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Fussball

Real Madrid vor dem Clasico in der Krise: Warum Zinedine Zidane nicht das einzige Problem ist

Von Kerry Hau
Zinedine Zidane steht bei Real Madrid unter Beschuss - dabei ist er nur ein Problem von vielen.

Bei Real Madrid herrscht vor dem Clasico beim FC Barcelona (Sa., 16 Uhr LIVE auf DAZN und im LIVETICKER) Weltuntergangsstimmung. Zinedine Zidane wird als Hauptverantwortlicher für die nicht nur als Ergebniskrise durchgehende Lage ausgemacht. Der entzaubert daher kommende Trainer ist aber nicht das einzige Problem.

Wenn Florentino Perez nach einem Spiel von Real Madrid die Umkleidekabine betritt, dann muss schon etwas Gravierendes vorgefallen sein.

Am Dienstagabend war es wieder einmal so weit. Der Patron der Königlichen, so meldeten es jedenfalls die Sportzeitungen Marca und AS, verbrachte infolge des blamablen Champions-League-Auftakts gegen Shakthar Donetsk (2:3) drei Minuten im Kreise der Mannschaft.

Mit in der Kabine: Zinedine Zidane. Und weil Perez in Zidane so etwas wie seinen eigenen Sohn sieht, darf man davon ausgehen, dass er bei seiner Ansprache eher die Spieler als den entzaubert wirkenden Magier an der Seitenlinie in die Pflicht nahm. Zidane selbst signalisierte hinterher auf der Pressekonferenz zumindest, die Unterstützung des Vereins zu spüren - wenn auch die L'Equipe von einem Ultimatum für den Franzosen berichtete.

Er fühle die Unterstützung im Klub, betonte Zidane am Freitag, "aber jetzt müssen wir einiges ändern. Wir hatten zwei schwierige Spiele. Im Clasico können wir uns beweisen." Er selbst fühle sich "in der Lage, Lösungen für unsere Probleme zu finden".

Real-Krise: Zidane nicht das einzige Problem

Die Frage lautet, ob sich seine Spieler ebenfalls dazu in der Lage fühlen. Der erschreckende Auftritt gegen die arg ersatzgeschwächten Ukrainer war nicht der erste dieser Art. Schon die ersten Saisonspiele verliefen holprig, ehe sich Reals Starensemble nach der Länderspielpause mit 0:1 von Aufsteiger Cadiz abkochen ließ.

Die Gründe für den Abwärtstrend des spanischen Meisters sind mannigfaltig, die Resultate hängen sicherlich auch mit dem Corona-bedingten Sparkurs ohne echten Top-Transfer, dem vollgestopften Spielplan und den Verletzungen von Leistungsträgern (oder solchen, die es werden sollen) wie Dani Carvajal (28), Martin Odegaard (21) und Eden Hazard (29) zusammen.

Besonders schwer wiegt aus sportlicher Sicht aber die Tatsache, dass die Führer der einzelnen Mannschaftsteile - Sergio Ramos (34) in der Abwehr, Luka Modric (35) im Mittelfeld und Karim Benzema (32) im Angriff - allmählich über ihrem Zenit sind, während die jüngeren Spieler weder geistig noch spielerisch bereit scheinen, Verantwortung zu übernehmen.

Zidane bei Real: Keine Spielidee, aber auch kein frisches Blut

Raphael Varane (27) etwa schickt sich in keiner Weise an, zum neuen "Abwehrkrieger" zu mutieren. Aber auch offensivere Akteure wie Isco (28) oder Marco Asensio (24) sind in den vergangenen Jahren stetig stagniert anstatt in Führungsrollen zu schlüpfen.

Zu allem Überfluss kommt hinzu, dass die fast 200 Millionen Euro schweren Investitionen in vermeintliche Stars von morgen wie Eder Militao (22), Rodrygo (19) oder Luka Jovic (22) zu floppen drohen - und parallel verkaufte oder verliehene Spieler wie Sergio Reguilon (Tottenham Hotspur), Achraf Hakimi (Inter Mailand), Dani Ceballos (FC Arsenal), James Rodriguez (FC Everton) oder Brahim Diaz (AC Mailand) bei ihren neuen Vereinen aufblühen.

Liegt das am Trainer? Zum Teil, denn zu seinen Hauptaufgaben zählt, das Potenzial seiner Spieler zu erkennen und auszuschöpfen. Eine echte Spielidee ist unter Zidane schon seit Jahren nicht erkennbar - und deshalb kritisieren ihn auch viele Fans, noch mehr wenn die Ergebnisse ausbleiben. Dass Tribünengast Ramos so manchen Pressevertretern zufolge der lauteste Real-Spieler gegen Donetsk war, sagt viel über die Mannschaft aus.

Eine Mannschaft, zu der Zidane weiter Vertrauen hat ("Ich habe sehr viel mit diesen Spielern gewonnen, sie haben mich viel gewinnen lassen. Ich stehe an ihrer Seite bis zum Tod"), in der sich aber niemand so recht verantwortlich zu fühlen scheint für das, was auf dem Rasen passiert - und die damit ihren Coach im Stich lässt.

Real braucht Reaktion gegen Barca und Gladbach

"Wir waren im Kollektiv nicht auf der Höhe, um in diesem Wettbewerb zu bestehen", sagte Mittelfeldroutinier Modric nach dem Spiel gegen Donetsk. "Jetzt müssen wir zusehen, dass wir das abhaken und eine Reaktion zeigen."

Die nächsten beiden Aufgaben - erst der Clasico gegen den FC Barcelona im Camp Nou, dann das Auswärtsspiel in der Königsklasse bei Borussia Mönchengladbach - sind richtungsweisend. Entweder macht Real viel gut oder fällt ganz tief.

Letzteres würde dazu beitragen, dass die allmählich wieder aufkommenden Gerüchte um Mauricio Pochettino endgültig an Fahrt aufnehmen. Auch Stürmer-Legende Raul, derzeit Trainer der zweiten Mannschaft von Real, wird in Spaniens Medienlandschaft bereits als Kandidat für den Fall gehandelt, dass Zidane wie schon in seiner ersten Amtszeit von sich aus geht. Oder gehen muss. Denn egal wie hoch Perez' Meinung von seinem einstigen Galactico auch sein mag: Der Trainer ist das schwächste Glied.

Die Tabelle der spanischen Liga vor dem Clasico

PlatzTeamSp.ToreDiffPkt.
1.Real Sociedad610:2811
2.FC Villarreal68:8011
3.Real Madrid56:3310
4.Getafe55:3210
5.Cadiz66:6010
6.FC Granada57:8-110
7.Betis Sevilla67:9-29
8.Atletico Madrid48:178
9.FC Barcelona48:267
10.FC Sevilla45:327
11.CA Osasuna55:417
12.Elche43:307
13.FC Valencia68:9-17
14.Athletic Bilbao54:5-16
15.SD Eibar64:6-25
15.Huesca64:6-25
17.Celta de Vigo63:9-65
18.Deportivo Alaves63:8-54
19.Real Valladolid65:9-43
20.Levante55:10-53
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