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Fussball

FC Barcelona unter Trainer Xavi: Warum man Messi nicht mehr braucht

Von Stefan Rommel

Der FC Barcelona zeigt sich unter Trainer Xavi runderneuert und scheint auf einem guten Weg zurück in die Weltspitze. Dabei nutzt Xavi mehr als "nur" die Guardiola-Philosophie und beschreitet seine ganz eigenen Pfade.

Wahrscheinlich wurden Joan Laportas letzte Zweifel unmittelbar nach einer Niederlage gegen Real Madrid beseitigt. Im Januar verabschiedete sich der FC Barcelona nach einem 2:3 gegen Real aus dem Supercup, nach der Partie soll der Präsident in der Kabine zur Mannschaft gesprochen haben und angeblich fiel dabei der Satz: "Das ist der Weg - und wenn wir den weiter beschreiten, werden wir schon bald wieder Erfolg haben."

Laporta sah schon damals, wie gut die Mannschaft den Anweisungen ihres Trainers folgte. Wie schnell sich die Dinge veränderten und dass es wohl richtig war, sich für Xavi Hernandez zu entscheiden. Denn auch das war durchaus ein ziemliches Wagnis für einen Klub wie den FC Barcelona. Die Blaugrana, der ehemals größte und zeitweise auch erfolgreichste Klub der Welt, benötigte einen kompletten Neustart.

Und den sollte ausgerechnet ein ehemaliger Spieler schaffen, dessen Potenzial als Trainer noch nicht erprobt war auf den großen Bühnen des Fußballs und der stattdessen zwei Jahre lang bei al-Sadd Sport Club trainiert hatte. Einem Klub aus der katarischen ersten Liga. Gute vier Monate später muss man wohl konstatieren: Laporta hätte keinen Besseren für den Job finden können als Xavi Hernandez.

FC Barcelona: Tradition und Moderne mit Xavi

Der 4:0-Sieg im Clasico bei Real Madrid war in seiner fußballerischen Pracht so bemerkenswert, dass mancher Beobachter sogar schon Vergleiche ziehen wollte zu den legendären Auftritten anderer Barca-Mannschaften im Bernabeu, Erinnerungen wurden wach an das 6:2 in Guardiolas erstem Auswärtsspiel in Madrid oder das Cruyff-5:0 in den 70er Jahren. Ganz so weit ist es noch nicht, zumal sich Real Madrid auch in einem verheerenden Zustand präsentierte. Aber wie schnell sich Barca unter Xavi erholt und eine ganz neue Art des Fußballs umsetzt, ist dann doch erstaunlich.

Es ist eine Mischung aus den Rezepten der Vergangenheit und dem, was der moderne Fußball aktuell einfordert, schlau zusammengeführt und entwickelt von einem Trainer, der für beides steht: Für Tradition und Moderne. Und der aus den Fragmenten nach und nach ein neues Bild entstehen lässt.

Der FC Barcelona - und das ist nach den letzten Jahren durchaus eine Erwähnung wert - hat mittlerweile wieder fast zwei Drittel Ballbesitz, den meisten jedenfalls aller LaLiga-Klubs. Das Barca unter Ronald Koeman, Quique Setien oder Ernesto Valverde fiel in einigen Spielen sogar unter die 50-Prozent-Marke, gab freiwillig den Ball ab und damit die Barca-DNA in gewisser Weise auch auf. Ein derart reaktiver Spielansatz passt weder zum Klub noch zu den Spielern, die Xavi mittlerweile zur Verfügung hat. Insofern überrascht die deutlich dominantere Ausrichtung nicht, mit der Xavi seine Spieler auf den Platz schickt.

Auch Xavi will viel Ballbesitz hoch im Feld, also nahe dran am gegnerischen Tor. Und wenn der Ballbesitz verloren geht, greift sofort das Gegenpressing. Das sind klassische Guardiola-Elemente, die auch aktuell einen sehr großen Bestandteil dessen ausmachen, wie Barcelona seine Gegner bespielt, dominiert und in diesen Spielphasen regelrecht einschnürt.

Barca verzaubert mit vielen klassischen Elementen

Noch sind diese Sequenzen nicht ganz so ausgereift wie in besten Guardiola-Zeiten, aber die Abläufe werden immer griffiger: Mit jeder Chance, mit jedem Tor und vor allen Dingen auch jedem sofort unterbundenen Konterversuch des Gegners wächst die Sicherheit und das Vertrauen darauf, dass dieses neue, alte Stilmittel die Mannschaft tragen kann. Das Zurückweichen der letzten Jahre verschwindet immer mehr aus Barca-Spielen, die Angst vor Fehlern weicht der Zuversicht, mit dem nötigen Mut auf den Ball durchzuschieben und dahinter durchzusichern - auch wenn die letzte Verteidigungslinie dann rund um die Mittellinie postiert ist und der eine oder andere Durchbruch des Gegners nicht immer zu vermeiden ist.

Im Ballbesitz sind es auch die klassischen Barca-Muster, die das Spiel aktuell wieder so aufregend und attraktiv machen: viele kleine Ballstafetten, wendige Spieler mit einer flinken Übersetzung und Bewegungen, die an die jungen Xavi und Andres Iniesta erinnern. Xavi selbst hat einige der wichtigsten Stilmittel im Januar auf einer Pressekonferenz umrissen, damals schon in der Vorahnung, dass sein Fußball funktionieren kann und es die kleinen Details sind, die am Ende Großes verändern.

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