real-Trainer, der aufgrund einer Auswechslung gehen musste

Von Daniel Nutz

Das Amt bei Real Madrid glich während der Galacticos-Zeit einem Schleudersitz. Einem Trainer wurde beispielsweise eine Auswechslung zum Verhängnis.

Wer kennt sie nicht, die Galaktischen von Real Madrid? Der spanische Hauptstadtklub war zu Beginn der 2000er-Jahre eine absurde Ansammlung von Mega-Stars: Luis Figo, Roberto Carlos, Iker Casillas, Zinedine Zidane, Ronaldo, David Beckham, sie alle liefen gemeinsam für Real auf.

Gemessen an den Namen hielt sich der sportliche Erfolg der Galacticos allerdings in Grenzen. Das lag vor allem an der Disziplinlosigkeit des Star-Ensembles, welches nach der Entlassung von Vicente del Bosque 2003 in eine gewisse Trotzreaktion überging.

"Del Bosque hat uns perfekt verstanden. Wir brauchten keine Regeln. Die Spieler wussten, was zu tun ist", sagt Roberto Carlos rückblickend bei Canal 11: "Er hat das Training nie für 11 Uhr angesetzt, weil er wusste, dass keiner kommen würde."

Auf del Bosque folgte Carlos Queiroz, der nach 59 Spielen von Jose Antonio Camacho abgelöst wurde. Dieser setzte das Training für sieben Uhr morgens an, "er war nicht lange Trainer", erklärte Carlos im Nachgang vielsagend. Im Januar 2005 sollte schließlich Vanderlei Luxemburgo übernehmen und damit der Mann, dem letztlich auch eine Auswechslung zum Verhängnis wurde. Aber der Reihe nach.

Florentino Perez' Lieblinge waren die Brasilianer

Vor allem den südamerikanischen Spielern im Kader mangelte es an Disziplin, doch Präsident Florentino Perez ließ ihnen eine lange Leine. "Das Problem war, dass er insbesondere die Brasilianer anhimmelte. Sie waren seine Lieblinge", berichtete der Journalist Manuel Pereira, der seit 1979 in Madrid lebt und arbeitet, 2021 im Gespräch mit SPOX und GOAL.

Perez hoffte, dass Luxemburgo, ebenfalls Brasilianer, dessen Landsmänner besser kontrollieren könne, immerhin trainierte er Carlos bereits vorher und kannte Ronaldo von der Selecao. Luxemburgo galt als streng und taktisch innovativ, doch auch die erste Rückrunde unter ihm verlief nur bedingt erfolgreich.

Luxemburgo nahm "erst das Bier und dann den Wein"

Nichtsdestotrotz bekam er eine weitere Chance - und mit Robinho und Julio Baptista noch mehr Brasilianer in sein Team. Letztlich funktionierte die mit Stars gespickte Mannschaft auch unter seiner Regie nicht. Und mit seinen strengen Regeln verlor er das Team nach und nach.

"Er wollte Dinge verbieten, die in Brasilien nicht üblich sind, in Europa aber schon. Wir hatten die Angewohnheit, wenn wir am Tag vor einem Spiel im Hotel ankamen, unsere Taschen ins Zimmer zu stellen und vor dem Abendessen unser Bier und unseren Wein zu trinken", verriet Carlos einmal der brasilianischen Tageszeitung Folha de Sao Paulo. "Es standen immer zwei Flaschen Wein auf dem Tisch. Erst nahm er uns das Bier und dann den Wein weg."

Im Dezember 2005 sollte Luxemburgo letztlich entlassen werden, nachdem eine Auswechslung Ronaldos vor allem bei Präsident Perez das Fass zum Überlaufen brachte. Real führte in einem Heimspiel mit einem Mann weniger 1:0 gegen Getafe, als Luxemburgo in der 87. Minute Ronaldo vom Feld nahm, um die Defensive für die letzten Minuten zu stärken.

Ronaldo-Auswechslung: Perez sauer auf Luxemburgo

"Mit einem Mann weniger ist das normal, um den Sieg abzusichern", erinnerte sich Luxemburgo an die Geschehnisse zurück. "Doch die Fans zückten Taschentücher und begannen zu protestieren. In den Katakomben traf ich dann auf Perez und er fragte mich: 'Was ist passiert?'"

Luxemburgo erwiderte, dass nichts vorgefallen sei. "Warum hast du dann Ronaldo ausgewechselt?", schnauzte Perez den Trainer an. Dieser erklärte seine taktischen Absichten und dass es darum gehe, Barca noch von der Tabellenspitze abzufangen, doch das interessierte Perez nicht. "Bei Real Madrid müssen wir an die Fans denken, sie bezahlen, um eine Show zu sehen", so Perez laut dem Brasilianer.

Nach einer hitzigen Diskussion offenbarte Luxemburgo dem Präsidenten, dass er ohnehin wenig Spaß an der Arbeit bei Real habe. "Ich habe nicht darum gebeten, hierher zu kommen, sie sind zu mir nach Brasilien gekommen, um mich einzustellen", sagte er letztlich zu Perez. "Ich handle so, wie ich es für richtig halte." Worte in Richtung des Vorgesetzten, die Folgen haben sollten: "Am nächsten Tag war ich gefeuert."

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